Der ORF musste nach APA-Recherchen die Meldung über deutsche Sorgen um FPÖ-Einfluss auf Geheimdienste richtigstellen.

Bild: Thomas Ledl / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Sorge um Geheimdienste wegen FPÖ: ORF muss „Sensationsmeldung“ dementieren

Geht es um eine Meldung, die der FPÖ Schaden zufügen könnte, steht diese vergleichsweise zu anderen Nachrichten oft sehr lange auf der Homepage des ORF. Dass Berlin besorgt über den FPÖ-Einfluss auf heimische Geheimdienste sei, war eben solch eine Meldung, die auf der ORF-Seite über Tage zu lesen war.

„Auf nicht näher bekannte Kreise“ verlassen

Der Schreiber berief sich auf einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und diese wiederum „auf nicht näher bekannte Kreise“. Der Leser bekam sodann unter dem Titel „Berlin besorgt über FPÖ-Einfluss auf Geheimdienste“ folgendes vorgesetzt:

Das deutsche Bundeskanzleramt befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge, dass mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ die Kooperation der westlichen Geheimdienste schwerer wird. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe sich beim Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) besorgt darüber geäußert, dass die FPÖ mit dem Innen-, Verteidigungs- und dem Außenministerium Schlüsselressorts besetze, an die im Zuge des Austausches der Dienste sensible Informationen geleitet würden, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag-Ausgabe).

Auf APA-Recherche verlassen

Am Montag dann der Schwenk. Da heißt es plötzlich: „Berlin dementiert Sorge über FPÖ-Einfluss auf Geheimdienst“ – und bei dieser Richtigstellung verließ sich der ORF nicht „auf nicht näher bekannte Kreise“ der FAZ, sondern, siehe da, auf Recherchen der APA. Diese hatte bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel nachgefragt und news.ORF.at musste zugeben, dass seine zuvor so prominent auf die Seite gestellte Meldung gar nicht stimmt. Der Schreiber zitierte die APA:

Sowohl das Bundeskanzleramt in Berlin als auch jenes in Wien haben gestern einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) dementiert, wonach sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) über die Russland-Kontakte der FPÖ besorgt gezeigt und vor möglichen negativen Folgen für die Arbeit der Geheimdienste gewarnt habe.

„Das war beim Gespräch zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Kollegen aus Österreich kein Thema“, zitierte der „Standard“ (Montag-Ausgabe) „Regierungskreise“ in Berlin. Auch das Bundeskanzleramt in Wien dementierte den „FAZ“-Bericht: Die Frage sei „kein Gegenstand der Gespräche der beiden Bundeskanzler“ gewesen, hieß es gegenüber der APA.

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