Zeitungssterben einmal anders rum: „Augustin“-Verkäufern gehen die Kunden aus.

Foto: Bild: Augustin / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)
Straßenzeitung vor dem Untergang: O du lieber „Augustin“, alles ist hin

Eng könnte es für die Straßenzeitung Augustin werden, wenn man einem Bericht der Tageszeitung Der Standard Glauben schenken darf. Da ist von einem fünfigprozentigen Verkaufsrückgang in den letzten zehn Jahren zu lesen. Statt 35.000 Exemplaren würden aktuell monatlich nur mehr 17.000, im besten Fall 18.000 Exemplare an den geneigten Leser abgesetzt werden können. Derzeit sollen rund 300 Kolporteure und 14 hauptamtliche Mitarbeiter den Laden schupfen. Im Hintergrund schreiben bis zu 70 freie Journalisten für den Augustin.

Verantwortlich gemacht für den Niedergang der Gutmenschen-Zeitung werden vom Standard, wie nicht anderes zu erwarten, die gesellschaftlichen Verhältnisse. Verbote und ein soziales Klima, das immer kälter würde, sei für das mangelnde Publikumsinteresse verantwortlich.

Augustin-Verkäufer als verhaltensauffällige Störenfriede

Macht man aber unter Passanten oder Besuchern von Straßencafes in der Wiener Innenstadt eine kleine Umfrage, dann bekommt man, wenn man den Namen Augustin ausspricht, andere Wahrnehmungen und Erfahrungen präsentiert. Da ist sehr oft von Augustin-Verkäufern die Rede, die sich geradezu als verhaltensauffällige Störenfriede produzieren, und den in der Regel desinteressierten Passanten die Straßenzeitung geradezu aufdrängen.

In den Hochzeiten des Augustins und diverser Parallelblätter war das Durchqueren bestimmter Wiener Straßenzüge beinahe mit einem Spießrutenlauf verbunden. Deshalb ist es für die große Masse der Wienerinnen und Wiener sehr in Ordnung, dass das klassische Prinzip von Angebot und Nachfrage hier massiv zugeschlagen hat. Die Ära der Gutmenschenzeitung Augustin scheint langsam, aber sicher vorbei zu sein. Und das stört wenige Zeitgenossen.

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