Markus Reiter (r.) mit Finanzstadträtin Renate Brauner bei der Eröffnung des Neunerhauses Billrothstraße im Juli 2005.

Foto: Bild: PID
Der bemerkenswerte Aufstieg des umstrittenen „Neunerhaus“-Chefs zum Blimlinger-Nachfolger

Thomas Blimlinger, der selbst unter ideologisch ganz anders gepolten Menschen stets geachtete und geschätzte Bezirksvorsteher von Wien-Neubau, hat sich mit Ende November in den – in diesem Falle wirklich wohlverdienten – Ruhestand zurückgezogen. Der ehemalige Trafikant und Kettenraucher führte den 7. Bezirk gut 16 Jahre lang souverän – mit großem Abstand der einzige grüne Bezirksvorsteher, der das schaffte.

Ein Trafikant, der mit allen redete

Blimlinger kannte „seine“ Leute noch aus der Zeit als Trafikant, redete mit jedem und versuchte auch immer, seinen grünen Kollegen zu vermitteln, genau das auch zu tun, nicht nur mit Gleichgesinnten. Dass seine weisen Worte nicht viel genutzt haben, hat das letzte Wahlergebnis gezeigt. Blimlingers Abgang mag auch in dieser Ignoranz seiner Parteigenossen begründet sein, wenngleich er es immer nobel vermied, das eigene Nest zu beschmutzen.

Krebs-Erkrankung hinderte ihn nicht, weiter zu machen

Dass er überhaupt so lange in seiner Position ausgehalten hat, ist umso bemerkenswerter, als er vor knapp zehn Jahren eine schwere Krebserkrankung nur mit viel Glück überlebte und sich – mehr oder weniger genesen – schon bald wieder tapfer seinen Aufgaben widmete (und seinen geliebten Glimmstengeln Adieu sagte). Andere wären damals schon in Pension gegangen.

Ein Währinger als Neubauer Bezirksrat

Umso schwerer wird es sein Nachfolger Markus Reiter haben. Der bisherige Geschäftsführer des Obdachlosen-Hilfsvereins „Neunerhaus“ verfügt nicht nur über keine „Hausmacht“ in Neubau, weil er im weit entfernten Währing wohnt, auch wenn er sich hier als Bezirksrat engagierte. Er war in seiner Geschäftsführer-Position auch nicht unumstritten und über viele Monate hinweg Hauptakteur in skandalträchtigen Enthüllungen mancher Medien, allen voran der (amtlichen) Wiener Zeitung.

Skandal-Berichte in der Staats-Zeitung

Vergessen scheinen die harten Zeiten zwischen 2005 und 2006, als der Reiter sche Geschäftsführungs-Stil im „Neunerhaus“ für böse Schlagzeilen sorgte. Die Vorwürfe gegen Reiter reichten damals von Freunderlwirtschaft bei Bauauftragsvergaben über missbräuchliche Verwendung des Spendengütesiegels und die Erledigung von Privat-Aufträgen der Geschäftsführung durch Obdachlose bis hin zu Selbstbedienung am Spendengeld des gemeinnützigen Vereins durch dicke Geschäftsführergehälter. Reiters Co-Geschäftsführer Michael Walk musste daraufhin den Hut nehmen, der gut vernetzte Reiter klammerte sich an seinen Posten (und die Grünen) und saß alle Skandale aus.

Aussitzen als politisches Credo

Nicht das erste Mal, dass ein solches Aussitzen einen irgendwann doch noch ins richtige politische Amt laviert. Nur vergessen sollten es die Leser und Wähler halt nicht. Aber in Blimlingers Fußstapfen zu steigen, wäre auch ohne Skandal-Vergangenheit schwer. Wir wünschen Markus Reiter daher viel Umsicht für seine neue Aufgabe!

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