Kinostart von "Cops": Linker Regisseur dreht Film über die WEGA ohne die WEGA | Unzensuriert.at

Kinostart von "Cops": Linker Regisseur dreht Film über die WEGA ohne die WEGA

Schon bisher waren die WEGA-Männer nicht gut auf Regisseur Stefan A. Lukacs zu sprechen - das dürfte sich nach seinem Film "Cops" kaum ändern. Foto: Bundesministerium für Inneres
Schon bisher waren die WEGA-Männer nicht gut auf Regisseur Stefan A. Lukacs zu sprechen - das dürfte sich nach seinem Film "Cops" kaum ändern.
Foto: Bundesministerium für Inneres
21. September 2018 - 7:23

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Immer wieder beschäftigen sich Regisseure, Drehbuchautoren und TV-Sender mit der Polizeiarbeit. Ein Musterbeispiel für direkte Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei und Fernsehen ist die legendäre TV-Serie „Aktenzeichen XY“, durch die bis heute immer wieder zahlreiche Täter gefasst werden. Auch unterhaltsamere Produktionen wie „Cop Stories“ im ORF kommen der Realität  recht nahe und vermitteln dem Zuseher, welchen Belastungen Polizisten in einem typischen Wiener Migrantenbezirk wie Ottakring tagtäglich ausgesetzt sind.

Wenn Wiener Kieberer "Cops" heißen...

Nicht immer wird dabei die Polizei, um die es ja geht, eingebunden. Und nicht immer sind solche Filme auch realitätsnah, sondern lieber politisch-ideologisch verbrämt, weil man die Polizei dann als „reaktionär“, „rassistisch“ oder gewalttätig hinstellen kann und will. Musterbeispiel dafür ist der Regisseur Stefan A. Lukacs, dessen erster „Spielfilm“ mit dem eher unwienerischen Titel „Cops“, der ab heute, Freitag, in den Wiener Kinos läuft, derzeit von linkslastigen Redaktionen wie der Wiener Zeitung oder dem Kurier über den grünen Klee gelobt wird und zuvor auch schon mit ein paar Preisen aus den üblichen Kreisen überhäuft wurde.

Elitetruppe WEGA einmal mehr "Tatort" statt Ermittler

Wie schon in seinem ersten Kurzfilm „Void“ widmet sich Lukacs der Polizei-Eliteeinheit WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) und unterstellt ihr diesmal  – verkürzt gesagt – die Deckung eines Tötungsdeliktes eines jungen, unerfahrenen Polizisten im Dienst durch Vorgesetzte und der darauf folgenden Verherrlichung von Gewalt durch Kollegen, die in dem Todesschützen einen „Helden“ sehen, während dieser am Gewissenskonflikt zunehmend leidet.

Gestörtes Verhältnis zur WEGA

Natürlich hat Lukacs dazu nicht mit der WEGA über ihre echten Einsätze und deren Aufarbeitung geredet oder diese sonst irgendwie eingebunden. Könnte er auch gar nicht: Seit „Void“ ist man dort nämlich gar nicht gut auf ihn zu sprechen und lehnt jegliche Zusammenarbeit mit ihm ab. Seine Informationen über den „WEGA-Alltag“ will er von anonymen, inoffiziellen Informanten aus der Truppe haben. Kann man glauben – aber auch nicht. Gerade in Elitetruppen ist der Korpsgeist sehr hoch. Möglicherweise war da eher der Wunsch Vater des Gedankens, der sich dann im Film manifestierte.

BMI: "WEGA wird in ein völlig falsches Licht gerückt"

Daher beeilte man sich im Innenministerium gegenüber unzensuriert auch mit folgender Feststellung:

Die Darstellungen im Film ‚Cops‘ sind nicht faktenbasiert, sondern als rein fiktiv im Sinne der künstlerischen Freiheit zu sehen. Sie spiegeln keinesfalls die Wirklichkeit wider. Die WEGA wird hier in ein völlig falsches Licht gerückt.

Verzerrte Fakten auch im Film über Bakary Jassey

Lukacs ist "künstlerisch" bisher lediglich durch den Kurzfilm „Void“ (2012) aufgefallen, in dem er in völlig verzerrter und überzogener Weise den „Fall Bakary J.“ schildert. Da schikanieren martialisch kostümierte und bewaffnete Polizisten einen armen Afrikaner, der nichts anderes will, als in Österreich bleiben und hier ein edles Leben zu führen, fast zu Tode.

Krimineller Illegaler wehrt sich gegen Abschiebung

Die Realität – abseits des Films - sah und sieht anders aus: Im April 2006 soll ein mehrfach wegen Drogenhandels, illegaler Einreise und Bigamie vorbestrafter und inhaftierter Krimineller namens Bakary Jassey (der auch unter den Alias-Namen Baidjanko M. alias Faiteh B auftrat), in seine Heimat Gambia abgeschoben werden, wogegen er sich bereits wiederholt zur Wehr gesetzt hatte.

Begleiten sollen ihn dabei drei besonders erfahrene und hochdekorierte WEGA-Beamte, die bereits mehr als 70 Abschiebungen, darunter auch solche mit problematischen Schüblingen wie Bakary Jassey, durchgeführt hatten.

Gambier greift unbewaffnete Beamte im Auto an

Als sich Jassey – wie von ihm provokant vorhergesagt – im Flugzeug wie ein Irrer gebärdet, müssen die drei unbewaffneten Beamten mit ihm wieder aussteigen. Auch im Transportfahrzeug, das ihn ins Schubhaftzentrum (PAZ) am Hernalser Gürtel zurückbringen soll, gebärdet sich Jassey aggressiv, weil die ohnehin schon genervten Beamten sich weigern, ihn vorher noch in seiner Wohnung Sachen abholen zu lassen – sein Gepäck liegt ja im Flugzeug, das ohne ihn Richtung Gambia abgeflogen ist.

AKH bestätigt leichte Verletzungen durch Handgemenge

Weil der große, kräftige Afrikaner wild um sich schlägt, steuern die drei Beamten im Sinne der Verkehrssicherheit eine nahe Trainingshalle am Handelskai an, um den Tobenden mit sogenannten „Handschlingen“, der einzigen "Waffe", die sie dabei haben. ruhigzustellen. Im Handgemenge nach einem Fluchtversuch erleidet der renitente Gambier ein paar oberflächliche Blessuren, und weil die WEGA-Beamten wissen, wie heikel das ist, fahren sie mit Jassey sofort ins Wiener AKH. Die dortigen Untersuchungen ergeben, dass der Mann nicht ernsthaft verletzt ist, woraufhin man ihn, wie geplant, ins PAZ (Polizeianhaltezentrum) in Wien-Josefstadt bringt.

Drei Tage später kursieren dann via „Amnesty International“ plötzlich die berühmten, angeblich von Jasseys Frau Michaela im PAZ aufgenommenen, völlig unscharfen Fotos des geschwollenen Gesichts des Schubhäftlings – und die mediale Hatz auf die „Folterpolizisten“ startet in bisher ungekannter Intensität, höchstens noch vergleichbar mit der Waldheim-Hysterie 1985.

Einseitige "Recherchen" ohne Beteiligte

Keiner der daran beteiligten „Journalisten“ hat jemals hinterfragt, wie dumm Polizisten sein müssten, die einen dermaßen offensichtlich misshandelten Häftling einfach unkommentiert so wieder in die Haft zurückbringen und darauf hoffen, dass das eh niemandem auffällt. Beamte mit vielen Jahren Diensterfahrung und - in einem Fall - sogar sechs Kindern daheim.

Doch die vielen Widersprüche und Ungereimtheiten – etwa zwischen erstem medizinischem Befund im AKH und den Tage später festgestellten Gesichtsverletzungen – interessieren niemanden: Die drei WEGA-Beamten werden vor Gericht gestellt, ihr Anwalt rät ihnen, aufgrund des medialen Drucks einen „Kuhhandel“ mit dem Richter einzugehen und ein „Geständnis“ zu liefern. Dafür würde es eine milde, bedingte Strafe geben, und der Verbleib im Polizeidienst wäre gesichert. Und irgendwann alles vergessen.

"Folterpolizisten" werden dem medialen Druck geopfert

Die drei in rechtlichen Belangen unerfahrenen Polizisten vertrauten ihrem Rechtsvertreter und „gestehen“. Das Urteil fällt tatsächlich milde aus – aber die Wiener Polizei schmeißt sie dennoch hochkant hinaus - auf wessen Druck auch immer.

Seither leben die vorher untadelige Familienväter unter dem Stigma der „Folterpolizisten“, finden keine Arbeit, werden sozial isoliert, während man dem Kriminellen Bakary Jassey einen legalen Aufenthaltstitel (!) und eine 110.000 Euro „Wiedergutmachung“ (!) zuschanzt, deren Zustandekommen bis heute rechtlich nicht ganz geklärt ist. Auch ein gerichtliches Wiederaufnahmeverfahren durch die drei WEGA-Beamten, die ihr „Geständnis“ widerrufen und Klarheit schaffen wollen, wird 2015/16 in zwei Instanzen abgeschmettert.

Jassey will weitere Unsummen als "Wiedergutmachung"

Bakary Jassey (alias Baidjanko M. alias Faiteh B.) will aber  - vertreten durch Promi-Anwalt Nikolaus Rast - noch mehr Geld. Was einmal funktioniert hat, geht auch ein zweites Mal. Möglicherweise wachsen ihm ja auch die Anwaltskosten über den Kopf. Bescheidene 384.000 Euro fordert der Gambier diesmal - doch die Stimmung in der Öffentlichkeit war im November 2015 nicht mehr so unbedarft, dass dies ohne weiteres geklappt hätte, und so wurde das Ansinnen des Afrikaners gerichtlich zurückgewiesen - immerhin.

Öffentlich geförderte Polizistenverunglimpfung als "Lehrfilm"

Kurzfilmer Lukacs hat natürlich mit keinem der betroffenen Polizisten gesprochen, als er seinen Kurzfilm „Void“ (unterstützt von diversen öffentlichen Förderungen der damaligen rot-schwarzen Regierung) 2012 produzierte. Besonders bitterer Beigeschmack: „Void“ wurde unter Rot-Schwarz vom Innenministerium sogar als „Lehrfilm“ für die Polizeiausbildung eingesetzt. Doch das hat sich seit der Übernahme des Innenministeriums durch die FPÖ geändert. In einer Stellungnahme an unzensuriert heißt es diplomatisch, aber klar:

Bisher hatte die Polizei die Rechte an ‚Void‘, um diesen Film als Schulungsfilm in der Grundausbildung der Polizistinnen und Polizisten zu zeigen. Diese Rechte sind heuer (vor wenigen Monaten) abgelaufen, weshalb der Film auch nicht mehr gezeigt wird.

Ausbildner atmen auf

Inoffiziell wurden seitens der Ausbildner immer wieder bittere Klagen laut, dass sie sehr unglücklich darüber seien, so eine einseitige "Nestbeschmutzung" für die Grundausbildung zeigen zu müssen. Der Befehl dafür sei aber von „ganz oben“ gekommen…

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