Karl Heinrich Waggerl – Warmherziger, sinnenfreudiger Schilderer des Lebens | Unzensuriert.at

Karl Heinrich Waggerl – Warmherziger, sinnenfreudiger Schilderer des Lebens

Die unzensuriert.at Sonntag-Serie Foto: unzensuriert.at
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10. Dezember 2017 - 16:04

Im Jahr 1973 verstarb mit Karl Heinrich Waggerl ein begnadeter heimischer Schriftsteller, der es wie kaum ein anderer verstand, mit seinen sowohl unterhaltsamen als auch einfühlsamen Erzählungen und Geschichten die Herzen seiner Leser- und Zuhörerschaft zu erreichen.

Worüber das Christkind lächeln musste

Der Salzburger Literat Karl Heinrich Waggerl kann ohne Zweifel zu den viel besungenen „großen Söhnen“ unserer Heimat gezählt werden. Mit über sechs Millionen verkauften Büchern und Übersetzungen in mehr als einem Dutzend Sprachen zählte er zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Wohl kein anderer Autor wird thematisch so eng mit der Weihnachtszeit verbunden wie der Salzburger Zimmermannssohn, der im Jahr 1897 in Bad Gastein das Licht der Welt erblickte und dort in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs.

Mit weiser Ironie und hintergründigem Humor, erzählt Waggerl seine weit über unsere Grenzen hinaus beliebten Weihnachtsgeschichten auf unverwechselbare, berührende Weise. So verrät er dem Leser etwa, worüber das Christkind lächeln musste oder warum der schwarze König Melchior so froh wurde. Ebenso bekannt wie unvergessen sind seine weihnachtlichen Erzählungen "Die stillste Zeit im Jahr", "Das Weihnachtsbrot", "Die alte Krippe", "Und es begab sich", oder auch das Weihnachtskapitel aus "Das Jahr des Herrn".

Autobiographische Erzählungen

Waggerl genoss international hohes Ansehen und wurde als "warmherziger, sinnenfreudiger Schilderer des Lebens" bezeichnet. So manche Anekdote aus seinem Leben verarbeitete er etwa in den autobiographischen Erzählungen „Fröhliche Armut“ und „Aus der Kindheit“. So kann man dort lesen, wie er vom Dorfschullehrer beauftragt wurde, den Unterricht zu halten, damit der Pädagoge seinen Rausch ausschlafen konnte. Oder auch sein Bericht über den Bau der Tauernbahn und die ihm zuteil gewordene Ehre, bei deren Eröffnung dem Kaiser ein Gedicht vortragen zu dürfen. Legendär ist auch seine Erzählung über den Weihnachtstollen, den er einem Erbonkel bringen sollte, den Stollen aber auf dem Weg ausgehöhlt und gegessen hatte. Auf dem Berg angekommen legte er seinen Stollen zu den bereits Vorhandenen und erzählte seinem Onkel eine Geschichte von Mäusen. Als "Beweis" legte der kleine Karl den zuvor von ihm selbst ausgehöhlten Stollen vor. Als Dank bekam er vom Onkel einen neuen geschenkt.

Salzburger Adventsingen

Eng verbunden war Karl Heinrich Waggerl mit dem Salzburger Adventsingen. Diese seit 1946 alljährlich stattfindende, traditionelle Veranstaltung gilt als Vorbild zahlreicher weiterer „Adventsingen“ im gesamten deutschsprachigen Raum. Über 150 Sänger, Musikanten, Schauspieler und Kinder aus Salzburg und den angrenzenden Kulturregionen nehmen an dieser Veranstaltung teil. Seinen Einstand als Vortragender beim Adventsingen gab Waggerl im Jahr 1952, als er zum ersten Mal aus seinen „Kleinen Christkindlgeschichten“ las.

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