Wie beim CDU-Parteitag wird es auch bei der Jugendbewegung zu einer Richtungsentscheidung kommen: der EU-Mandatsanwärter Kuban (Bild) gegen den konservativen Gruhner.

Foto: Bild: Junge Union Niedersachsen - Pressebilder
CDU/CSU: In der Jungen Union wollen die Systemkräfte den Vorsitz übernehmen

Nachdem sich im Rennen um den Parteivorsitz Annegret Kramp-Karrenbauer in einer Kampfabstimmung gegen den wirtschaftsliberalen Friedrich Merz durchgesetzt hatte, bestellte die CDU-Generalsekretärin den bisherigen JU-Vorsitzenden, Paul Ziemiak, zu ihrem Nachfolger. Damit muss die Jugendorganisation einen neuen Vorsitzenden bestimmen.

Kompromisskandidat Gruhner

Die Vorsitzenden der großen Landesverbände hatten sich rasch auf die Wahl von Stefan Gruhner, einem konservativen Landtagsabgeordneten aus Thüringen, verständigt. Doch zusätzlich zum anerkannten CDU-Mitglied tritt nun am 16. März auf dem außerordentlichen Deutschlandtag in Berlin überraschend der Vorsitzende der JU Niedersachsen, Tilman Kuban, an; vordergründig weil Gruhner mit 34 Jahren nur eine Übergangslösung sein könne, da der Vorsitz der Parteijugend mit 35 Jahren alterslimitiert ist.

Größte Parteijugendorganisation

Die Junge Union ist die gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU. Mit offiziell mehr als 110.000 Mitgliedern ist sie die größte politische Jugendorganisation der Welt. Sie hat mehr Mitglieder als die Jugendorganisationen von SPD, Grünen, FDP, Linkspartei und AfD zusammen.

Nur Formalziele, keine politischen

Inhaltlich ist nicht klar, wofür Kuban steht. Er möchte gemeinsam mit allen Mitgliedern die CDU erneuern, unter anderem die “Möglichkeiten der digitalen Tools” nutzen, um den Mitgliedern mehr Gehör zu verschaffen. Dafür wolle er auch Online-Abstimmungen bei kontroversen Themen einführen, sagte der Volljurist, der für die Unternehmerverbände Niedersachsen tätig ist.

Kuban mit EU-Ticket

Einen Hinweis auf seine Ziele könnte allerdings die Tatsache sein, dass Kuban auch für ein Mandat im Europaparlament bei den EU-Wahlen im Mai kandidiert – und zwar an wählbarer Stelle. Er wäre dann Multifunktionär: EU-Politiker und Jugendvorsitzender. Seine Kandidatur für die JU verknüpft er auch gleich mit seinen EU-Ambitionen: “Noch nie ist ein Europapolitiker zum JU-Vorsitzenden gewählt worden. Aber noch nie stand Europa auch so am Scheideweg wie heute. Mit der Wahl eines aussichtsreichen Europakandidaten würden die Jungen in CDU und CSU ein Signal senden, dass sie den Kampf gegen die Populisten von rechts und links auf dem Kontinent aufnehmen.”

Mit der möglichen Wahl von Kuban wird dann wohl auch die bislang eher konservativ geltende Jugendorganisation der Stammpartei inhaltlich untergeordnet: Systemerhaltung über alles.

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