Immobilien in Top-Lage wie hier am Berliner Alexanderplatz machen Kaufhof besonders attraktiv. Insbesondere die Mitarbeiter befürchten jedoch, dass die Geschäfte nach der Übernahme durch SIGNA schließen könnten.

Foto: Bild: Christian Liebscher (Platte) / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Der Kampf um Galeria Kaufhof wird härter

In Österreich verdichten sich die Gerüchte, dass die SIGNA-Gruppe des umstrittenen Immobilienmilliardärs Rene Benko nach Karstadt jetzt auch die wirtschaftlich wankende Galeria-Kaufhof-Kette übernehmen will. Bisher medial kolportierte diesbezügliche Versuche scheiterten am derzeitigen Eigentümer, der verkaufsunwilligen kanadischen Hudson´s Bay Company und den um tausende Jobs fürchtenden Belegschaftsvertretern.

Signa mit voller Kriegskasse

Die ehemalige Metro-Tochter Galeria Kaufhof (113 Warenhäuser, 21.500 Mitarbeiter, 3,1 Milliarden Euro Umsatz) kämpft mit hohen Verlusten, kleineren Kreditlinien und verlangt derzeit von ihren Mitarbeitern, einen finanziellen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens zu leisten.

Diese Probleme versucht Milliardär Benko zu nutzen. Seine Immobiliengesellschaft Signa Prime hat sich frisches Kapital beschafft und Anfang Oktober eine Erhöhung des Aktionärskapitals um eine Milliarde Euro vorgenommen. Das gesamte Eigenkapital summiere sich damit auf über vier Milliarden Euro. Benkos Kriegskasse ist damit prall gefüllt, mit dem Ziel aus Karstadt und Kaufhof einen de facto marktbeherrschenden Handelsgiganten zu formen.

Berüchtigtes Netzwerk

Aber wer ist dieser Rene Benko, der Tiroler, der sich in Blitzgeschwindigkeit ein Immobilienimperium schaffen konnte? Seine Freunde beschreiben ihn als smarten, cleveren Mann, der es perfekt verstehe, sich die Gunst meist älterer reicher Gönner zu sichern. Benkos Netzwerk ist in der Alpenrepublik berüchtigt. So war der Pressechef seines Unternehmens in die Dirty Campaigning Aktivitäten der sozialdemokratischen SPÖ im gerade beendeten Nationalratswahlkampf gegen den konservativen Hoffnungsträger Sebastian Kurz verwickelt, während Benko selbst ein enges Verhältnis zu Kurz pflegt und sogar auf dessen Wahlfeier erschien.

Rechtskräftig verurteilt

„René Benko, ein allzu gutes Netzwerk“ beschrieb die Frankfurter Rundschau die Zweifel an Benko und seinem finanziellen Umfeld. Der Milliardär aus Österreich hinterlässt, umso stärker man nachforscht, immer mehr Fragen als Antworten. Die Finanziers seines Aufstiegs sind oft mehr als umstritten und Benko selbst wurde in Österreich 2014 wegen versuchter verbotener Intervention rechtskräftig zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt. Er habe laut Gericht mittels des ehemaligen kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader versucht, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi zu „beeinflussen“. Die angesehene österreichische Tageszeitung Die Presse schrieb damals „Korruption: René Benko ist ein verurteilter Mann“. Benkos beruflichen Aufstieg hat dies erstaunlicherweise nicht gestört.

Umstrittene Geldgeber

Die Liste Benkos bisheriger Geldgeber ist durchaus hinterfragenswert. George Economou, mit Vorwürfen rund um Insiderhandel und Steuerflucht belasteter griechischer Reeder, gegen den Ermittlungen wegen Wertpapierbetrug laufen. Beny Steinmetz, milliardenschwerer israelischer Diamantenhändler der Benko die Karstadt-Übernahme mitfinanzierte, mittlerweile gemeinsam mit dem Dirty-Campaigning-Guru Tal Silberstein wegen des Verdachtes der internationalen Geldwäsche und Bestechung in Israel verhaftet. Oder die noch immer aktive Falcon Bank, ein in Korruptionsskandale verwickeltes arabisches Institut, dem beispielsweise die Markterlaubnis in Singapur entzogen wurde.

Gesteuerte Gerüchteküche

Seit Monaten werden laut Kaufhof-Eigentümer HBC gezielt Gerüchte gegen das Unternehmen gestreut, um eine Übernahme durch SIGNA zu ermöglichen. HBC solle offenbar aufgrund fehlender Kredite gezwungen werden, an die SIGNA-Gruppe zu verkaufen. Aber warum will Benko unbedingt Kaufhof? Aus Kreisen HBC-naher Wirtschaftsanalysten hört man, dass auch Karstadt Probleme habe und die Synergien mit Kaufhof brauche, etwa um am Weltmarkt günstigere Einkaufskonditionen zu erlangen. Auch sei dies die letzte Chance für Benko, Kaufhof zu übernehmen.

Häuser wichtiger als Geschäfte?

Ob dessen Firmengeflecht aus rund 220 Unternehmen in seiner Gesamtheit wirklich so exzellent dastehe, wird in Österreich hinter vorgehaltener Hand massiv hinterfragt und Benkos mangelnde Transparenz ist legendär. Auch gehe es laut den Gerüchten dem Immobilienhändler in erster Linie nicht um die Geschäfte, sondern um die oft in prominenter Lage befindlichen Häuser. Genau deshalb hatten sich die Mitarbeitervertreter von Kaufhof immer gegen SIGNA ausgesprochen, denn man befürchtet Schließungen und massive Personalkürzungen.

Hier werden laut Brancheninsidern die nächsten Monate eine Entscheidung bringen. Dem Traditionsunternehmen Galeria Kaufhof wäre eine schnelle Entspannung der Situation nur zu wünschen.

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