„Politische Interessen“ wittert Investor Tojner im Zusammenhang mit seinen Immobilienspekulationen. Diese könnten das umstrittene Heumarkt-Projekt zu Fall bringen.

Foto: Bild: CC BY-SA 3.0
Heumarkt: Bringen rot-rote Machtkämpfe das umstrittene Hochhausprojekt in Wien zu Fall?

In den letzten Tagen überschlagen sich die Ereignisse oder vielmehr die Medienberichte zum umstrittenen Hochhaus am Heumarkt. So berichtete unzensuriert erst kürzlich über den Asbest-Verdacht für das Hotel Intercontinental, das abgerissen werden muss, um dem umstrittenen Prestigeprojekt von Wiens grüner Planungsstadträtin Maria Vassilakou mit seinem 66 Meter hohen Wohnturm Platz zu machen. Wegen dieses zu hohen Turms in der berühmten Sichtachse vom Belvedere zur historischen Altstadt („Canaletto-Blick“) will die UNESCO Wien das erst 2001 verliehene Prädikat „Weltkulturerbe“ wieder aberkennen.

Tojner als Spielball der SPÖ-internen Machtkämpfe

Hans Peter Doskozil, der designierte Landeshauptmann des Burgenlandes, ist zwar der beliebteste rote Politiker in Österreich, wurde beim letzten Parteitag im Herbst allerdings mit den wenigsten Stimmen überhaupt in den roten Bundesvorstand gewählt. Seinen größten innerparteilichen Gegnern legte er nun ein Ei: Er zeigte den mit der rot-grünen Wiener Landesregierung im besten Einvernehmen stehenden Heumarkt-Investor Michael Tojner wegen des Verdachts auf Untreue, Betrug und schweren Betrug im Zuge von Immobilientransaktionen an – und führte damit seine Wiener Genossen, die ohnedies im Korruptionssumpf stecken, ein weiteres Mal vor.

40 Millionen Euro soll der Schaden für das Burgenland betragen. Doskozil will dieses Geld für sein Bundesland wieder zurück.

Investor als Nutznießer roter Misswirtschaft

Doskozil brachte eine Sachverhaltsdarstellung bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ein, die sich mit dem Herumschieben von Immobilien in dem Firmengeflecht – zum Schaden der Bürger und zum Nutzen des Investors Tojner – befasst.

Dieser widerspricht den Vorwürfen: „Eine Kausalität zu einem wie auch immer berechneten Schaden herzustellen, ist nicht nachvollziehbar und kann nur dazu angetan sein, politische Interessen zu transportieren“.

„Politische Interessen“

Politische Interessen gibt es wahrlich viele. Sie reichen von den parteiinternen Machtkämpfen des linkslinken Wien gegen den moderat-linken Burgenländer über die Interessen der Republik Österreich, das Weltkulturerbe für die Wiener Innenstadt zu erhalten, bis hin zu den Ambitionen des aus Wien stammenden Kanzleramtsministers und Regierungskoordinators Gernot Blümel.

Blümel könnte das umstrittene Tojner-Projekt am Heumarkt per Weisung sofort stoppen – doch sie erfolgt nicht. Sogar der Kurier, von Anbeginn ein Befürworter des Heumarkt-Projekts, lobte kürzlich Blümels gute Beziehung zum roten Wien. Dessen Führung lotet offensichtlich bereits Koalitionsoptionen für die Landesregierung nach der Wien-Wahl 2020 aus.

Mediale Präsenz bringt Verantwortliche unter Zugzwang

Tojners negative mediale Präsenz lässt nun Oe24 am 28. Jänner vom bevorstehenden Aus des Heumarkt-Projekts schreiben. Tojner selbst rechnet anscheinend zumindest mit weiteren Verzögerungen. Er hat laut Standard einer Zwischennutzung der Räumlichkeiten im Hotel Intercontinental, das für das Heumarkt-Projekt abgerissen werden sollte, für zwei bis drei Jahre für „Frauen-Start-Ups“, die dort schon im Herbst Einzug gehalten haben, zugestimmt.

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