Gewerkschaft öffentlicher Dienst: Skurriler Namensstreit um Wohnbaugenossenschaft | Unzensuriert.at

Gewerkschaft öffentlicher Dienst: Skurriler Namensstreit um Wohnbaugenossenschaft

Die GÖD-WBV baut unter anderem in der Seestadt-Aspern (Symbolbild) - was hat die Genossenschaft noch mit der Gewerkschaft zu tun? Foto: Gugerell / wikimedia.org (CC-Zero)
Die GÖD-WBV baut unter anderem in der Seestadt-Aspern (Symbolbild) - was hat die Genossenschaft noch mit der Gewerkschaft zu tun?
Foto: Gugerell / wikimedia.org (CC-Zero)
15. Februar 2018 - 16:01

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist vordergründig als traditionelle Gewerkschaft des Beamtentums bekannt. In jüngster Zeit gerät die Vertretung unzähliger Staatsdiener allerdings aufgrund ihres von überschaubarem Erfolg gekrönten Engagements im Wohnbau in die Schlagzeilen. Die Causen Wienwert und WBV-GÖD werfen ihre Schatten.

Keine Genossenschaft für Beamte?

Die "Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst" (WBV-GÖD) sorgt trotz des zunächst bieder klingenden Namens seit Monaten für Schlagzeilen. Der Grund liegt im Übernahmeversuch von dem Heumarkt-Investor Michael Tojner nahestehenden Personen. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Stefan Gregorich, kritisierte gegenüber der Presse das Verhalten der zuständigen Magistratsabteilung 50 sowie des Wohnbaustadtrates und nunmehrigen Wiener SPÖ-Vorsitzenden Michael Ludwig. Der Vorstandsvorsitzende des "Österreichischen Mieterschutzringes – Wien", Alfred Wansch, warnte unterdessen vor einer neuen BUWOG.

GÖD bestreitet Nahverhältnis zur WBV-GÖD

Aus der heiklen Causa scheint sich eine zweite Auseinandersetzung zu entwickeln: Die Gewerkschaft meldete sich öffentlich zu Wort und gab bekannt, dass man Schritte eingeleitet habe, der Genossenschaft die Namensführung zu untersagen. Das klingt zunächst unspektakulär. Die Gewerkschaft setzte allerdings nach und meinte, dass die Aufrechterhaltung der Gemeinnützigkeit außer Frage gestanden sei, als man im Jahr 2003 die Anteile des Unternehmens veräußerte. Es bestünde auch kein Naheverhältnis zur WBV-GÖD. Hier wird es spannend.

Die WBV-GÖD ließ die Botschaft der GÖD nicht unerwidert. Die Genossenschaft und die Gewerkschaft scheinen demnach ein deutliches Naheverhältnis in Form eines Syndikatsvertrages zu haben. Im Aufsichtsrat des Unternehmens findet sich als Vorsitzender-Stellvertreter der langjährige GÖD-Obmann Fritz Neugebauer. Er fungiert aktuell als Ehrenpräsident im Präsidium der Beamtengewerkschaft.

Distanziertes Verhältnis sieht anders aus

Mitglied des Aufsichtsrates ist zudem Richard Holzer, der auf der Website des Unternehmens noch als „Vorsitzender Stellvertreter der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“ geführt wird. Holzer war zudem bis vor Kurzem Obmann der ‚Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter‘ innerhalb der GÖD. Die Wohnbauvereinigung feierte ihr Jubiläum im Rahmen des Bundeskongresses der Gewerkschaft und überbrachte Danksagungen. Ein distanziertes Verhältnis sieht gemeinhin anders aus.

Insovenz nur knapp abgewendet?

Brisant erscheint folgende Aussage der Genossenschaft zu den Hintergründen des Verkaufs der Unternehmensanteile im Jahr 2003: „Die Lage der WBV-GÖD im Jahr 2003 war entgegen der Darstellungen der GÖD kritisch. Der heutige ökonomische Zustand des Unternehmens schien damals kaum je erreichbar zu sein. Die Gemeinnützigkeit des Unternehmens war im Jahr 2003 infolge bedeutsamer wirtschaftlicher Misserfolge akut gefährdet. Die damals unmittelbar drohende Insolvenz konnte durch ein neues Management und Kapitalzufluss abgewendet werden.

Wienwert und der Beirat

Wenig segensreich für das Prestige der Gewerkschaft scheinen vergangene personelle Überschneidungen früherer Funktionäre in die Wienwert-Struktur zu sein: Im – mittlerweile nicht mehr bestehenden - Beirat des Unternehmens fand sich ein ehemaliger Vorsitzender-Stellvertreter der Gewerkschaft.

Schuster, bleib bei deinen Leisten – könnte man ein Resümee  betiteln.

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