Kurz und Kern setzt die Silberstein-Affäre immer mehr zu. FPÖ-Obmann HC Strache könnte vom Glaubwürdigkeitsverlust der beiden Kontrahenten profitieren.

Bild: SPÖ Presse und Kommunikation (SPÖ/Zach-Kiesling) / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Nach Kampf in Silbersteins Schlamm-Arena: SPÖ und ÖVP voller Dreck und unwählbar

Der heutige Samstag markiert den vorläufigen Tiefpunkt im SPÖ-Wahlkampf. Die Meldungen kommen beinahe schon im Stundentakt. Der Bundesgeschäftsführer geht zwei Wochen vor der Wahl, auch der Kanzler ist rücktrittsreif. Doch die Schlammschlacht hinterlässt auch massive Schmutzspuren an Kerns Widersacher Sebastian Kurz, dessen Nähe zur Drehscheibe aller Affären, dem israelischen Berater Tal Silberstein, immer besser dokumentiert wird.

Dirty Campaigning gegen Kurz auf Facebook

In der Früh wurde zunächst bekannt, dass auch zwei Facebook-Seiten – eine für und eine gegen Sebastian Kurz – aus Silbersteins Giftküche stammen dürften und zumindest ein SPÖ-Mitarbeiter darüber informiert gewesen sein dürfte. Besonders perfide: Mit der Seite „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“ wurde der ÖVP-Obmann in einer Weise angepatzt, die eine Urheberschaft im FPÖ-nahen Bereich vermuten ließ. Silbersteins Kalkül: Beim Dirty Campaigning bleibt ein Teil des Drecks immer am Werfer hängen. Wäre der Schwindel nicht aufgeflogen, also an der FPÖ.

Kern mit Korruptionsverdächtigem als gemeinsamer Firmenbesitzer

Weiter ging es am Nachmittag mit der Hiobsbotschaft einer Unternehmensbeteilgung des SPÖ-Vorsitzenden und Kanzlers in Israel. Ganz offiziell besitzt er dort offenbar Anteile an einer Firma, in der seine Frau tätig sein soll. Quasi Kerns Kollege als Eigentümer dieser Firma namens „Foresight“ ist laut aktuellen oe24-Bericht über die Firma „Triple M“ der israelisch-georgische Oligarch Avraham Nanikashvili. Bekannt ist er in Israel vor allem deshalb, weil ihm aktuell wegen des Verdachts der Bestechung des Energieministers mit 400.000 Dollar der Prozess gemacht wird.

Ähnlichen Anschuldigungen sieht sich der deshalb auch vorübergehend in U-Haft genommene Silberstein gegenüber. Kern dürfte also sowohl politisch als auch beruflich nicht die beste Hand bei der Auswahl seiner Partner haben. Obwohl nach den aktuellen Entwicklungen de facto rücktrittsreif, geht vorerst „nur“ der Bundesgeschäftsführer: Georg Niedermühlbichler erklärte bei seinem heute um 17.30 Uhr erfolgten Rücktritt, es sei ein großer Fehler gewesen, Tal Silberstein zu engagieren. Von den beiden umstrittenen Facebook-Seiten habe er nichts gewusst.

Silberstein bestätigt langes und interessantes Gespräch mit Kurz

Doch die ÖVP sollte sich angesichts der massiven Krise beim Noch-Regierungspartner nicht ins Fäustchen lachen. Denn Silberstein bestätigt in einem Interview mit oe24.at nicht nur, dass er sich im Jahr 2014 tatsächlich mit Kurz getroffen hat. Er beschreibt das Gespräch zwar als zufällig in einem Flugzeug zustande gekommen, aber auch als lange und intensiv, dass es kaum wahrscheinlich ist, dass Kurz sich – wie er im Duell mit HC Strache zunächst behauptete – nicht daran erinnern konnte. Und Silberstein legt nach: 2015 habe es in Kurz‘ Umfeld Interesse daran gegeben, ihn als Berater zu engagieren, wozu es aber nicht gekommen sei.

Hat die ÖVP einen Spion ins rote Beraterteam geschickt?

Doch es ist nicht nur Kurz‘ Glaubwürdigkeit, der Silberstein einen weiteren Schlag versetzt. Die wahre Bombe platzt, als er über die zahlreichen „Leaks“ aus seinem Umfeld zum Schaden zur SPÖ spricht. Silberstein wörtlich:

Dieser ganze Leak wurde durch einen Maulwurf, der offenbar von der anderen Seite rekrutiert wurde, gemacht.

Mit der „anderen Seite“ kann in diesem Zusammenhang nur die ÖVP gemeint sein. Ist es tatsächlich denkbar, dass eine Partei einen Spion in die andere einschleust? Das Niveau, welches das Schlammringen in Silbersteins Arena mittlerweile erreicht hat, macht jedenfalls sowohl die SPÖ als auch die ÖVP unwählbar.

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