"Mastermind" der NÖ-Asylindustrie: Wie man mit Problemfällen gute Geschäfte macht | Unzensuriert.at

"Mastermind" der NÖ-Asylindustrie: Wie man mit Problemfällen gute Geschäfte macht

Das undurchsichtige Firmengeflecht des Herbert Eder macht in Niederösterreich mit Asylwerbern gute Geschäfte. Foto: Tjebbe van Tijen / flickr (CC BY 2.0)
Das undurchsichtige Firmengeflecht des Herbert Eder macht in Niederösterreich mit Asylwerbern gute Geschäfte.
Foto: Tjebbe van Tijen / flickr (CC BY 2.0)
24. Jänner 2018 - 9:45

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Im fünften und letzten Teil der Unzensuriert-Reihe über die Machenschaften der Asylindustrie in Österreich wird ein bedeutender Fädenzieher des Asylwesens in Niederösterreich näher beleuchtet.

Lesen sie hier die ersten vier Teile nach:

Von Maulkorb bis All-in-Service: Exklusiver Einblick in die Knebelverträge der Asylindustrie

Geldflüsse und Drahtzieher der Asylindustrie: NGOs werben in Afrika um Migranten

Flüchtlingshelfer packen exklusiv aus, Teil 2: Die unglaublichen Praktiken der Asylindustrie

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Private Asylheim-Organisation mit undurchsichtigem Firmengeflecht

Unternehmensberater Herbert Eder begann seine Karriere als "Asylkoordinator“ vor 15 Jahren in der Slowakei. Dort habe er laut Interview mit der Gratiszeitung Österreich "Asylheime ohne adäquate Betreuung" gesehen. In Österreich wollte er es dann „g'scheit machen“, so Eder.

Daraus entwickelte der findige Geschäftsmann Österreichs wohl lukrativste private Asylheimbetreiber-Organisation. Die sogenannte "SLC Asyl-Care" betreibt nach eigenen Angaben rund 100 Häuser, mit derzeit 2.000 Personen in Belegung. Der Firmensitz der übergeordneten "SLC-Europe" befindet sich laut Webseite im niederösterreichischen Lilienfeld. Recherchiert man diese Anschrift jedoch, gelangt man zur "Eder Beteiligungsverwaltungs GmbH", die als Betriebsart "Hotels" angibt.

Das weitverzweigte und undurchsichtige Firmennetzwerk verfügt laut Homepage-Informationen auch über Niederlassungen in Bulgarien und der Slowakei.

„Problemfälle“ lassen Eders Kasse klingeln

Vor allem "Härtefälle" unter den Asylwerbern wie Kranke, Kriminelle oder Suchtkranke bescheren dem Betreiber Geld von Seiten des Landes Niederösterreich. Nach Angaben anderer privater Heimbetreiber gegenüber unserer Redaktion (Namen der Red. bekannt) werden diese „Härtefälle“ beinahe ausschließlich in den Heimen Herbert Eders untergebracht. Auch spezielle Betreuung für "unbegleitete Minderjährige", die sich in großer Zahl in seinen Heimen befinden und ebenfalls in die "lukrativere Kategorie" fallen, wird über Eders Homepage angepriesen.

Gegenüber Österreich erklärte Eder im Juli 2015 auch die Notwendigkeit spezieller Einrichtungen dafür, wie etwa in Hainburg. Dort werden in einem ehemaligen Pflegeheim Asylwerber mit "besonderen Bedürfnissen" betreut. Gehbehinderte, Tumor-und Dialysepatienten samt Familienangehörigen sind dort untergebracht. Eine Krankenschwester ist immer anwesend, und auch ein Arzt steht auf Abruf bereit. Dieses Haus sowie Heime in Litschau und Gmünd (Waldviertel), wurden in Kooperation mit dem Land Niederösterreich geschaffen.

Homepage lobt "Mehrwert der Heime für Gemeinden"

Auf der Internetseite Eders ist unter anderem Nachstehendes zu erfahren: Eder habe mit der Sparte "SLC-Asylcare" sein Unternehmen zum größten Asylquartiergeber Niederösterreichs ausgebaut und dies zur vollsten Zufriedenheit des Landes Niederösterreich. Die Kooperation ist anscheinend zur Befriedigung beider Seiten ins Leben gerufen worden.

Als Berater stellt Eder sein Wissen auch gerne (natürlich entgeltlich) den Kommunen zur Verfügung, die Asylquartiere in ihren Gemeinden andenken oder genehmigen möchten, wie er im Internet erläutert. Schlussendlich könnten solche Quartiere, vorausgesetzt sie würden richtig organisiert und betreut, einen "Mehrwert für die Gemeinden darstellen", so Eder weiter.

Liste von asylheimtauglichen Objekten im Angebot

Unter dem zugkräftigen Schlagwort „Menschlichkeit“ werden auf der Plattform von "SLC-Asylcare" zahllose Serviceleistungen angeboten.

Unter dem Titel "Objektsuche" etwa werden Gebäude gesucht, die sich als Heime eignen und auch gleich das dazugehörige Formular angeboten, in dem sich potentielle Anbieter registrieren können. Selbstredend werden auch gleich die Werte des Unternehmens und das Bild des Wohltäters sowie seiner diversen Unternehmenssparten mitgeliefert. Das Ganze wird durch gesichtslose Männchen mit Herzen und Hirnen, gesprengten Ketten und über Risse hinweg reichende Hände untermalt.

Ex-SPÖ-Bürgermeister als Geschäftsführer

Dabei wird von "internationalen gesetzlich verpflichtenden Aufgaben Österreichs" gesprochen, die von "SLC-Asylcare" zur Zufriedenheit aller erfüllt würden. Auch ist von einem zu erfüllenden, hohen Standard für die Asylanten zu lesen.

Das Team von "SLC-Asylcare" besteht anscheinend aus sechs Mitarbeitern, unter anderem Eder selbst und sein Sohn, der dort als IT-Administrator geführt wird. Insgesamt sollen rund 100 Vollzeitbeschäftigte tätig sein.

So fungiert der ehemalige SPÖ-Bürgermeister von Puchenstuben im Bezirk Scheibbs nun als Prokurist und Geschäftsführer von "SLC-Asylcare". Wie er selbst im Dezember 2015 gegenüber dem Kurier äußerte, wollte er sich auf "neue berufliche Herausforderungen konzentrieren". So avancierte der Bürgermeister einer knapp 300 Einwohner umfassenden Gemeinde im Ötscherland zum wichtigsten Quartiermanager Österreichs. In der boomenden Asylindustrie scheint so Einiges möglich.

Eigener Rettungsdienst für Asylwerber

Die Organisation "SLC-Asylcare" verfügt zudem über einen eigenen SLC-Rettungsdienst zur Versorgung und Betreuung von bedürftigen Asylwerbern. Ebenso gibt es ein sogenanntes Krisenmanagement zur "Beratung in Krisensituationen und professioneller Erledigung herausfordernder und schwieriger Aufgaben".

Im Angebot ist auch ein "Specialcare für umfassende und professionelle Versorgung und Betreuung von kriegsversehrten Flüchtlingen bzw. Asylwerbern". Bei Letzteren kann natürlich gesondert abgerechnet werden, für solche Fälle wird von Seiten des Landes Niederösterreich aus Steuergeldern noch einmal extra "draufgezahlt". Des Weiteren wird Know-How zur Verfügung gestellt und die Infrastruktur für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge organisiert. Weiterführende Informationen zu den Serviceleistungen sind auf der Internetseite allerdings nicht zu erhalten.

Lukrative Beratung für Kommunen

In einer anderen Sparte wird die Beratung für Kommunen angeboten, dabei ist von Kooperationen mit nicht näher genannten Partnern die Rede. Jedoch geht es dabei vorwiegend um Genehmigungs- und Organisationsprozesse, die dann doch wieder Rückschlüsse auf potentielle Partner zulassen.

Worauf sich die auf der Homepage oftmals gepriesene "langjährige Erfahrung" Eders beruft, bleibt unklar, denn zum großen Profiteur in Sachen Asyl wurde er auch nur durch den enormen Ansturm seit dem Jahr 2015. Allerdings dürfte ihn genau das zum "erfahrenen Berater" (laut Eigendefinition) von Kommunen machen.

E-Learning-Angebot für Asylanten

Weiteres im Angebot des schier nicht enden wollenden Servicekataloges des Herrn Eder ist die Einschulung in die Nutzung und den Aufbau einer E-Learning-Plattform für Asylwerber. An alles wird dabei gedacht, um möglichst optimalen Profit zu erzielen. So werden unter anderem auch "Administrations-Tools" von Eder und seinem Team an den Mann, Kunden oder die Kommunen gebracht.

Unter dem Titel "Administrieren und Managen" werden auch "hochwertige Softwarelösungen", die das tägliche Handling der Administrationsflut im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylwerbern erleichtern sollen, zum Kauf angeboten.

Terrorverdächtiger in Quartier von Eder

Aufgrund einer anscheinend hochprofessionell aufgezogenen Asylmaschinerie herrschte um Eder und seine Mitarbeiter reges Medieninteresse.

In einem Bericht des ORF NÖ vom Oktober 2014 ist von einer rührseligen Geschichte einer syrischen Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern zu lesen, die in einem von Herbert Eders Heimen in Gmünd untergebracht wurden. Dabei kommt auch Eder selbst zu Wort, mit einer Aufzählung diverser Sonderleistungen, die sein Unternehmen per Eigendefinition als "unterstützendes Eingreifen" erfüllt.

In einer von "SLC-Asylcare" betreuten Wohneinheit im niederösterreichischen Heidenreichstein wurde im August 2014 jedoch ein Tschetschene unter Terrorverdacht festgenommen, wie damals die Bezirksblätter Gmünd berichteten. Er hatte vor seiner Einreise aufgrund einer medizinischen Behandlung in Österreich 2013 um Asyl angesucht. Durch das Bundesamt für Verfassungsschutz konnte ihm eine aktive Beteiligung am Dschihad und den Kämpfen in Syrien nachgewiesen werden, weswegen er verhaftet wurde.

Herr Eder hat in seinen Aussagen gegenüber den Bezirksblättern Gmünd im September 2014 jedoch keinerlei Auffälligkeiten bei dem Tschetschenen feststellen können. Dieser war zuvor in einem der Heime von Eder in Lilienfeld untergebracht gewesen. Er hatte diesen als "sehr positiv in Erinnerung" gehabt.

FPÖ-Hafenecker: Verunsicherte Bevölkerung in Niederösterreich

Große Teile der Bevölkerung im Heimabezirk Eders sind durch die zahlreichen Immobilienkäufe der "SLC" zutiefst verunsichert. Dies führt auch vermehrt zu Spekulationen, wonach diese Objekte als Asylanten-Quartiere genutzt werden könnten. Den Ankündigungen Herbert Eders, diese Immobilien für verschiedene Betriebe nutzen zu wollen, wird von der Bevölkerung kaum Glauben geschenkt.

Durch die Kooperation Eders mit der NÖ-Landesregierung wurden in der Vergangenheit zahlreiche Gemeinden mit Asylquartieren förmlich zwangsbeglückt. FPÖ-Bezirksparteiobmann und Nationalratsabgeordneter Christian Hafenecker setzte sich im Herbst letzten Jahres besonders mit den Anliegen der besorgten Bürger im Bezirk Lilienfeld auseinander und versprach, die Entwicklung genau zu beobachten sowie gegebenenfalls Aktionen setzen zu wollen.

FPÖ deckte auf: 80 Prozent der Asylwerber männlich

Bereits im Oktober 2015 hatte die FPÖ-Lilienfeld im Rahmen einer Bezirksparteivorstandssitzung die Asylproblematik im Bezirk aufgegriffen. Auch hatte man damals bereits aufgedeckt, dass unter den Asylwerbern 80 Prozent Männeranteil herrsche, vorwiegend aus Afrika, Asien und dem Balkan, sowie daß nur rund ein Drittel der Asylwerber tatsächlich aus den Kriegsgebieten Syriens unkontrolliert hierher kommen.

Damals wurden die Machenschaften des Herbert Eder in Kooperation mit dem Land Niederösterreich bereits als "äußerst lukrativer Geschäftszweig" von Seiten Hafeneckers aufgedeckt. Auch eine Reform des Asylwesens wurde damals bereits vehement gefordert. Dabei werde aus der "Not der Menschen Geld gemacht und obendrein noch unsere Heimat verkauft, was für patriotische Bürger völlig unverständlich sei", so Hafenecker bereits 2015.

 

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