Elon Musk löschte bereits die Seiten seiner Unternehmen „Tesla“ und „SpaceX“.

Bild: Franco Bouly / flickr (CC BY-ND 2.0)
Facebook: Nutzerschwund und Kurseinbruch nach Datenskandal

Lange schon steht Facebook im Kreuzfeuer der Kritik. Bisher schien jedoch die schiere Größe des sozialen Netzwerks genug Schutz gegen meist ziemlich einsame Rufer in der Wüste. Im Zuge der Affäre um das Datenanalyse-Unternehmen „Cambridge Analytica“ scheint der Gigant nun ernsthaft ins Wanken zu kommen.

Der lang erwartete Präzedenzfall

Dass es früher oder später so kommen musste, überrascht niemanden, der sich wirklich mit der Materie auseinandersetzte. Dabei ist Cambridge Analytica nur eine von unzähligen Firmen, die Daten von Facebook kaufen, um damit was auch immer anzustellen. In diesem speziellen Fall soll angeblich Werbung für den US-Präsidenten Donald Trump gemacht, ja ihm gar zur Präsidentschaft verholfen worden sein. Eine sehr überraschende Wendung, wenn man bedenkt, dass es noch vor wenigen Wochen hieß: „Der Russe war’s!“

#deleteFacebook

WhatsApp-Gründer Brian Acton war einer der Ersten, der unter dem Hashtag #deleteFacebook die Nutzer weltweit dazu aufrief, ihre Accounts zu löschen. Acton wurde vor einigen Jahren zum Milliardär, als er WhatsApp an Facebook verkaufte und verfügt wohl über einige Insider-Informationen, denn es dauerte nicht lange bis Tesla-Chef Elon Musk diesem Aufruf folgte und die Seiten seiner Unternehmen Tesla und SpaceX löschte.

Unterschiedlichen Pressemeldungen zufolge sind inzwischen bis zu 50 Millionen Nutzer weltweit diesem Aufruf gefolgt; genaue Zahlen wird wahrscheinlich nur der Konzern selbst wissen und sich streng hüten, diese öffentlich zu machen.

Börsen-Desaster

Dem Hashtag #deleteFacebook wird jedenfalls immer mehr gefolgt. Ein gewisser Nutzer-Schwund ließe sich bei etwa zwei Milliarden (!) Accounts eventuell noch verschmerzen; der Konzern wird jedoch auch an einer weit empfindlicheren Stelle getroffen, denn die Börsenkurse brachen vorübergehend dramatisch ein. Kurzfristig mussten Anleger ein Minus von bis zu 36 Dollar je Anteil innerhalb einer einzigen Woche ertragen. Solche Schwankungen sind nur etwas für abgebrühte Zocker, konservativ orientierte Anleger werden davon eher abgeschreckt.

Schutz des „Deep State“ verloren?

Schon brodelt die Gerüchteküche auf den Truther-Websites: Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe den Schutz des „Deep State“ verloren, nachdem herauskam, dass mit Hilfe „seiner“ Nutzerdaten dem ungeliebten Trump zum Sieg verholfen wurde.

Wenn dem so wäre, hätte es vermutlich nicht mehr als ein Jahr gedauert, bis die Sache medienwirksam ans Licht kam.

Alt-Tec im Kommen

Eher scheint es, als ob Facebook mit dieser Aktion endgültig seine „Hand overplayed“ hat, wie’s im Poker-Jargon so schön heißt. Youtube muss sich längst mit Konkurrenten wie DTube, Bitchute und Dailymotion herumschlagen, Twitter hat in GAB einen existenzbedrohenden Konkurrenten gefunden und MEGA bietet schon länger in punkto Cloud und Filesharing alles, was das Nutzerherz begehrt – alles Alternativen, die sich als Opposition zum Silicon Valley verstehen.

Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Facebook in den entscheidenden Fettnapf trat, der die Nutzer endgültig veranlasst, auf vertrauenswürdigere Anbieter umzusteigen. Vielleicht war ja der aktuelle Vorfall jener Auslöser, der den Giganten endgültig zu Fall bringt.

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