Landet Bernd Lucke, im Bild mit Ex-AfD-Vorsitzender Frauke Petry, wie Kollege Franz Handlos bei der FDP?

Bild: Olaf Kosinsky / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0-DE)
Geht gescheiterter Parteiengründer Bernd Lucke nun zur FDP?

Was manchem als Faschingsscherz erscheinen mag, hat durchaus eine ernste, ja sehr ernste Grundlage. Tatsächlich stellt sich die Frage, was der politisch gescheiterte gleich zweifache Parteigründer Bernd Lucke nach den Europawahlen unternehmen wird. Auf seinen “offenen Brief”, mit dem er unerbeten der AfD Ratschläge erteilen wollte, reagierte man dort im Sinne der österreichisch-deutschen Redensart “nicht einmal ignorieren”.

Der Weg des Franz Handlos

Dabei ist Bernd Lucke beileibe nicht der erste gleich zweifache Parteiengründer in der bundesdeutschen Geschichte, der als Mitglied der Union dann irgendwie rechts von der Union sein Glück versuchte und dabei jeweils scheiterte. Gab es doch einst den Herrn Franz Handlos. Dieser besaß als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter durchaus eine demokratische Legitimation. 1983 trat er insbesondere aus Verärgerung über den durch Franz-Josef Strauß eingefädelten “Milliardenkredit” an die “DDR” aus der Union, in seinem Falle der CSU, aus, und wurde zum Mitbegründer, ja erstem Vorsitzenden der “Republikaner”.

Wie die AfD für Bernd Lucke, so drifteten die “Republikaner” für Franz Handlos nach dessen Meinung zu weit nach rechts. Flugs schmiss Handlos bei den “Republikanern” hin und gründete seine zweite Partei: die “Freiheitliche Volkspartei”, kurz FVP. Wie nicht anders zu erwarten, scheiterte diese selbst im bayerischen Heimatbundesland von Handlos bei den Landtagswahlen als Splitterpartei. 1987 kandidierte Handlos dann als unabhängiger Direktkandidat für den Bundestag, was an das Zwischenspiel von Lucke bei den “Feien Wählern” erinnert. Nachdem er auch hier scheiterte, wurde Handlos noch im selben Jahr in die FDP aufgenommen.

Aufnahmebereite FDP

Die bundesdeutsche FDP hat sich nicht nur im Falle des ersten Bundesvorsitzenden der “Republikaner”, Handlos, als aufnahmewillig erwiesen. So traten bekanntlich im Zuge der Wiedervereinigung die bisherigen Blockparteien und damit Regierungsparteien der einstigen “DDR”, “Liberal-Demokratische Partei (Deutschlands)”, kurz LDPD bzw. LDP, und “National-Demokratische Partei Deutschlands”, kurz NDPD, geschlossen der FDP bei. Infolgedessen kam fortan der Löwenanteil der FDP-Mitglieder aus selbigen früheren Regierungsparteien der untergegangenen “DDR”.

Die massive Aufnahmebereitschaft der FDP für ehemalige Parteigänger und Funktionsträger des III. Reiches in den frühen Jahren der Bundesrepublik gehört zur Nachkriegsgeschichte. Manchem mag dazu der Begriff “Gauleiterkonferenz” in den Sinn kommen.

Verzweifelter Versuch Luckes

Das Antreten bei den diesjährigen Europawahlen dürfte wohl ein ziemlich verzweifelter Versuch Luckes sein, ähnlich, wie das Antreten von Handlos als Direktkandidat zur Bundestagswahl 198z. kurz vor seinem Eintritt in die FDP.
Dabei bemüht man sich seitens der FDP längst offen, ja unverfroren, um AfD-Wähler. Die Wortwahl etwa von FDP-Vorsitzendem Christian Lindner mag den geschichtlich etwas gebildeten Zeitgenossen an Gründung und Tätigkeit der um “Patrioten” so bemühten Blockpartei NDPD erinnern.

Na, dann gibt es in den Fußspuren insbesondere von Franz Handlos bald vielleicht auch für Bernd Lucke noch ein warmes Plätzchen bei der aufnahmebereiten FDP.

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