Die SIGNA-Gruppe des umstrittenen Immobilien-Investors Rene Benko will nach Karstadt auch die Galeria-Kaufhof-Gruppe übernehmen.

Foto: Bild: Björn Láczay / flickr (CC BY-SA 2.0) bzw. Atrm / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Rene Benko: Wer ist der Milliardär, der nach Karstadt auch Kaufhof übernehmen will?

Seit Jahren versucht der österreichische Milliardär Rene Benko nach Karstadt auch die Galeria-Kaufhof-Gruppe zu übernehmen. Doch wer ist der in seiner Heimat Österreich massiv umstrittene Unternehmer, der in der Alpenrepublik gerade erst dadurch ins Zwielicht gekommen ist, weil sein Pressesprecher ein vernichtendes Dossier über den SPÖ-Kanzler Kern geheim an den zwielichtigen SPÖ-Dirty-Campaigning-Berater Tal Silberstein übermittelt hat? Benkos Kommunikationschef weist zwar jeden Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit zurück, aber es zeigt deutlich, welches Netz sich der Immobilienmilliardär mit Hilfe dubioser Finanziers in den letzten Jahren mit kräftiger Unterstützung ehemaliger Regierungsmitglieder gesponnen hat.

Berüchtigte Geschäftspartner

Denn was haben der wegen Korruptionsvorwürfen verhaftete israelische Milliardär Beny Steinmetz, Ex-Bundeskanzler und SPÖ-Obmann Alfred Gusenbauer, Politfinanzier Hans-Peter Haselsteiner, Ex-Glücksspiel-Chef Karl Stoss oder der milliardenschwere, umstrittene griechische Reeder George Economou gemeinsam? Sie alle sind oder waren mit Benko wirtschaftlich eng verbunden. Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.

Benko, der sein „Imperium auf zweifelhafte Bekannte gründete“, wie es das deutsche Manager Magazin im Dezember 2016 formulierte, gehört mittlerweile zu den zehn reichsten Österreichern.

Rechtskräftig verurteilt

Der Immobilien-Tycoon wurde rechtskräftig wegen versuchter verbotener Intervention zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt, weil in seinem Auftrag offenbar versucht wurde, über den mittlerweile zu zehn Jahren Haft verurteilten kroatischen Ex-Premierminister Ivo Sanader Italiens Ministerpräsident Berlusconi zu beeinflussen, um Ermittlungen gegen eine Firma Benkos „zu einem positiven Ende“ zu bringen. Üblicherweise ein Todesurteil für jeden Unternehmer. An Benko prallte dies fast spurlos ab. Er zog sich formell von der Spitze seiner Signa-Gruppe zurück und fungierte als Vorsitzender des Beirates der Holding.

SIGNA-Imperium auch in Deutschland hochaktiv

Benkos SIGNA ist der bedeutendste Immobilienentwickler in Österreich und betreibt große Handelsbeteiligungen in Deutschland. Die Gruppe hat sich laut Eigenangaben seit der Gründung vor 17 Jahren mit einem Immobilienvermögen von rund EUR 7,5 Mrd. und einem Umsatzvolumen ihrer Retailbeteiligungen von rund EUR 3,8 Mrd. aus dem Nichts zu einem echten europaweiten Player entwickelt. „Transparenz gehört nicht zu den Tugenden des Rene Benko“, schrieb etwa die Zeit Anfang 2014.

Besonders pikant ist die Tatsache, dass Benko seinen endgültigen Durchbruch dem gemeinsam mit Ex-SPÖ-Wahlkampfguru Tal Silberstein wegen Korruptionsverdacht verhafteten Diamantenhändler Beny Steinmetz verdankt. Der israelische Milliardär, wegen dubioser afrikanischer Minengeschäfte seit Jahren im Visier der Justiz, war Benkos Hauptfinanzier der Übernahme des maroden deutschen Kaufhausriesen Karstadt.

Der schnelle Diamantenhändler – von Benko schnell wieder ausbezahlt

„Beny Steinmetz, Rene Benkos reicher Freund“ – lautete 2013 die diesbezügliche Überschrift im österreichischen Wirtschaftsmagazin Trend. Damals lobte man in der SIGNA Steinmetz noch über alle Maßen: „Clever sei er, schnell in seinen Entscheidungen und hochintelligent. Eigenschaften, die dort bislang vor allem dem eigenen Unternehmensgründer, René Benko, zugeschrieben wurden.“ 2015 zahlte Benko Steinmetz wieder aus.

Doch wer ist dieser 57 Jahre alte Beny Steinmetz eigentlich? Der Mann, von Forbes als Milliardär und einer der reichsten Israeli taxiert, stieg nach dem Militärdienst in den Diamantenhandel ein. Er etablierte sich im globalen Rohstoffgeschäft und ist mit seiner Steinmetz Group heute der größte Einzelkunde des Diamanten-Weltkonzerns De Beers. Hinzu kommt noch ein großes Aktienpaket am kanadischen Bergbau-Riesen Gabriel Resources, der auch umstrittene Abbauprojekte in Rumänien verfolgt. Hier gibt es massive Korruptionsvorwürfe gegen Steinmetz und seinen Geschäftspartner, den mittlerweile von Parteichef Kern gefeuerten langjährigen SPÖ-Berater Tal Silberstein.

Geschäft des Lebens in Afrika hat Nachwirkungen

Mehr als Ärger machten Steinmetz aber schon 2013 – also während der Zusammenarbeit mit Benko – Streitigkeiten um Erzabbaurechte in Guinea, die sogar zu einer Hausdurchsuchung an seinem Wohnsitz in der Schweiz führten. Denn in Afrika dürfte der israelisch-französische Doppelstaatsbürger laut Menschenrechtsorganisationen den Deal seines Lebens gemacht haben. Steinmetz bekam eine zwangsenteignete Mine praktisch geschenkt und verkaufte sie um 2,5 Milliarden Dollar an ein brasilianisches Unternehmen weiter. Seine Anwälte bestreiten die Bezahlung von Schmiergeldern energisch. Die Signa-Gruppe gab damals zu den Vorwürfen gegen Steinmetz keinen Kommentar ab. 

Größter privater Immobilienbesitzer in der Wiener City

Erstaunlich auch die Tatsache, dass neben der eigenen Verurteilung, auch all diese Vorwürfe keinen störenden Einfluss auf Benkos weiteren beruflichen Aufstieg wie die Übernahme des sogenannten Goldenen Quartiers in der Wiener Innenstadt hatte. Dort ist Benkos Firma mittlerweile nach Eigenangaben aus dem Jahr 2014 die größte private Immobilienbesitzerin. Medien berichteten damals über eine vermutete finanzielle Zusammenarbeit mit Steinmetz auch bei Wiener Projekten.

Gute Bekannte in fast allen politischen Lagern

Benkos berufliche Verknüpfung mit Ex-SPÖ-Chef und Altkanzler Alfred Gusenbauer soll hier zumindest nicht erschwerend gewirkt haben. Gusenbauer, Mitglied des SIGNA-Beirates, ist übrigens auch beim oben erwähnten skandalumwitterten Steinmetz-Unternehmen Gabriel Resources als „Director“ mit an Bord. Ebenfalls fungiert Gusenbauers ehemaliger persönlicher Assistent im Bundeskanzleramt als Kommunikationsverantwortlicher bei Benko. Gusenbauer ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des auch in Deutschland tätigen Baukonzerns STRABAG von Milliardär und Politfinanzier Hans Peter Haselsteiner, der sich an Benkos SIGNA beteiligt hat. Dass Benko auch ein enger Bekannter des neuen Obmannes der CDU-Schwesternpartei ÖVP, Sebastian Kurz ist, überrascht hier dann auch nicht mehr.

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