Einige der Otto-Wagner-Pavillons sind bereits abgesiedelt. Vassilakou und Frauenberger wollen ein „Gesamtnutzungskonzept“ haben, das aber keiner kennt.

Bild: Karin Berger / Initiative Steinhof steinhof-erhalten.at
Weltkulturerbe Steinhof: Noch immer keine Spur vom rot-grünen Gesamtnutzungskonzept

In den vergangenen Tagen wurden wieder 15 Bäume im Otto-Wagner-Areal gefällt. Laut MA 42 (Wiener Stadtgärten) hätte der Befall durch Borkenkäfer die Rodung erfordert. Da sich die Bäume aber auf jenem Areal befinden, das von der rot-grünen Stadtregierung und der Gesiba mit 160 Wohnungen bis 2019 verbaut werden soll, besteht bei der „Initiative Steinhof“ Zweifel an dieser Version.

„Es besteht der konkrete Verdacht, durch die Fällungen weitere vollendete Tatsachen zu schaffen,“ so Carola R. von der Bürgerinitiative im exklusiven Unzensuriert-Interview. „Just in dem Moment wird das Areal bauvorbereitet , als die Bundesregierung Bemühungen ankündigt, sich für die Verleihung des UNESCO-Weltkulturerbestatus für das Areal einzusetzen.“

Immer noch kein Nachnutzungskonzept veröffentlicht

Am 1. Februar hatte sich die neue Bundesregierung mit ÖVP-Bundesminister Gernot Blümel und FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache für die Erhaltung des Weltkulturerbes ausgesprochen und dabei explizit auch das Jugendstilensemble Otto-Wagner-Spitalsareal-Steinhof angesprochen. Dieses architektonische Kleinod mit seinen 60 Pavillons, medial völlig ausgeblendet und im Schatten der berühmten Jugendstil-Kirche am Steinhof, steht vor einer ungewissen Zukunft, da die Stadt Wien unter den verantwortlichen Stadträtinnen Maria Vassilakou (Grüne) und Sandra Frauenberger (SPÖ) das Nachnutzungskonzept bisher nicht veröffentlicht hat. Die Wiener Standortentwicklung GmbH (WSE) hatte in zweijähriger Arbeit ein Gesamtnutzungskonzept erstellt und es Ende 2016 der Stadt Wien übergeben.

Mehrere Otto-Wagner-Pavillons stehen leer

Mehrere Otto-Wagner-Pavillons stehen bereits leer, der Pavillon 8 verfällt, viele der anderen Pavillons sind vernachlässigt und bieten einen unwürdigen Anblick, da offensichtlich keine Investitionen mehr vorgenommen werden. Dabei zeigen die modernen Umbauten mancher Gebäude, etwa des Pavillon 16 mit seinen verglasten Tagräumen, den verkleinerten Zimmern und den Aufzügen aus den Anfangsjahren dieses Jahrhunderts, dass die Bausubstanz durchaus Zukunft hat, ohne den Denkmalschutz zu beeinträchtigen.

Und nun werden auf diesem Areal der Pavillons, deren Errichtung einer klaren Symmetrie entsprachen, Bäume gefällt. Doch die Gesiba, zu 99,97 Prozent im Besitz der Stadt Wien, dementiert: Für den nächsten Bauabschnitt sei das Baubewilligungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Man rechne mit einem Baubeginn im Spätherbst.

Areal verfällt – Bundesdenkmalamt schweigt

Dabei steht das gesamte Otto-Wagner-Areal – nicht ohne Grund – unter Denkmalschutz, die Steinhofmauer sogar per Bescheid unter „besonderem Denkmalschutz“. Der Zustand der Mauer im Bereich Heschweg ist jedoch so desolat, dass von Erhaltung keine Rede sein kann. Die Kosten für eine Wiederherstellung sind aber weder vom Krankenanstaltenverbund (KAV) noch der Gemeinde Wien „budgetiert“. Es wäre nicht das erste Mal, dass Baudenkmäler einfach so lange verfallen gelassen werden, bis „Gefahr im Verzug“ besteht und nur noch der Abriss oder Komplettumbau möglich ist – siehe ehemalige Sophiensäle. Das Bundesdenkmalamt schweigt auch dazu.

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