Der Rundfunk-Publizist und RAVAG-Generaldirektor wurde auch durch eine Gasse in Floridsdorf geehrt.

Bild: Walter Anton / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
Übernahm ORF-General Alexander Wrabetz Buchpatenschaft für „Austrofaschisten“?

Historisch weit vorgewagt hat sich der bekennende Sozialdemokrat und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, um den ORF und seine öffentlich-rechtliche Stellung zu legitimieren. Mit der Buchpatenschaft für zwei Werke des Radio-Pioniers Oscar Czeija bei der Österreichischen Nationalbibliothek wagt sich der rote ORF-Chef recht weit in austrofaschistisches Milieu der Ersten Republik und des Ständestaates hinein. Oscar Czeija gründete gemeinsam mit dem Handelsministerum, der Gemeinde Wien und einigen staatsnahen Banken 1924 die Rundfunk-Verkehrs AG (RAVAG) als Eigentümer der ersten Radiostation.

Bei der RAVAG agierte Czeija bis 1938 ununterbrochen als Generaldirektor. Czeija, der dem christlich-sozialen Lager politisch entstammte, unterstützte durch seine Hörfunkprogramme ab 1933 den sich bildenden autoritären Ständestaat unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg.

Czeija spielte zweifelhafte Rolle beim Juli-Putsch 1934

Obwohl offiziell Anhänger von Dollfuß, war Czeija informell auch bestens mit den Nationalsozialisten in den 30er Jahren vernetzt. Erster Präsident der RAVAG und enger Vertrauter Czeijas war der steirische Landeshauptmann Anton Rintelen, der beim Juli-Putsch 1934 durch die NSDAP als Bundeskanzler hätte eingesetzt werden sollen. Dass die Studios und die Sendeanlage am 24. Juli 1934 durch die Nationalsozialisten in der Wiener Johannesgasse vorerst ohne Widerstand besetzt werden konnten, führte in Folge zu erheblichem Erklärungsbedarf bei Czeija gegenüber der Regierung Schuschnigg. Czeija konnte sich aber in seiner Position halten.

Ab 1935 wurde unter Federführung von Czeija durch das Regime Schuschnigg mit dem Bau des Funkhauses in der Argentinierstraße begonnen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der langjährige RAVAG-Generaldirektor zwar entlassen, suchte aber um eine Aufnahme in die NSDAP an und soll in den Gauakten als Parteianwärter geführt worden sein. Nach Ende des 2. Weltkriegs war Czeija von August bis November 1945 öffentlicher Verwalter des „österreichischen Rundspruchwesens“ mit Sitz bei Radio Wien. Meldungen über seine mutmaßliche NSDAP-Nähe führten zu seiner Entlassung.

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