Peter Pilz (l.) und Kai Jan Krainer (SPÖ, r.) begannen nach der Veröffentlichung des „Washington-Post“-Artikels zu „hyperventilieren“, Stefanie Krisper (Neos) gehört hingegen scheinbar nicht zu den Lesern des renommierten Blattes.

Foto: Bild: SPÖ Presse und Kommunikation / flickr (CC BY-SA 2.0)
Putin und das BVT: „Washington Post“ eilt Österreichs Opposition zur Hilfe

Was für ein Zufall! Just am Vorabend von Wladimir Putins Kurzbesuch in Österreich wärmt die Washington Post eine seit Monaten nur noch vor sich hin dümpelnde Geschichte auf. Westliche Geheimdienste würden keine sensiblen Informationen mit Österreichs BVT mehr teilen. Schuld daran seien die Kontakte der FPÖ zur russischen Regierungspartei, der Besuch Putins bei der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl und – als erste und wichtigste Ursache – die Hausdurchsuchung beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, die amerikanische Zeitung bezeichnet sie wahrheitswidrig als „raid“, zu Deutsch Razzia oder Überfall.

Namenlose Informanten haben kaum etwas zu sagen

„Raid“ kommt in dem Artikel ganze 15-mal vor, „search warrant“ (Durchsuchungsbefehl als Grundlage der Hausdurchsuchung) ganze zweimal. Das Niveau des Textes bleibt durchgehend So niedrig, obwohl die kürzlich von Amazon-Milliardär Jeff Bezos vor der Pleite gerettete Zeitung zu den „Großen Drei“ der US-Presse gezählt wird. Kein einziger der angeblichen Informanten aus der Geheimdienstszene wird namentlich genannt. Wozu auch? Sie tragen ohnehin kaum mehr als drei Sätze zu dem Artikel bei, dessen Duktus an Falter und Standard erinnert.

Klenk, Krainer und Pilz als Leser

Doch immerhin, die Zeitung hat selbst in Österreich ein paar treue Leser. Falter-Chefredakteur Florian Klenk entdeckte den Text schon früh am Samstagmorgen und verbreitete ihn auf Twitter mit einem vermutlich vergnügten „Oh oh“ als Kommentar.

In Kenntnis seiner Kollegenschaft wusste er wohl, was nun kommen würde. Die nächsten beiden Leser waren Kai Jan Krainer (SPÖ) und Peter Pilz, Fraktionsführer ihrer Parteien im BVT-Untersuchungsausschuss. Ihnen kam die Sache gerade recht, lässt sich doch anscheinend in den Akten nichts finden, was man dem freiheitlichen Innenminister Herbert Kickl zum Vorwurf machen könnte, weshalb die beiden seit Wochen mit der Neos-Abgeordneten Stephanie Krisper um die Wette nach mehr Akten schreien, die es aber nicht zu geben scheint.

Jenewein: „Dummdreiste Nestbeschmutzung“

Ein offensichtlich gezielt lancierter Artikel in einer US-Zeitung, darüber begeisterte Links-Politiker und -Journalisten – die Sache ist wahrlich nicht schwer zu durchschauen. FPÖ-Mandatar Hans-Jörg Jenewein nannte das peinliche Schauspiel eine „dummdreiste Nestbeschmutzung“ und fasste es in einem einzigen, an Krainer und Pilz adressierten Satz zusammen:

Sich auf eine Analyse der Washington Post zu beziehen, die sich wiederum auf Informanten in Österreich beruft, ist sowas von durchschaubar und oberflächlich, dass einem ob dieser Chuzpe nur der Mund offen bleibt.

ORF phantasiert „Folgen“ der BVT-Affäre herbei

Doch da hatte der FPÖ-Fraktionsvorsitzende im U-Ausschuss noch nicht mit der Chuzpe des staatlichen Rundfunks ORF gerechnet, der die Posse als ernstgemeinten Beitrag unter dem gewichtigen Titel „BVT-Affäre hat Folgen“ in die Zeit-im-Bild-Sendung hob. Gleich hinter den Beitrag von der Hochzeit der Außenministerin natürlich.

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