Empörte Reaktionen gab es, als ÖSV-Läuferin Ricarda Haaser sagte, sie sei im ersten Durchgang des Riesentorlaufes „schwul runtergefahren“.

Foto: Bild: Stefan Brending / Wikimedia CC BY-SA 3.0 de
Verrückte Olympische Spiele: „Schwul“-Sager von ÖSV-Läuferin wie Goldmedaille „abgefeiert“

Neben der Goldmedaille von Matthias Mayer im Super-G und der völlig überraschenden Bronzemedaille von Katharina Gallhuber im Slalom, wo die Niederösterreicherin sogar Saison-Dominatorin Mikaela Shiffrin aus den USA hinter sich ließ, schaffte es am Freitag auch eine junge Tirolerin auf die Titelseiten österreichischer Zeitungen, obwohl sie im olympischen Riesentorlauf nur den enttäuschenden 17. Rang belegte.

„Da bin ich nicht so schwul runtergefahren“

ÖSV-Läuferin Ricarda Haaser (24) hatte sich nach ihrem verpatzten Lauf nämlich selbst gegeißelt und im ORF „Unfassbares“ von sich gegeben:

Der ganze zweite Lauf war lockerer und flüssiger, aber trotzdem noch zu wenig. Aber das Gefühl war doch besser als im ersten Lauf. Vor allem oben war es viel besser, da bin ich nicht so schwul runtergefahren wie im ersten Lauf.

Entschuldigung auf Facebook

Aus diesem Interview unmittelbar nach dem Rennen wurde sofort ein skandalöser „Schwul“-Sager konstruiert, und danach prasselte angeblich ein Shitstorm auf Haaser nieder. Da half es auch wenig, dass sie sich auf Facebook umgehend entschuldigte:

Im Interview nach dem Olympia Riesentorlauf habe ich mich heute in meiner Wortwahl vergriffen. Sollte ich mit meiner Aussage jemandem zu nahe getreten sein, entschuldige ich mich dafür. Das war nicht meine Absicht.

Empörung über alle Maße

Dass Haaser keinem zu nahe treten wollte, war den meisten Österreichern sowieso klar. Einige wenige fanden auf Facebook aber kritische Worte und empörten sich wie hier angeführt über alle Maße:

Damit macht man so viel kaputt. Wie kann man so unbedacht reden wenn die ganze Welt zuschaut? Sie haben uns Homosexuellen einen Bärendienst erwiesen, vielen Dank.

Für mich stellt sich hier imgrunde nur eine Frage: Berühmtheit hin oder her? Fernseher hin oder her? Böse Absicht oder simpler Versprecher? Alles nicht relevant – für mich stellt sich nur die Frage: Wieso verwendet ein Mensch prinzipiell das Wort „schwul“ in so einem Zusammenhang? Was hat die Sexualität eines Menschen bitte mit der Geschwindigkeit auf der Piste zu tun?

Jede Menge fragwürdiger Sprüche

Sprüche gibt es jede Menge, die fragwürdig sind, aber landauf und landab sind sie gängig. Jetzt tun einige aber so, als würden sie noch nie das Wort „schwul“ in einem despektierlichen Zusammenhang verwendet haben.

Wortakrobat Harald Schmidt würde sich eine Hetz´ daraus machen, wie seinerzeit in einer seiner „Late-Night-Shows“, als er über Schwule und dem FC Bayern folgenden Satz sagte:

Was ist die Gemeinsamkeit zwischen der Schwulenbewegung und dem FC Bayern München? Keiner stammt aus dem eigenen Nachwuchs.

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