Falters Skandalgeschichte über angeblich antisemitisches Liederbuch wird zum Kriminalfall | Unzensuriert.at

Falters Skandalgeschichte über angeblich antisemitisches Liederbuch wird zum Kriminalfall

Im "Allgemeinen Deutschen Kommersbuch" für studentische Kneipen finden sich keine antisemitischen Lieder. Foto: User Rabe! / Wikimedia Gemeinfrei
Im "Allgemeinen Deutschen Kommersbuch" für studentische Kneipen finden sich keine antisemitischen Lieder.
Foto: User Rabe! / Wikimedia Gemeinfrei

Die Wochenzeitung Falter will wieder ein Liederbuch einer Burschenschaft mit antisemitischen Grauslichkeiten entdeckt haben. Falter-Schreiberin Nina Horacek recherchierte über die Burschenschaft "Bruna Sudetia" und hat dem Vernehmen nach die Zeile "Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die sieb´te Million" gefunden. Das Problem dabei: Bei der "Bruna Sudetia" kennt man dieses Liederbuch nicht.

Rätselraten um Herkunft des Buches

Nun könnte aus der Skandalgeschichte des Falter, die der Mainstream gerne ungeprüft übernahm, ein Kriminalfall werden. Denn es stellt sich die Frage: Woher stammt dieses Liederbuch und warum bringt es der Falter mit der Burschenschaft "Bruna Sudetia" in Verbindung?

Letzteres ist leicht zu erklären. Der Falter will mit seiner Geschichte offensichtlich wieder einmal den Blauen schaden, denn im Bericht kommt "Bruna Sudetia"-Vorsitzender Herwig Götschober vor, der im Kabinett des Infrastrukturministers Norbert Hofer (FPÖ) für die Social-Media-Agenden zuständig ist. Im Ö1-Morgenjournal sagte Hofer dazu:

Es ist noch nicht klar, woher dieses Buch kommt. Mein Mitarbeiter hat mir sein Liederbuch sofort gezeigt, da sind diese Passagen nicht drin.

Im "Bruna Sudetia"-Liederbuch keine antisemitischen Texte

Tatsächlich berichteten sodann Medien wie zum Beispiel auch der Kurier, dass sich das "Bruna Sudetia"-Liederbuch von dem des im Falter veröffentlichten Liederbuchs unterscheide.

Unzensuriert liegt außerdem eine Stellungnahme der Burschenschaft "Bruna Sudetia" zu den Falter-Vorwürfen vor:

Die akademische Burschenschaft „Bruna Sudetia“ weist die heute im Wiener Lokalblatt „FALTER“ erhobenen Vorwürfe rund um ein angebliches Liederbuch der Burschenschaft mit aller Vehemenz zurück und hält folgendes fest.
 
Das im „FALTER“ abgedruckte Liederbuch war niemals das Liederbuch der Burschenschaft und auch nie als solches in Verwendung.
 
Die in dem „FALTER“ vorliegenden Liederbuch abgedruckten antisemitischen Lieder werden von der akademischen Burschenschaft „Bruna Sudetia“ kategorisch abgelehnt.
 
Das Liederbuch der akademischen Burschenschaft „Bruna Sudetia“ ist weder optisch noch inhaltlich jenem Exemplar ähnlich, das dem „FALTER“ vorliegt.
 
Im Rahmen einer Nachschau am Abend des 19. Februar 2018 wurden in den Räumlichkeiten der akademischen Burschenschaft lediglich Ausgaben der tatsächlichen Liedersammlung der Burschenschaft sowie des „Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs“ gefunden, aber kein Druckwerk, das jenem ähnelt, das der „FALTER“ mit der akademischen Burschenschaft „Bruna Sudetia“ in Verbindung bringen möchte.

Burschenschaft prüft rechtliche Schritte
 
Die akademische Burschenschaft „Bruna Sudetia“ prüft rechtliche Schritte gegen die diffamierende Berichterstattung des „FALTER“ sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung bzw. Weitergabe des Liederbuchs.
 
Wie aus einem „Tweet“ von „FALTER“-Schreiberin Nina Horaczek hervorgeht, ist das ihr vorliegende Liederbuch weder datiert noch mit einem Impressum versehen. Die akademische Burschenschaft „Bruna Sudetia“ stellt daher die Echtheit dieses Buches in Frage und fordert die Autorin auf, zur lückenlosen Aufklärung der Angelegenheit beizutragen.

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