Seminar auf Türkisch? Einladung des roten Wirtschaftsflügels an Friseure sorgt für Wirbel | Unzensuriert.at

Seminar auf Türkisch? Einladung des roten Wirtschaftsflügels an Friseure sorgt für Wirbel

Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband hält fest, dass sein Seminar für Friseure nicht auf Türkisch abgehalten wurde. Unbestritten ist jedenfalls: Sowohl der Vortragende als auch Funktionärin Gülten Karagöz haben türkische Wurzeln. Foto: z.V.g.
Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband hält fest, dass sein Seminar für Friseure nicht auf Türkisch abgehalten wurde. Unbestritten ist jedenfalls: Sowohl der Vortragende als auch Funktionärin Gülten Karagöz haben türkische Wurzeln.
Foto: z.V.g.
2. Juli 2018 - 11:28

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Eine Einladung des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV) zu einem 20-stündigen Seminar sorgt für Empörung. Der Kurs, der an diverse Besitzer von Friseur-Studios geschickt wurde, soll anscheinend nur in türkischer Sprache abgehalten worden sein, heißt es in einem Bericht der Kronen Zeitung. Der SWV bestreitet das. Michael Müllner, ein Friseur-Geselle, der aber nicht Türkisch kann, hätte an dem Seminar teilnehmen wollen, dazu kam es letztendlich aber nicht. Für den Gesellen wäre der Kurs, der um 250 Euro angeboten wurde und u.a. Informationen im Bereich Wirtschaftsrecht, Bilanzierung aber auch Marketing beinhaltet, von Vorteil gewesen. Woanders koste eine derartige Wissensvermittlung mehrere tausend Euro, heißt es auf Unzensuriert-Anfrage bei Müllners Chefin.

Laut dem Schreiben, das unzensuriert.at veröffentlicht, soll das Seminar für den 16. Juni in den Räumlichkeiten des SWV auf der Mariahilferstraße avisiert worden sein. Allerdings fand es aktuell zwischen 30. Juni und 1. Juli statt. Unzensuriert.at konfrontierte den SWV via Telefonat mit dem Vorwurf, dass es geheißen haben soll, dass sich überwiegend Türken für den Kurs beworben hätten, folglich sich der Seminar-Vortragende entschlossen hätte, auf Türkisch zu referieren.

Der SWV hielt fest, dass das Seminar auf Deutsch abgehalten wurde. Außerdem kündigte er mit einer Aussendung rechtliche Schritte an. Gegenüber unzensuriert.at mutmaßte eine Pressesprecherin des SWV, eine andere politische Partei wollte ein ähnliches Seminar durchführen und man hätte an die Seminarunterlagen kommen wollen.

Beschwerde bei der Innung

Gegenüber unzensuriert.at beharrt Müllners Chefin allerdings auf ihrem Standpunkt, dass sie mehrmals versucht hatte, den SWV zu kontaktieren. Nachdem ihr letztendlich von der für die Anmeldung zuständigen Veranstaltungsorganisatorin des SWV, Elisabeth Fayad, mitgeteilt worden sei, dass der Referent lieber auf Türkisch referieren würde, beschwerte sich Müllners Chefin bei diversen Stellen. So auch telefonisch bei der Wiener Landesinnung als auch bei der Bundesinnung beim Bundesinnungsgeschäftsführer Jakob Michael Wild. Anscheinend dürften die Beschwerden eine Reaktion ausgelöst haben. Sollte tatsächlich geplant gewesen sein, dass das Seminar auf Türkisch abgehalten wird, so dürfte der SWV rechtzeitig informiert worden sein, dass dies für Wirbel sorgen könnte.

Referent und Lehrlingsbeauftragte der WK mit türkischen Wurzeln

Das Seminar findet jedenfalls in Kooperation mit dem Bildungsinstitut „bilcom“ statt. Dessen Geschäftsführer ist Eren Kilic, der laut einem Interview mit dem Standard angab, dass er sowohl Türke als auch Kurde gewesen sei, als er nach Österreich kam. Es ist auch Kilic, der am Seminar referiert. Außerdem fungiert der in der Türkei geborene Kilic als Übersetzer. Ihm wäre es durchaus möglich, seine Seminare in seiner Muttersprache zu referieren.

Unterschrieben wird das Rundschreiben außerdem von der Lehrlingsbeauftragten der Wirtschaftskammer Wien, Gülten Karagöz. Sie ist eine deutsche Migrantin mit türkischen Wurzeln und für den SWV innerhalb der Fachgruppe Friseure zuständig. Ihr Friseur-Studio auf der Quellenstraße in Favoriten ist übrigens nicht weit entfernt vom Kurs-Institut von bilcom in der Senefeldergasse. Der SVW bestätigt, dass Karagöz ebenfalls beim Seminar anwesend ist.

Die mediale Optik über den SWV ist jedenfalls schief. Auch wenn der SWV bestreitet, dass geplant war, ein Seminar auf Türkisch zu halten, es wird der Eindruck erweckt, dass der rote Wirtschaftsflügel in Richtung der türkischen Gemeinschaft schielt. Der freiheitliche Politiker Johann Gudenus  witterte in einer Aussendung eine Diskriminierung und Ausgrenzung der Einheimischen und verlangt Konsequenzen. „Dass die SPÖ schon seit geraumer Zeit die Interessen von allen möglichen Menschen vertritt, nur nicht die der Österreicher, ist bereits allumfassend bekannt. Dass aber nun der SWV als Handlager der Islamisierung unserer Gesellschaft fungiert, ist ein Skandal, der eine sofortige Aufklärung benötigt“, heißt es im Pressedienst.

Sozialbetrug bei türkischen Friseuren

Türkische Friseure haben zuletzt mehrmals in Wien für Wirbel gesorgt. Sie bieten wesentlich günstigere Preise als die heimische Konkurrenz an und halten sich nicht an die Ladenöffnungszeiten. Und es liege der Verdacht nahe, dass Sozialbetrug betrieben werde, zumal realistisch bei Dumpingpreisen ein Verlustgeschäft gemacht wird. Unzensuriert.at berichtete etwa, dass eines der türkischen Friseurgeschäfte vom Finanzamt als Scheinfirma angeführt wird.

Bekannt ist, dass Mitarbeiter auf geringfügiger Basis angemeldet werden, diese aber Vollzeit arbeiten. Noch auffälliger ist die sogenannte Stuhlmiete, mit der Friseur-Unternehmer ihre Arbeitsplätze an andere "Unternehmer" vermieten. Auf diesem Wege werde auch nie der Umsatz erreicht, der die Einführung einer Registrierkasse verpflichtend vorsieht. Die Finanzpolizei beschäftigt sich laufend mit solchen Fällen.

Dennoch wird mit einem Kommentar der „Marketingspezialistin“ Raphaela Kirschnick die Stuhlmiete regelrecht beworben. Die Geschäftsführerin von friseurjobagent.at kritisiert sogar, dass sich die Gebietskrankenkassa in Oberösterreich, die vor Scheinselbstständigkeit warnt, querstelle.

Wie auch immer. Einheimische Friseure haben jedenfalls nichts zu lachen. Ob und bei wem der SWV mit Gülten Karagöz bei der nächsten Wirtschaftskammerwahl punkten wird, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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