Der Wein – in unserer Heimat mehr als nur ein Getränk

Die unzensuriert.at Sonntag-Serie Foto: unzensuriert.at
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8. Oktober 2017 - 21:46

Der Herbst ist auch die Zeit der Weinlese. Wein und Weinbau zählen zu den ältesten Kulturgütern unseres Landes und prägen seit Jahrhunderten die Landschaften ganzer Regionen. Auch viele Lieder und Geschichten sind dem Wein gewidmet. Legendär ist die Geschichte vom „Lieben Augustin“, der vom Weinkonsum betrunken in eine Pestgrube gefallen sein soll und dort erst am nächsten Morgen aufgewacht war. Und Heurigenlieder stellen einen fixen Bestandteil unseres heimischen Liedgutes dar.

Systematischer Weinbau seit der Römerzeit

Das Gebiet des heutigen Österreich kann auf eine Jahrtausende alte Weinbautradition zurückblicken. Funde von Traubenkernen datieren bereits aus der Zeit der Kelten, 700 v. Chr. Dass zu dieser Zeit auch schon Wein produziert wurde, ist allerdings nicht belegt. Mit systematischem Weinbau begannen die Römer in unseren Breiten dann im 1. Jh. v. Chr. Seine flächenmäßig größte Ausdehnung erreichte der heimische Weinbau, der sich zu dieser Zeit bis Vorarlberg erstreckte,  im 15. und 16. Jh. n. Chr. Heute stellt  Niederösterreich mit rund 28.000 Hektar Anbaufläche das größte Weinbaugebiet dar. Gefolgt vom Burgenland mit 13.000 Hektar und der Steiermark mit rund 4.600 Hektar. Auf eine lange Weinbautradition kann auch Wien zurückblicken. Im Mittelalter wurde dort sogar innerhalb der Stadtmauer Wein angebaut.

Unter dem Einfluss des kontinental-heißen pannonischen Klimas wachsen im Burgenland die qualitätsreichsten Rotweine unseres Landes. Zu den bekanntesten Weinbauregionen Österreichs zählen zudem insbesondere die Wachau und die südsteirische Weinstraße, wo das Erscheinungsbild der Kulturlandschaft wesentlich vom Weinbau geprägt ist.

Südsteirische Weinstraße

Die südsteirische Weinstraße führt durch die größte Weinbauregion der Steiermark, in der einige der besten Weißweine unseres Landes gedeihen. Man nennt die romantische Kulturlandschaft auch "Steirische Toskana". Hier, an der Grenze zu Slowenien, soll auch der beste steirische Wein wachsen. Fast alle Hänge der Region sind an ihren steilsten Stellen mit Reben durchzogen. Die rund 400 Hektar Weinbaufläche der südsteirischen Gemeinde Gamlitz machen etwa zehn Prozent des gesamten steirischen Weinbaugebietes aus. Auf Schloss Gamlitz befindet sich ein Weinbaumuseum, wo man im 450 Jahre alten Keller auch Wein verkosten kann.

Die Wachau

Die Wachau ist das älteste Weinbaugebiet unseres Landes. Der Weinbau erstreckt sich nördlich und südlich der Donau über rund 20 Kilometer entlang des Stromes. Weithin bekannt sind die steil ansteigenden Weinterrassen der Wachau. Die Steinmauern speichern untertags die Sonnenwärme und geben diese in der Nacht ab, was für die besondere Qualität der Wachauer Weine von entscheidender Bedeutung ist. Zahlreiche Weinfeste zeugen von der wirtschaftlichen Bedeutung des Weinbaus für die Region. Das größte derartige Weinfest findet mit dem Wachauer Volksfest jährlich in der Stadt Krems statt.

Der Wiener Heurige

Typisch für Wien ist die Institution des Heurigen. Die Wiener haben zum Wein und damit auch zum Heurigen wohl eine besondere Beziehung, die sowohl durch die ungebrochene Beliebtheit dieser traditionellen Ausschankbetriebe als auch durch das Wiener Liedgut gekennzeichnet ist.

Der Wiener Heurige geht auf eine Verordnung Kaiser Josefs II. aus dem Jahr 1784 zurück. Darin wurde festgelegt, dass den Betrieben ausschließlich der Verkauf von Eigenbauweinen erlaubt war und zur Kennzeichnung der genehmigten Ausschank ein Föhrenbuschen ausgesteckt werden musste. Ursprünglich war auch eine beschränkte Dauer der Ausschankzeit charakteristisch.

Typisch für den Heurigen ist auch die musikalische Begleitung des Abends durch Musikanten. Die klassische Heurigenmusik entwickelte in der Mitte des 19. Jahrhunderts.  Den charakteristischen Klang verdankt diese Musikrichtung den damals in Wien neu entwickelten Instrumenten Kontragitarre und chromatische Knopfharmonika, in Verbindung mit Geigenklängen. Die wohl bekanntesten Vertreter des Liedgutes waren und sind die Brüder Schrammel, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Heurigenmusik zu Popularität verhalfen und einen eigenen Stil prägten.

Die Verbundenheit des Wieners mit dem Heurigen und dem Wein zeigt sich auch in dem vom Volksschauspieler Hans Moser gesungenen „Reblauslied“.

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