Der tägliche Rattenschwanz des Mainstreams - oder die Hysterie der ÖVP | Unzensuriert.at

Der tägliche Rattenschwanz des Mainstreams - oder die Hysterie der ÖVP

Das Gedicht eines FPÖ-Funktionärs in Braunau zog im wahrsten Sinne des Wortes einen Rattenschwanz nach sich. Foto: G. Scott Segler / wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Das Gedicht eines FPÖ-Funktionärs in Braunau zog im wahrsten Sinne des Wortes einen Rattenschwanz nach sich.
Foto: G. Scott Segler / wikimedia (CC BY-SA 4.0)
23. April 2019 - 14:00

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Mit Hysterie reagierten wieder einmal die altbekannten Mainstream-Medien, als nach den Feiertagen ein Beitrag aus einem FPÖ-Blatt in Oberösterreich auftauchte. Der nunmehr ehemalige Vizebürgermeister von Braunau gab dort unter Berufung auf die Meinungsfreiheit einen selbst gedichteten Beitrag zum Besten. Oder für die ÖVP eher zum Schlechtesten. Denn diese reagierte prompt und forderte – wieder einmal – eine Distanzierung durch die FPÖ. Mit Erfolg.

Rattengedicht als Aufhänger

Offensichtlich ist der EU-Wahlkampf bereits voll im Gange, die Wahlkampfmaschinerie läuft sowohl in der von öffentlicher Hand finanzierten Presse, als auch in der bisher produktiv miteinander kooperierenden Regierung auf Hochtouren. Wie gerufen kommt dort ein inszenierter Skandal, der eigentlich gar keiner ist, sondern unter schlechten Geschmack oder Schmuddel-Literatur fällt.

Weil ein FPÖ-Funktionär in der parteieigenen Zeitung ein Gedicht über Ratten mit „Kanalisationshintergrund“ abdrucken ließ und man darin auch Vergleiche mit Einwanderern findet, die sich anpassen sollten, brach von der SPÖ bis zur ÖVP die schiere Panik aus. Der Verfasser wurde eiligst zum Rücktritt genötigt, und die Freiheitlichen distanzierten sich auch, um den Schaden zu begrenzen.

Leser sind entspannter als Kurz

Mit wesentlich weniger Panik reagierten erstaunlicherweise die Wähler von Sebastian Kurz. Auf Facebook teilte er nämlich einen Zeitungsartikel, wonach betroffener Herr nun zurückgetreten sei und kommentierte, dass dies der einzig richtig Weg gewesen sei: "Der klare Schritt des Vizekanzlers und der FPÖ Spitze war notwendig und richtig."

Das allerdings finden die meisten Leser seiner Seite nicht. Sie sind der Meinung, dass übertrieben reagiert wurde und man sich weniger um derlei Schwachsinn kümmern sollte.

"Für mich persönlich ist das gelebte freie persönliche Meinung", "Ungeschickt formuliert, aber die Kernaussagen stimmen zu 100%", "Ich denke, wir haben dringlichere Probleme, als wie man auf Anpatzungen der Opposition am besten reagiert" oder "Endlich schluss mit den suchereien,finden tust immer", ist dort unter den mittlerweil mehr als 600 Kommentaren großteils zu lesen.

Was allerdings auffällt, ist das Titelbild des Bundeskanzlers mit den Worten "die Veränderung hat begonnen" - und das lässt sich kaum abstreiten.

Wo blieb der Aufschrei?

Doch aufmerksame Leser wundern sich über dieses Vorgehen einigermaßen. Denn vor etwas mehr als einem Jahr, als gerade eine widerliche Schmutzkübelkampagne gegen den FP-Spitzenkandidaten aus Niederösterreich, Udo Landbauer, medial ausgeschlachtet wurde, griff die Kronen Zeitung zu ähnlichen Mitteln.

Der hauseigene Karikaturist Bruno Haberzettl malte für die Ausgabe am Sonntag, den 4. Februar 2018, ein Bild, das an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten ist. Dort stellte er farbentragende Studenten mit ihren traditionellen Mützen und Bändern als Ratten dar, die in der Kanalisation Bier aus Abflussrohren trinken.

Diese Herabwürdigung, die allerdings die Leistungsträger und Akademiker in diesem Land auf das Gröbste beleidigt, ließ Sebastian Kurz, auch damals schon Bundeskanzler, völlig unkommentiert. Es gab keine Distanzierung, keine Rücktritte oder gar eine Entschuldigung gegenüber den tausenden damit Diskreditierten.

Vergleiche lassen unbeeindruckt

Auch als der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Zusammenhang mit AfD-Politikern von "Rattenfängern" sprach, ließ das die europäische Politik völlig unbeeindruckt. Das heißt offenkundig, für ihn sind Menschen, die sich von der AfD-Arbeit durch AfD-Abgeordnete überzeugen lassen, also gewissermaßen „Ratten“. Die Beleidigung von konservativen Wählern scheint auf jeden Fall entschuldbar, die Kritik am Verhalten der massenhaft kriminellen Einwanderer jedoch nicht.

Ebenso im Fall eines FDP-Abgeordneten, der im Dezember 2016 die Wähler der AfD als "Ratten" bezeichnete. Sein Eintrag auf Facebook blieb trotz unzähliger Löschanträge wegen Hassrede weiter im Netz, während Kritiker dafür gesperrt wurden.

Die Ratten damals und heute

Auch als am 19. September 2003 vom Sender ATV eine "Satiresendung" ausgestrahlt wurde, wonach der ehemalige FP-Vizekanzler Herbert Haupt von "braunen Ratten" umgeben sei, hörte man weit und breit keinen Aufschrei.

Als im November des Vorjahres Niederösterreichs Grünen-Chefin Helga Krismer den Vizekanzler HC-Strache mit einer Ratte verglich, blieb es ruhig. Niemand wurde ausgetauscht, gerüffelt oder eine Distanzierung von dieser untergriffigen Beleidigung gefordert. Sie teilte ein Video, in dem eine Ratte eine Katze davonjagte. "Wenn man lustig sein möchte, aber nur dann, könnte man ihnen Namen geben: Kater Sebastian und Ratte Heinz", schreib sie darunter...

Und was war mit dem SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves, der beim Wahlkampfauftakt zur steirisches Landtagswahl 2015 in seiner Rede Richtung FPÖ polterte: ""Das sind Hassprediger, es sind Lügner, es sind Hetzer, es sind Rattenfänger"? 

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