Rüffel für Medien für das Verbreiten von Falschmeldungen | Unzensuriert.at

Rüffel für Medien für das Verbreiten von Falschmeldungen

Qualitätsjournalismus sieht anders aus: Mit einer Falschmeldung, Österreich würde EU-Sanktionen unterlaufen, blamiert sich die "Bild"-Zeitung.  Foto: pixel2013 / pixabay.com
Qualitätsjournalismus sieht anders aus: Mit einer Falschmeldung, Österreich würde EU-Sanktionen unterlaufen, blamiert sich die "Bild"-Zeitung.
Foto: pixel2013 / pixabay.com

Unzensuriert könnte seine Seite jeden Tag mit der Richtigstellung von Falschmeldungen füllen, die andere Medien laufend produzieren. Offenbar in einem Wettbewerb, wer denn der Nächste ist, der ein Haar in der Regierungssuppe findet, hat es nun auch die bundesdeutsche Bild-Zeitung erwischt: Sie posaunt hinaus, dass Wien die Krim-Regierung berät und stellt dann den Aufmachertitel "Unterläuft Österreich die EU-Sanktionen gegen Putin?" unter ein Fragezeichen.

Bild von österreichischen Medien angesteckt

Dieses Fragezeichen entbindet die Bild-Redaktion aber nicht vom Vorwurf, mit Absicht eine Falschmeldung verbreitet zu haben. Denn - und das gehört bei der größten deutschen Zeitung eigentlich zum täglichen Handwerk - die Bild hat die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt und in Wien nicht einmal nachgefragt, ob diese Geschichte auch der Wahrheit entspricht. Ist die Bild etwa von österreichischen Medien angesteckt worden, die, wenn es gegen die FPÖ geht, auf Gegenrecherchen grundsätzlich verzichten?

Auftrag vom Ministerium in Wien

Laut diesem Bild-Bericht sagte der Chef des Austrian Institute of Technology (AIT), Alexander Petritz, er sei hier, um die Regierung der Krim zu beraten. Die Frage der Bild, ob das im Auftrag der Republik Österreich erfolge, habe er mit Ja beantwortet. Offiziell solle er sagen, „dass wir nicht für die Regierung arbeiten“, wird Petritz weiter zitiert, „unser Institut arbeitet aber für das Ministerium in Wien, von dort haben wir den Auftrag“.

Minister Norbert Hofer dementierte umgehend

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) dementierte umgehend diese Aussagen und kündigte an, rechtliche Schritte gegen Herrn Petritz zu prüfen. In einer APA-Aussendung stellte er am Freitag klar:

Bundesminister Ing. Norbert Hofer dementiert die heute Mittag aufgetauchten Medienberichte rund um einen angeblichen Auftrag des Infrastrukturministeriums für die Beratung der Regierung der Krim durch einen vermeintlichen „Chef“ des Austrian Institute of Technology (AIT): „Der in dem Artikel zitierte Alexander Petritz war vom 1. März 2017 bis zum 31. Mai 2017 freier Dienstnehmer des AIT und war dort mit der Akquise von Forschungsprojekten beschäftigt. Er steht seit damals in keiner Verbindung zum AIT. Er hatte und hat keinen Auftrag meines Ministeriums, um Beratungen welcher Art auch immer der Regierung der Krim durchzuführen. Sämtliche von Herrn Petritz gegenüber den Journalisten der BILD-Zeitung getätigte Aussagen sind falsch und werden von mir und den Mitgliedern der österreichischen Bundesregierung entschieden zurückgewiesen. Wir prüfen die Einleitung rechtlicher Schritte gegen Herrn Petritz.“

Diese Nachricht hätte auch die Bild bekommen können. Ganz leicht: Durch einen Anruf beim Pressesprecher des österreichischen Infrastrukturministers. Um diese Klarstellung einzuholen, muss der Redakteur bei Gott nicht mit dem Pulitzer-Preis ausgestattet sein.

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