Die fleißigen Abschiebeverhinderer fehlten im Fall eines bekannten vietnamesischen Autors.

Foto: Bild: diema / pixabay.com
Vietnamesischer Autor in Eilverfahren abgeschoben – Halb Afrika bleibt

Wes Geistes Kind die bundesdeutsche Regierung in Punkto Abschiebungen ist, machte sie schon in den vergangenen Jahren ganz klar. Das Motto „wir schaffen das“ besteht bis in die Gegenwart. Allerdings gilt das nur für halb Afrika und jegliche Menschen, die sich ohne ihr Zutun eine bessere Zukunft in Deutschland erwarten. Nicht allerdings für einen angesehenen Schriftsteller, der in seinem Heimatland Vietnam als „Volksfeind“ geführt wird und darum schlimme Konsequenzen bei einer Rückkehr zu befürchten hat.

Trotz Auszeichnungen Abschiebung

Nichts desto Trotz wird er nun ausgerechnet dorthin zurückgewiesen. Die gesetzliche Lage sei trotz drohender Strafen eindeutig für Deutschland, wie ein Sprecher der Stadt Nürnberg versicherte. Der Schriftsteller und Menschenrechtler wurde 2017 und 2019 für den Literaturnobelpreis nominiert, aktuell ist er für den Robert-Kenney-Preis of Human Rights und den Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis vorgeschlagen.

All das und auch die Hochbegabung seiner strebsamen Tochter sind allerdings kein Bleibegrund. Sein Asylantrag wurde negativ beschieden. Diesen stellten er und seine Familie 2015, als sie mit ihrer damals noch minderjährigen Tochter das Land verlassen konnten. Nach einer 20-jährigen Haftstrafe wegen „Propaganda gegen den sozialistischen Staat“ gründete Nguyen Quang Hong Nhan eine eigene Hochschule, die allerdings von der Hanoier Regierung wieder geschlossen wurde weil sie sich zu sehr den Menschenrechten widmete.

Durch das musikalische Talent der Tochter gelang ihnen schließlich die Flucht nach Europa. Sie wurde dorthin als hochbegabte Klavierschülerin zu Wettbewerben eingeladen und die Eltern reisten als Begleitpersonen mit. Mittlerweile studiert die Tochter Klavier und die ganze Familie bringt sich nach Kräften in ihrer neuen Heimat ein. Dennoch wurde die Eltern am 2. April von der Fremdenpolizei abgeholt.

Tochter ebenfalls bedroht

Auf der Webseite der Hanoier Regierung ist mittlerweile auch ein Eintrag zu finden, wonach die Familie als „Volksfeinde“ und „antivietnamesische Kräfte“ denunziert werden. Das alles stört das Bayerische Landesamt für Asyl und Rückführung aber nicht. Obwohl Fälle aus Vietnam normalerweise in Berlin oder Nordrhein-Westfalen behandelt werden, da dort die nötige Qualifizierung zur Beurteilung vorliegt, handelte Bayern hier eigenmächtig.

Anders als bei Abschiebungen üblich, sei nicht auf die Entscheidung der Klage des Ehepaars gewartet worden. Diese gingen nach der Ablehnung ihres Asylfolgeantrages in Berufung. Sie wollten bei einer negativen Bewertung nach Kanada weiterreisen, wo sich die Regierung offen für die Familie zeigte. Dafürhätten sie allerdings  die Botschaft in Wien besuchen müssen, was ihnen aber nicht gestattet wurde.

Nach dem Schlaganfall des bekannten Autors war der Mann dauerhaft auf Medikamente angewiesen, diese konnte er allerdings nicht nach Vietnam mitnehmen. Auch ein Arzt fehlte bei der Abschiebung und dem Flug, wie die Tochter den deutschen Medien berichtete. Sie selbst konnte nicht abgeschoben werden, da sie keinen gültigen Reisepass besitzt. Das könne sich allerdings schnell ändern, wie die 19-jährige befürchtet, da sie selber auch publizistisch tätig ist.

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