Ebola-Seuche: Mindestens 6 Millionen Dollar an Hilfsgeldern versickerten in dunklen Kanälen

Millionen von US-Dollar an internationaler Hilfe kamen nicht den Ebola-Kranken zu Gute, sondern kriminellen Netzwerken in Westafrika. Foto: Milad Mosapoor / wikimedia gemeinfrei
Millionen von US-Dollar an internationaler Hilfe kamen nicht den Ebola-Kranken zu Gute, sondern kriminellen Netzwerken in Westafrika.
Foto: Milad Mosapoor / wikimedia gemeinfrei
8. November 2017 - 8:13

Die jüngste Ebola-Seuche in Westafrika wird zu einem Kriminalfall der Sonderklasse. Im Rahmen der Bekämpfung der tödlichen Krankheit sollen in den betroffenen Ländern bis zu sechs Millionen Dollar an Hilfsgeldern veruntreut worden sein.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes unter Verdacht

Während des Ausbruchs der Seuche zwischen 2014 und 2016 sind insgesamt 11.000 Menschen an Ebola gestorben. Die große internationale Hilfsbereitschaft sollen Mitarbeiter des Roten Kreuzes dazu verwendet haben, gemeinsam mit korrupten Managern von Regionalbanken Millionen von Dollar an Hilfsgeldern einfach abzuzweigen.

Allein in Sierra Leone sollen bis zu zwei Millionen Dollar nicht der Ebola-Bekämpfung zu Gute gekommen sein, sondern in dunklen Kanälen lokaler Mafia-Netzwerke verschwunden sein.

Liberia: Mitarbeiter verrechneten überhöhte Gehälter

In Liberia, wo es ebenfalls zu kriminellen Handlungen rund um die Ebola-Bekämpfung gekommen sein dürfte, sollen sich Mitarbeiter des Roten Kreuzes überhöhte Gehälter ausbezahlt haben. Gleichzeitig bezahlte man auch für Hilfsgüter überhöhte Preise, um so das Geld umzuleiten. Der Schaden in Liberia wird auf rund 2,7 Millionen Euro geschätzt. Mehr als eine weitere Millionen soll auch in Guinea im Rahmen einer Dienstleistung der korrupten örtlichen Zollbehörden abgezweigt worden sein.

Jetzt sollen Anti-Korruptions-Jäger gemeinsam mit dem Roten Kreuz und den Gesundheitsbehörden in den betroffenen westafrikanischen Ländern für Aufklärung sorgen. Für das Rote Kreuz ist dieser Kriminalfall jedenfalls international ein immenser Image-Schaden bei Förderern und Unterstützern.

Kleptokratisches Afrika - Schwieriges Terrain für Hilfsorganisationen

Afrika mit seinen kleptokratischen Regimes und deren untergeordneten Behörden ist für Hilfsorganisationen immer wieder ein extrem schwieriges Terrain. Selbst für das Ausladen von Hilfsgütern müssen oft horrende "Gebühren" an die jeweiligen Hafenverwalter bezahlt werden, die in keiner Relation zu deren Wert stehen. Bis die Spendengelder bei den tatsächlich Betroffenen einlangen, ist oft nur noch ein Bruchteil davon übrig.

Das verschweigen Hilfsorganisationen natürlich gerne. Experten fordern daher immer wieder ein Umdenken der gängigen Form der Entwicklungshilfe.

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