Der Wahlkampf in Südtirol wird unter den üblichen Denkverboten geführt. Die herrschende SVP lässt alternative Meinungen nicht zu, schon gar nicht in den eigenen Reihen.

Foto: Bild: Thomas Stoerck / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0)
Landtagswahlkampf: Gedankenspiele eines SVPlers über Südtirols Zukunft – zurückgepfiffen

Am 21. Oktober wählen die Südtiroler ihren nächsten Landtag. Doch nicht einmal im Wahlkampf sind bestimmte Denkverbote außer Kraft. Ein jüngstes Beispiel lieferte der SVP-Kandidat Daniel Alfreider am 1. bzw. 2. Oktober.

Der gelernte Bauingenieur ist Ladiner und Politiker des ladinischen Flügels der Südtiroler Volkspartei (SVP). So ist er seit 2012 ladinischer SVP-Landesobmann-Stellvertreter. 2013 schaffte er den Sprung ins römische Parlament. 2018 verzichtete er auf die Wiederkandidatur, denn sie wäre aussichtslos gewesen. Sein Mandat 2013 war ein Restmandat auf regionaler Ebene, also ein Glücksfall; 2018 waren auf italienischer Seite die Stimmen aber ganz anders gewichtet als 2013. Nun kandidiert er daher für den Südtiroler Landtag für die SVP.

“Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit Südtirols”

Auf Facebook schrieb er am 1. Oktober: “Der Weg zur Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit Südtirols muss Schritt für Schritt erfolgen. Jegliche Konfrontation und Hetze zu diesem Thema weise ich entschieden zurück.” Der Rest des Eintrages ist SVP-Sprech. Dieser erste Satz aber würde aufhorchen lassen! Würde…

Bereits am nächsten Tag bekam Alfreider anscheinend Angst vor der eigenen Schneid und änderte seinen Eintrag in: “Der Weg zur Eigenständigkeit Südtirols muss Schritt für Schritt erfolgen.” Genau genommen, ist der Begriff “Eigenständigkeit” völkerrechtlich eindeutig. Aber das scheint der Techniker Alfreider ja nicht zu meinen. Er wollte offensichtlich die “Unabhängigkeit” und “Eigenstaatlichkeit” abschwächen.

Was hat den Sinneswandel bewirkt?

War es ein “Verschreiber”, oder ist es nicht wahrscheinlicher, dass der SVP-Mann “zur Räson” gerufen wurde? So erging es nämlich einem anderen SVP-Landtagskandidaten. Reinhard Zublasing hatte in einem Radiospot für humanitäre Hilfe zum Thema Einwanderung, aber gegen “Parasiten” Stellung genommen. Der Spot wurde einmal gesendet, dann sofort zurückgezogen.

SVP-Obmann und Landesrat Philipp Achhammer erklärte damals, das sei “nicht die Sprache der SVP”. Zublasing zeigte sich in der Sache uneinsichtig, fügte sich aber gehorsam. Wurde ihm mit dem Entzug der Unterstützung gedroht?

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