Nachdem die österreichischen Mitarbeiter des Lifestyle-Onlinemagazins “Vice” unter die Schirmherrschaft einer deutschen Chefredakteurin gestellt wurden, verließen sie das Unternehmen.

Foto: Bild: wikimedia commons
Gesamtes Redaktions-Team von “Vice-Austria” wirft das Handtuch

Wie die bisherige stellvertretende Chefredakteurin Hanna Herbst auf Facebook mitteilte, hat das gesamte österreichische Team des internationalen Onlinemagazins Vice das Handtuch geworfen. Als Grund dafür führt Herbst an, dass die Richtung, in die Vice in Zukunft gehen soll, nicht mehr dem entspräche, was VICE für ihr Team all die Jahre ausgemacht habe”, weshalb man “den Weg so nicht mehr mitgehen möchte”.

Letztes Abendmahl vor dem “Anschluss”

Als weiteren Grund, warum “die Redaktion auch geht”, führt Herbst an, dass man “geschlossen nicht hinter der Managemententscheidung stehen, VICE in den drei deutschsprachigen Ländern zu einem gemeinsamen VICE DACH unter deutscher Führung und ohne Autonomie für die österreichische Redaktion zu machen”. Mehr dazu auf der Facebook-Seite der Chefredakteurin, samt Foto des letzten Abendmahles vor dem “Anschluss”, den man nicht hinnehmen will. Hut ab, kann man dazu nur sagen.

Beinahe könnten sie einem Leid tun, die streitbaren “Redakteur*innen” des österreichischen Redaktionsteams. Zweifelsohne leisteten sie gute Arbeit, und was uns besonders betroffen macht: Mehr als oft stand unzensuriert im Mittelpunkt ihrer Berichterstattung. Und die wird uns fehlen. Gewiss, sie ließen kein gutes Haar an uns, aber wo viel Schatten war, war auch viel Licht. Denn, wenn auch nur unfreiwillig, war man auch voll des Lobes über uns (dazu unten mehr).

Und nachdem bekanntlich “bad news” auch “good news” sind, ist sicher der eine oder die andere aus dem “fortschrittlichen” Lager auf uns dadurch erst aufmerksam und eventuell sogar geläutert worden.

Besser Halal-Fleisch als Kindervergewaltigung

Besonders erbauend: Man stand unzensuriert sogar mit gutem Rat zur Seite. So gab man uns beispielsweise den wertvollen Tipp (“vice” Februar 2016), wir mögen uns doch statt einer negativen einer positiven Berichterstattung befleißigen. O-Ton Vice:

Ein Beispiel für negative Berichterstattung ist zum Beispiel ein Artikel von unzensuriert.at aus dem vergangenen Dezember. Die Überschrift lautet: “10-jähriger Bub in Wiener Schwimmbad von Iraker vergewaltigt.” Ein Beispiel für positive Berichterstattung wäre, aus demselben Monat, der Beitrag mit dem Titel: “Halal-Fleisch gehört in einen Supermarkt”, der im Standard erschienen ist.

So “fortschrittlich” und “halal” sind wir zwar noch nicht, trotzdem ein herzliches “Vergelt`s Gott” an dieser Stelle für die gut gemeinte Regieanweisung. Wir werden an uns arbeiten.

Viel Tadel, aber auch Lob und späte Einsicht

Auf Facebook geht die Chefredakteurin auch in sich und gesteht ein, dass man unter anderem “unsere Zeit mit viel zu vielen Rechten” verschwendete. Da hat sie Recht, denn wenn man sich daneben noch für “Halal” samt moslemischem “Rollback” ins Mittelalter ausspricht, ist das nicht gerade das, was sich Leser eines Lifestyle-Onlinemagazins erwarten.

Und so gab es jede Menge Tadel und Kritik über unzensuriert in unzähligen Vice-Beiträgen. Hier einige Beispiele:

Böse Nachrichten über kriminelle Migranten

So hielt man uns empört vor, dass wir “Nachrichtenmeldungen über Migranten oder Asylwerber, die straffällig geworden sein sollen, sammeln” (vermutlich meinte man damit unsere beliebten und täglich aktuellen “Einzelfälle”). Beispielsweise “über eine “Nigerianer-Bande, die große Mengen von Drogen geschmuggelt haben soll”. Welch gemeine Unterstellung Schutzsuchenden gegenüber, noch dazu, wenn es sich dabei um Nigerianer handelt, die ja sonst kaum im Zusammenhang mit Drogenhandel vorkommen. Das ist journalistischer Realitätssinn!

Achtung: “Optische Täuschung!”

Überhaupt sollten Vice-Leser auf der Hut sein, denn unsere “Aufmachung wirkt zunächst, als handle es sich um ein Nachrichtenportal – in Wirklichkeit ist dies jedoch eine optische Täuschung” (alles in Vice Dezember 2017).

Auch das DÖW darf seinen Senf dazugeben

Und besonders trendig: So durften im Lifestyle-Magazin auch ein Bernhard Weidinger vom “Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands” (DÖW) über unzensuriert aufklären:

Unzensuriert bietet Ressentimentgeladenen, was ihnen kurzfristig guttut: Es erklärt ihnen, dass die Welt genauso ist, wie sie ohnehin dachten, nur noch schlimmer. Und dass jene, die sie hassen, genauso sind, wie ihr Hass sie ausmalt, nur noch böswilliger und hinterhältiger.

Nicht auszudenken, wie viel Fett wir erst abbekommen hätten, wenn man Weidingers Kollegen vom DÖW, den “Rechtsextremismus-Experten” Andreas Peham alias “Dr. Heribert Schiedel”, auf uns losgelassen hätte.

Aber es gab auch Lob; wenn auch unfreiwilliger Natur. Neben den üblichen Bewerfungen, die wohl jedem zuteilwerden, der in dieser “offenen” und “toleranten” Gesellschaft nicht links steht, wird auch auf unsere Erfolge hingewiesen, und die können sich durchaus sehen lassen. Man verwies beispielsweise darauf, dass wir hinter krone.at und derstandard.at das beliebteste Online-Portal in Österreich sind und informierte die Vice– Leserschaft beispielsweise so:

“Agenda der FPÖ subtil schmackhaft machen”

Unzensuriert macht seine Sache für die eigenen Maßstäbe wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht: Die Agenda der FPÖ wird einem breiten Publikum unter dem Deckmantel des Journalismus schmackhaft gemacht, Artikel werden durch die Themenauswahl und das Hervorheben von Informationen wie der Nationalität eines Beteiligten mehr oder weniger subtil in eine bestimmte Richtung gelenkt.

Wenig Glück mit “linkem Unzensuriert”

Ja, und genau das wollte die SPÖ offensichtlich ebenfalls – nur eben nicht mit Fakten wie bei uns, sondern mit Blabla. Und so wurde uns die Auszeichnung zuteil, im Vice (Juli 2017) sogar in der Überschrift eines Artikels gewürdigt zu werden: “Die SPÖ will ein linkes Unzensuriert aufziehen“, hieß es da. Und politiknews.at nannte sich dann unser roter Möchtegern-Bruder. Inzwischen ist das Portal nach verunglückten Gehversuchen jedoch sanft entschlafen, wie auch viele andere stümperhafte Versuche, uns zu imitieren. 

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