Der Werbetext für die Veranstaltung mit dem Mao-Zitat. Rote Unterstreichung durch „unzensuriert“.

Foto: Bild: Bildschirmfoto Facebook / Talk europe
Podiumsdiskussion von „Jetzt“ mit Peter Pilz wirbt mit zynischem Mao-Zitat

Am 3. April veranstaltet die politische Akademie der Partei „Jetzt – Liste Pilz“ im Wiener „Marxpalast“ eine Podiumsdiskussion. Die Diskutanten sind der Parteigründer Peter Pilz sowie die beiden Philosophen Slavoj Žižek und Robert Pfaller. Thema der Diskussion ist die Schaffung einer weltweiten „neuen Ordnung“, die das momentane „Chaos“ ersetzen soll. Diese „neue Ordnung“ soll unter anderem durch eine „radikale Neuorganisation der gesamten Produktion und Verteilung der Nahrungsmittel“ durchgesetzt werden.

Veranstaltung hat verkürztes Mao-Zitat als Titel

Die Beschreibung der Veranstaltung enthält ein Zitat des chinesischen kommunistischen Dikators und Massenmörders Mao Tse-Tung:

But it is here that we should remember Mao’s old motto: „There is great disorder under heaven, so the situation is excellent!“

Übersetzung:

Aber an dieser Stelle sollten wir uns an das alte Motto von Mao erinnern: „Es herrscht ein großes Chaos unter dem Himmel, die Situation ist also exzellent!“

Mao Tse-Tung war einer der grausamsten Diktatoren der Geschichte. Seinem Regime fielen schätzungsweise bis zu 76 Millionen Menschen zum Opfer. Dennoch wird hier sein angebliches Motto ohne irgendwelche Hemmungen zur Beschreibung einer momentanen Lage verwendet. Das Motto Maos wird sogar zur Erinnerung empfohlen, wobei hier offensichtlich nicht die Erinnerung an Maos Verbrechen gemeint ist. Darüber hinaus dienen Teile des Mao-Zitats sogar als Titel der Veranstaltung, dieser lautet nämlich „Disorder under heaven“. Jegliche kritische Distanz zu Mao sucht man in der Beschreibung der Veranstaltung vergeblich.

Mao verursachte die größte Hungersnot der Geschichte

Die Verwendung eines Mao-Zitats wirkt besonders in diesem Kontext ausgesprochen zynisch. Thema der Diskussion ist ja die Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln. Mao hat durch seine Kampagne vom „Großen Sprung nach vorne“ die größte Hungersnot der Geschichte ausgelöst. Die Schätzungen der Opferzahlen der Jahre von 1958 bis 1961 reichen von 15 bis 55 Millionen.

Mao-Zitat stammt vermutlich aus der „Kulturrevolution“

Weiters ist Mao bekannt für seine „Kulturrevolution“, in der die kommunistische Ideologie äußerst gewaltsam durchgesetzt wurde und hunderttausende Tote sowie enorme Zerstörungen von Kulturgütern zur Folge hatte. Die Kulturrevolution begann 1966 und sollte ganz bewusst Chaos schaffen. Mao sagte 1967: „Mit Chaos auf Erden erreicht man die größte Ordnung im Land“.

Somit bezieht sich auch das Mao-Zitat der Jetzt-Parteiakademie mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Kulturrevolution. Das heißt, es drückt mutmaßlich eine Befürwortung eines der größten kommunistischen Verbrechen aus. Besonders zynisch ist auch der weitere Text direkt nach dem Mao-Zitat:

Let’s not lose nerves, let’s exploit the confusion as a chance to propose a new radical vision.

Übersetzung:

Lasst uns nicht die Nerven verlieren, nutzen wir das Chaos aus als Chance, eine neue, radikale Vision vorzuschlagen.

Genau das hat Mao auch gemacht und mit seiner „neuen, radikalen Vision“ unsägliches Leid über sein Volk gebracht.

Jetzt-Parteiakademie trägt den Namen „#offenegesellschaft“

Der Veranstalter der Diskussion, die politischen Akademie der Partei „Jetzt – Liste Pilz“, trägt den Namen „#offenegesellschaft“. Bei einem derart positiven Bezug auf Mao Tse-Tung stellt sich die Frage, was hier mit „offener Gesellschaft“ eigentlich gemeint ist.

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