Jüngste Posse um KH Nord: Esoteriker zog um 95.000 Euro "Energie-Ring" um Baustelle | Unzensuriert.at

Jüngste Posse um KH Nord: Esoteriker zog um 95.000 Euro "Energie-Ring" um Baustelle

FPÖ und ÖVO fodern einmal mehr den Rücktritt von Wiens SPÖ-Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger. Foto: NFZ
FPÖ und ÖVO fodern einmal mehr den Rücktritt von Wiens SPÖ-Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger.
Foto: NFZ

Der jüngste Skandal um das Krankenhaus Nord in Wien-Floridsdorf nimmt sich zwar, was den Schaden betrifft, im Vergleich zu den bisherigen Steuergeldverbrennungen mickrig aus, ist aber an Skurrilität kaum zu überbieten: Da beauftragte eine Managerin des KH Nord doch tatsächlich einen „Bewusstseins-Coach“ damit, einen „Energie-Ring“ um die Baustelle zu ziehen, „Schwingungen am Spitalsgrundstück zu erhöhen“ und „Materie zu sichern“. Läppisches Honorar für die dreimonatige Esoterik-Übung: 95.000 Euro.

31.667 Euro monatlich für "Bewusstseins-Coach"

Am Werk war dabei der „Bewusstseins-Forscher“ Christoph F., ein ehemaliger Autohändler, und kassierte also pro Monat 31.667 Euro für eine de facto nicht nachvollziehbare Leistung, die er aber, wie auch die Kronen Zeitung berichtet, in einem zwölfseitigen „Leistungsprotokoll“ erläutert. Hier ein kleiner Auszug aus der in der Krone veröffentlichten Faksimile:

Wer sich in diesem Gebäude aufhält, der wird von nun an mit einer ganz besonderen Energie versorgt. Unsere Aufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, dass die Materie der Gebäude, die hier errichtet wurden, nicht destruktiv wirken, wie es Materie im Allgemeinen tut … Alle Mitarbeiter und Patienten werden dadurch in weit höhere Energien getaucht, als sie sonst irgendwo vorfinden.

Ab 100.000 Euro hätte öffentlich ausgeschrieben werden müssen

Im ORF sagte die zuständige Wiener Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger, sie hätte von nichts gewusst. Keine gute Optik für die durch diverse Skandale ohnehin angezählte SPÖ-Politikerin. Noch dazu, wo das Honorar für den Esoteriker nur knapp unter der 100.000-Euro-Grenze liegt, ab der Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Ob es eine persönliche Nahbeziehung zwischen der zuständigen Managerin und dem Bewusstseins-Erweiterer gibt, wird derzeit geprüft.

Verantwortliche wurde vom KAV suspendiert

Mittlerweile erklärte KAV-Direktor Herwig Wetzlinger in einer Aussendung, die verantwortliche Programmleiterin des KH-Nord sei von ihrer Leitungsfunktion entbunden worden, bis die Sache vollständig aufgeklärt sei. Wäre ihm ein solcher Auftrag vorgelegt worden, hätte er ihn natürlich nicht freigegeben. "Die Ergebnisse der Innenrevision bzw. der Disziplinarkommission werden die weitere Vorgangsweise in dem Fall bestimmen - dienstrechtliche Konsequenzen, mögliche strafrechtliche Konsequenzen oder auch Schadenersatzforderungen",  so Wetzlinger weiter in der Aussendung des Krankenanstaltenverbundes.

Wiens FPÖ-Chef Gudenus fordert Frauenbergers Rücktritt

Johann Gudenus, geschäftsführender Landesobmann der FPÖ Wien, sprach prompt von einem „Sittenbild, wie der KAV und das Ressort der amtsführenden Stadträtin mit Steuergeld umgehen“ und forderte Frauenbergers Rücktritt. „Frauenberger hat ihre Truppe offensichtlich keineswegs im Griff. Wie viel Steuergeld muss beim KH-Nord noch verbrannt werden, bis Häupl oder Ludwig hier endlich die Notbremse ziehen?“, fragt Gudenus.

FPÖ will "alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen"

Die FPÖ werde alle parlamentarischen und juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, dieser Auftragsvergabe auf den Grund zu gehen, prüft eine Sachverhaltsdarstellung wegen Untreue und verspricht, dass dieser Fall auch im Untersuchungsausschuss zum KH-Nord Thema sein wird. „Bei dieser Direktvergabe knapp unter der Grenze von 100.000 Euro, ab der öffentlich ausgeschrieben werden muss, liegt der Verdacht auf Untreue sehr nahe“, so Gudenus abschließend. 

Auch ÖVP für Rücktritt der Skandal-Stadträtin

„Das Krankenhaus Nord sorgt täglich für neue, unliebsame Überraschungen. Wenn man glaubt, jetzt könne es nicht mehr schlimmer werden, wird man regelmäßig eines Besseren belehrt“, zeigte sich heute ÖVP Wien Klubobmann Manfred Juraczka fassungslos. Auch er fordert mit Nachdruck Frauenbergers Rücktritt.

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