Grüner mit „rechtem Sprachgebrauch“ treibt Vizebürgermeisterin aus Amt und Partei

Weil ihr Kollege Georg Willi "rechtspopulistische Sager" von sich gab, verließ Parteikollegin Sonja Pitscheider die Partei - zwei Tage vor der Innsbrucker Gemeinderatswahl. Foto: © Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS
Weil ihr Kollege Georg Willi "rechtspopulistische Sager" von sich gab, verließ Parteikollegin Sonja Pitscheider die Partei - zwei Tage vor der Innsbrucker Gemeinderatswahl.
Foto: © Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS
20. April 2018 - 16:34

Die Grünen sind weiterhin in argen Turbulenzen: Aus dem Nationalrat hinausgewählt, dazu empfindliche Verluste bei den jüngsten Landtagswahlen – das alles macht Jobs in der Partei rar und vergiftet das Klima. Besonders spürbar, wie sehr die von den Grünen oft strapazierte „Menschlichkeit“ zu kurz kommt, ist das derzeit bei den Tiroler Grünen. Hier dürften die Nerven völlig blank liegen.

Parteiaustritt via Facebook

Nur zwei Tage vor der Innsbrucker Gemeinderatswahl hat die Grüne Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider via Facebook ihren Parteiaustritt erklärt. Auslöser für ihr panisches Handeln: Ein Zeitungsinterview des grünen Spitzenkandidaten für die Innsbrucker Gemeinderatswahl, Georg Willi. Der frühere Nationalratsabgeordnete verwendete nach Ansicht Pitscheiders im Standard „rechten Sprachgebrauch“. Dies habe mit den "Grünen Grundwerten" nichts zu tun und deshalb wolle sie nicht mehr den Grünen angehören.

"Ich wähne mich auch im falschen Film"

Wörtlich schrieb Sonja Pitscheider auf Facebook:

Bye, bye, greens. Ich wähne mich auch im falschen Film, wenn ich im heutigen Standard folgendes zu lesen bekomme: Zugleich lässt der in Umfragen ganz vorne liegende Willi mit Sagern aufhorchen, die so gar nicht ins gewohnte grüne Schema passen: „So hart das klingen mag, aber die Frage, ob ich mir das Dach überm Kopf leisten kann, beschäftigt die Leute ganz einfach mehr als die Frage nach dem Binnen-I oder der Ehe für alle.“

Das ist rechter Sprachgebrauch à la FPÖ und hat mit grünen Grundwerten rein gar nichts zu tun. Rechte Sprache arbeitet mit Ausgrenzung, Ausspielen und Lächerlich machen von Anliegen, die nicht ins eigene Weltbild und das der erhofften Wählerinnenklientel passen.

Wortwahl lässt Pitscheider "erschaudern"

Laut Pitscheider würde eine Gegenüberstellung von der eigenen Wohnsituation mit feministischen Themen sowie Forderungen der Homosexuellen nur die Gräben vertiefen und sich weit von einer solidarischen Gesellschaft entfernen. Dies lasse sie "erschaudern". Einer grünen Partei, die mit solchen "rechtspopulistischen Mechanismen" arbeite, wolle sie nicht angehören.

Mit dem Parteiaustritt will Sonja Pitscheider, die eindeutig dem linken Flügel zuzurechnen ist, wohl ein Zeichen gegen die Bürgerlichen in der Partei setzen. Dieser Richtungsstreit kam schon bei der Vorwahl  des Kandidaten für die Innsbrucker Gemeinderatswahl ans Licht.

Grüne haben aus Wahl-Katastrophe in Kärnten nichts gelernt

Wohin nach außen hin geführte interne Querelen führen, haben schon die Kärntner Grünen im jüngsten Landtagswahlkampf gezeigt: Nach dem Abgang der Spitzenkandidatin und der Klubobfrau (letztere auch knapp vor der Wahl) schafften die Grünen, die zuvor sogar in der Landesregierung saßen, bei der Wahl am 4. März nicht einmal mehr den Einzug in den Landtag.

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