Während das Leistungsniveau an den Universitäten immer mehr sinkt, gibt es trotzdem immer öfter gute und sehr gute Noten.

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AfD fordert Rückkehr zur Notenwahrheit und wirkungsvolle Stärkung der Berufsausbildung

In der Bundesrepublik Deutschland fällt Bildungs- und Hochschulpolitik in die Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer. Debatten über diesen Komplex finden daher in den Landtagen statt.

Dualem Ausbildungssystem droht das Aus

Am Donnerstag, dem 20. September 2018, wurde im Landtag Rheinland-Pfalz eine Große Anfrage der AfD-Fraktion mit dem Thema “Notengebung und deren Aussagekraft” besprochen. Dabei forderte Vize-Fraktionschef Joachim Paul, zugleich bildungs- und hochschulpolitischer Sprecher, eine wirkungsvolle Stärkung des dualen Systems, denn: “Wenn es keinen Richtungswechsel in der Politik gibt, dann droht dem dualen System der Zusammenbruch.” Die AfD ist im Mainzer Landtag als drittstärkste Kraft vertreten und befindet sich mit der CDU in der Opposition. Regiert wird Rheinland-Pfalz seit 1991 von der SPD, seit 2016 in einer Koalition mit der FDP und den Grünen.

Gute Noten, jedoch steigende Unzufriedenheit mit Absolventen

Die Große Anfrage der AfD hatte eine Inflation von guten und sehr guten Noten bei Hochschulabschlüssen in Rheinland-Pfalz zu Tage gefördert, nämlich 80,6 Prozent! Außerdem fällt beim Vergleich der Jahre 2000 und 2017 auf, dass es einen eklatanten Anstieg der Note 2 gab – von 48,9 auf 60,7 Prozent. Ferner verbesserte sich die Durchschnittsnote von 2,05 auf 2,33. Leider bildet die Inflation guter Noten keine besseren Leistungen ab.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung gestand in der Antwort auf die Große Anfrage ein, dass bei den Betrieben die Zufriedenheit mit den Bachelor-Absolventen von 2011 bis 2014 von 63 auf 47 Prozent gesunken ist. “Das unterstreicht eine zunehmende Unzufriedenheit der Endabnehmer, obwohl die Noten immer besser werden. Da fragt man sich schon, wie es um das Qualitätssicherungssystem an den Hochschulen bestellt ist”, kommentierte AfD-Vize Paul.

Betriebe sollen Defizite der Hochschulen ausgleichen

Entlarvend die Empfehlung des Wissenschaftsrates an die Arbeitgeber – auf welche die Landesregierung in ihrer Antwort verweist -, sie sollten “den erfolgreichen Übergang der Absolventen in den Beruf über geeignete Einführungs- und Einarbeitungsmaßnahmen” befördern. Heißt im Klartext: Die Betriebe sollen die Defizite der Hochschulen ausgleichen. Da stellt sich die Frage, warum die Betriebe die Leute nicht gleich selbst ausbilden sollen – eben mit einer Lehre.

Berufliche Bildung muss wieder verstärkt gefördert werden

In Deutschland muss man im Schnitt zehn Wochen auf einen Handwerker warten, fast jede zweite Firma hat inzwischen Probleme, offene Lehrstellen mit Fachkräften zu besetzen. “Deshalb müssen wir die berufliche Bildung stärken, viel zu lange hechelten die Landesregierungen den umstrittenen Forderungen der OECD und der EU hinterher, die Quoten der Abiturienten und Hochschulabsolventen zu erhöhen.

Mittelmäßige Schüler, die vielleicht gute Handwerksmeister geworden wären, strömen an die Hochschulen – angelockt von guten Abiturnoten und im Wissen darum, an den Hochschulen ebenfalls gute Noten zu erhalten”, verwies Paul in der Debatte auf eine weitere Anfrage der AfD, aus der hervorgeht, dass die Zahl derjenigen, die das Abitur absolvierten, in Rheinland-Pfalz von 2005 bis 2017 um 50 Prozent anstieg. Und das bei einem Absinken der Schülerzahlen im gleichen Zeitraum um mehr als 13 Prozent. Die Abitur-Durchschnittsnote aber verbesserte sich von 2,46 auf 2,59!

Linke Landesregierung erkennt Problem nicht

Offenkundig hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz das Problem noch immer nicht erkannt, teilte sie doch in der Antwort auf die Große Anfrage mit, es würden “mehr Menschen mit einer akademischen, aber auch mit einer qualifizierten beruflichen Ausbildung” benötigt. Die Landesregierung will anscheinend nicht verstehen, dass sich das duale System und die Hochschulen in einer Konkurrenzsituation befinden.

Es ist unmöglich, beides zu stärken. Durch den enormen Anstieg der Studenten – im Wintersemester 2017/18 studierten in Rheinland-Pfalz 123.211 Personen, mehr als doppelt so viel als im Wintersemester 1985/86 – gerät das duale System unter Druck. Hinsichtlich der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für den Zeitraum von 2006 bis 2016 verzeichnet Rheinland-Pfalz laut Statistischem Landesamt einen Rückgang von rund zwölf Prozent.

AfD bringt konkrete Forderung in Bildungsdebatte ein

Wie soll dieser Fehlentwicklung entgegen gewirkt werden? Joachim Paul nannte am Ende seiner Rede vier Forderungen der AfD, mit deren Verwirklichung das duale System wirkungsvoll gestärkt werden könnte.

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