Südtirol hat den neuen Landtag gewählt.

Foto: Bild: Thomas Stoerck / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0)
Landtagswahl in Südtirol: SVP verliert, Team Köllensperger und Lega legen stark zu

Südtirol hat gewählt, und die Befürchtungen für die Südtiroler Volkspartei (SVP) haben sich bestätigt. Die SVP, die sich in den letzten Jahren an die italienische Linke und vor der Wahl auch an die italienischen Bewohner in Südtirol anbiederte, wurde erwartungsgemäß von den deutschen und ladinischen Wählern abgestraft. Die SVP unter Landeshauptmann Arno Kompatscher steigt mit einem Minus von fünf Prozent und 40,7 Prozent in der Wählergunst ab. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 2008 und der Mandatsmehrheit vor fünf Jahren ist es somit die dritte Niederlage in Folge.

Deutliche Gewinne für Köllensperger

Der Wahlsieger der Landtagswahl 2018 ist der Südtiroler Unternehmer Paul Köllensperger, der mit seiner gleichnamigen Liste 15 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und damit den zweiten Platz erreichen konnte. Köllensperger, der sich 2013 noch für die Südtiroler Selbstbestimmung ausgesprochen hatte, ohne sich inhaltlich in der Sache zu positionieren, definierte sein Wahlprogramm in allen volkstumspolitischen Fragen für diese Wahl links der SVP. Er hat zwar mit Thomas Benedikter einen überzeugten Selbstbestimmungsvertreter auf seiner Liste, aber der Gesamtzug der Südtirol-Politik ist italienfreundlich.

Leichte Verluste musste die Süd-Tiroler Freiheit hinnehmen. Sie hält jetzt bei 5,7 Prozent der Stimmen (2013: 7,2 Prozent). Die Freiheitlichen, die innerparteilich inhomogen und zerstritten sind, stürzten massiv ab: Von 17,9 Prozent im Jahr 2013 erreichten sie aktuell nur noch sechs Prozent. Die Grünen, die mit der linken Abspaltung des PD gemeinsam kandidierten, verloren auch an Köllensperger und kommen auf 6,6 Prozent (2013: 8,7 Prozent).

Das „Team Köllensperger“ löst die Freiheitlichen als stärkste deutsche Oppositionskraft ab, während die Lega zur stärksten italienischen Kraft wird.

Lega siegt auf italienischer Seite

Auf italienischer Seite gewann erwartungsgemäß die Lega. Sie führt mit 12,1 Prozent aller Stimmen nun die italienischen Parteien an. Die Lega hat eine magische Anziehungskraft auf die italienische Wählerschaft, in Bozen bei über 30 Prozent, in Leifers bei über 35 Prozent, wo der SVP auch die italienischen Stimmen verlorengegangen sind, die sie 2013 erhalten hatte. Die Italiener hatten zuletzt keine Vertretung, mit der sie sich wirklich identifizieren konnte, nun haben sie eine: Matteo Salvini. Die Wirkung ist durchschlagend, denn bisher hatten Landtagswahlen eigene Regeln, aber hier ist deutlich, dass die Italiener dem allgemeinen Italien-Trend folgen und eben wieder auch in Südtirol eine Vertretung sehen.

Die Lega bekommt so viele Mandate, wie es bisher nur die Neofaschisten in ihrer Hochzeit von 1983 bis 1993 geschafft hatten.

Wahlbeteiligung: Italiener vergrößern ihr Gewicht

Die Wahlbeteiligung lag deutlich unter jener von 2013. Vor fünf Jahren gingen die Italiener unterdurchschnittlich zu den Urnen, was das Gewicht der deutschen Stimmen erhöhte. Dieses Mal war es umgekehrt: In den deutschen Gemeinden war der Rückgang der Wahlbeteiligung deutlich höher, womit die Deutschen in Südtirol an Gewicht verloren. Sie büßten mindestens ein Mandat an politischem Gewicht im neuen Landtag ein, weil sie nicht zur Wahl gingen.

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