Max Schmeling war von 1930 bis 1932 Schwergewichts-Weltmeister aller Klassen. Medien präsentierten einen gebürtigen Libanesen als seinen Nachfolger.

Foto: Bild: Public Domain / Wikimedia
Deutschland hat Libanesen als Schwergewichts-Boxweltmeister – aber nur die Medien freuen sich

Die Nachricht kam so unerwartet über die Agenturen, als würde Angela Merkel den Hut nehmen. Plötzlich, von heute auf morgen, soll Deutschland seit der Boxlegende Max Schmeling wieder einen Schwergewichts-Weltmeister haben. Manuel Charr heißt der Mann, der am Samstag den vakanten Titel des Verbandes WBA durch einen einstimmigen Punktesieg gegen den Russen Alexander Ustinow errang.

Flüchtlingskind als Nachfolger von Max Schmeling

Der Sieg des 33 Jahre alten gebürtigen Libanesen aus Köln interessierte die Öffentlichkeit aber weniger als die Medien, die unbedingt ein Flüchtlingskind als Nachfolger von Max Schmeling, der von 1930 bis 1932 den Titel aller Klassen besaß, präsentieren wollten. Doch ein richtiger Nachfolger Schmelings, eines der größten Heroen in der Geschichte des deutschen Sports, ist Charr natürlich nicht.

Medien verschweigen Superchampion

Heute, bei der Vielzahl von Weltverbänden wie WBC, WBA, IBF, WBO usw., tut sich sogar jeder Anhänger dieses Sports schwer, die Übersicht zu bewahren. Die Medien verkünden Charr zwar als Weltmeister nach WBA-Version, verschweigen aber, dass es darüber noch den IBO- und WBA-Superchampion-Weltmeister im Schwergewicht gibt, den britischen Boxer Anthony Oluwafemi Olaseni Joshua (auch der ist kein autochthoner Brite, sondern Sohn nigerianischer Einwanderer).

Duell im Ring nicht WM-würdig

Ein Vergleich mit Schmeling verbietet sich nicht nur deshalb. Das Niveau in dem Duell war nicht WM-würdig, waren sich Boxexperten einig. Der 2,02 Meter große Riese Ustinow, weil Mittelmaß, hätte nie um den WM-Gürtel kämpfen dürfen. Das sieht auch Die Welt so, gesteht Charr aber zu, dennoch etwas Großartiges geschafft zu haben:

Der einst vor dem Bürgerkrieg in seinem Geburtsland geflüchtete Sohn eines Syrers, der in seiner neuen Heimat Deutschland mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geriet, in Untersuchungshaft saß und vor Gericht musste, der vor zwei Jahren durch einen Bauchschuss in einem Döner-Imbiss in Essen lebensgefährlich verletzt wurde und vor dem Karriereende stand, der sich einer doppelten Hüftoperation unterziehen musste und dem damit erneut das sportliche Aus drohte, der Mann hat sich aufgerappelt und hat sich einen Traum erfüllt.

In den Herzen der deutschen Boxfans nicht angekommen

Eigentlich lieben es die Menschen, wenn einer, der bereits am Boden lag, Erfolge feiert. Doch Manuel Charr ist in den Herzen der deutschen Boxfans nicht angekommen.

Das Publikum, rund 5.000 Zuschauer in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen, war hauptsächlich arabisch geprägt. Es wurden libanesische und syrische Nationalflaggen geschwenkt, es klang immer wieder Charrs Geburtsname Mahmoud durch das Oval. Der deutsche Boxweltmeister, wie ihn die Medien groß feiern, besitzt erst seit eineinhalb Jahren den deutschen Pass.

Emotionale Rede und Dank an Angela Merkel

Ob ihm die Herzen der Deutschen zufliegen, nachdem er seinen Titel Deutschland widmete und in einer emotionalen Rede Kanzlerin Angela Merkel dankte, ist zu bezweifeln. Jedenfalls rief Charr nach dem größten Sieg in seiner Karriere ins Sky-Mikrophon:

Dieses Land hat mir ein Dach über dem Kopf gegeben und mich aufgebaut. Frau Merkel, wir haben es geschafft, wir sind Weltmeister, das ist mein Geschenk für euch alle!

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