"Fake-News"-Bekenntnis: Relotius will Spendengelder nicht behalten haben | Unzensuriert.at

"Fake-News"-Bekenntnis: Relotius will Spendengelder nicht behalten haben

Der ehemalige "Spiegel"-Journalist Relotius gibt zu, dass er erhebliche Teile seiner Reportagen erfunden hat. Leser kamen zu Schaden, moralisch und finanziell. Foto: Alchemist-hp / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Der ehemalige "Spiegel"-Journalist Relotius gibt zu, dass er erhebliche Teile seiner Reportagen erfunden hat. Leser kamen zu Schaden, moralisch und finanziell.
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28. Dezember 2018 - 9:17

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Claas Relotius, Darling des linken Mainstreams, hatte 2016 für den Spiegel die rührende Reportage „Königskinder“ geschrieben. Darin ging es um zwei syrische Geschwister, die als Waisenkinder auf der Straße in der Türkei lebten. Allein, die Geschichte war erfunden.

Spendenbitte für erfundene Kinder

Das hinderte den mit Preisen überhäuften Nachwuchsjournalisten aber nicht daran, seine Leser um Spendengelder für die Kinder zu bitten. 7.000 Euro sollen naive Gutmenschen für die vermeintlichen syrischen Geschwister gespendet haben, und zwar auf das Privatkonto des Reporters. In dem Sammelband „Wellenschlagen“ berichtete Relotius über den Ausgang seiner Spendenaktion. Demnach habe er „in mühevoller, monatelanger Arbeit die Kinder zu einer Ärztefamilie nach Niedersachsen bringen können, die die beiden adoptiert habe.“ Alles erlogen.

7.000 Euro Spendengelder auf Privatkonto gelockt

Über seinen Anwalt gab der überführte "Fake-News"-Reporter am 27. Dezember nun zu, die Geschichte gefälscht und während des Sammelns der Spenden die Illusion der Existenz der syrischen Kinder aufrechterhalten zu haben. Die Spenden, die er von Lesern eingesammelt hatte, will er allerdings nicht für sich selbst behalten haben. Dass das Geld auf seinem Privatkonto gelandet war, läge daran, dass es beim Spiegel kein Spendenkonto für einen solchen Zweck gegeben habe. „Tatsächlich hat unser Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt über 7.000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9.000 Euro aufgestockt und (...) an die Diakonie Katastrophenhilfe (...) überwiesen“, heißt es im Schreiben der Anwälte.

Entlarvter Journalist ohne Erkenntnisgewinn

In dem Schreiben gibt Relotius zu, „über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden zu haben“. Er bedauere dies „zutiefst“. Ihm sei bewusst geworden, dass er dem Ansehen des Spiegels und der Presse insgesamt schweren Schaden zugefügt habe. „Insbesondere hat unser Mandant zu keinem Zeitpunkt denjenigen in die Hände spielen wollen, die seine Reportagen nun mit zweifelhafter politischer Intention als Beweis für die Existenz einer angeblichen ‚Lügenpresse‘ in Deutschland anführen“, heißt es weiter.

Relotius geht also auch jetzt nicht von seinen moralinsauren Erziehungsversuchen ab. Statt die vielfach von Lügengebäuden aufgebaute Mainstream-Medienwelt mit ihrer politisch-korrekten aber nicht faktenkorrekten Berichterstattung zu kritisieren, schwärzt er jene an, die die zahlreichen Missstände dieser Art schon länger anprangern. So geht moderner Systemjournalismus. Offensichtlich weiterhin.

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