Kein Nachwuchs: Die Obduktion von Leichen in der österreichischen Gerichtsmedizin könnte bald der Vergangenheit angehören.

Bild: Mehlauge / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
Obduktionen: Gerichtsmedizin wird zum Krisenfach in Österreich

Die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit renommierte Gerichtsmedizin in Österreich ist vom Aussterben bedroht. Sie hat sich zum Krisenfach mit sinkenden Obduktionsraten und mangelndem Nachwuchs in der Facharztausbildung entwickelt. Wurden 1984, also vor rund 35 Jahren, insgesamt noch 30.700 Obduktionen jährlich österreichweit durchgeführt, sank die Zahl bis zur Jahrtausendwende auf gut 18.000 pro Jahr. Nach den jüngsten vorliegenden Statistiken sanken die durchgeführten Obduktionen 2017 auf nur noch 8.913. Damit sind die Obduktionen in den letzten Jahrzehnten um zwei Drittel zurückgegangen.

Nur bei Todesfällen, wo von vornherein deutliche Anzeichen eines Fremdverschuldens angenommen werden können, wird von den Gesundheits-, Sicherheits- und Justizbehörden die Gerichtsmedizin eingeschalten.

Morde bleiben wegen fehlender Obduktionen unentdeckt

Die praktizierenden Gerichtsmediziner Österreichs schlagen Alarm. So würden etwa Morde unentdeckt bleiben, wenn Obduktionen fehlen. Aktuell gibt es kaum noch Facharztausbildungen im Fach Gerichtsmedizin in Österreich. Am Standort Wien hat seit Jahren kein Mediziner mehr eine entsprechende Ausbildung in diesem Fach begonnen oder gar absolviert. Vor allem die nicht adäquate Bezahlung und Abgeltung von Gutachtertätigkeiten würden das Fach und seine Ausübung für Jungmediziner zunehmend unattraktiv machen.

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