Für Schriftsteller Robert Menasse ist der Nationalstaat ein „Aggressor“.

Foto: Bild: Heike Huslage-Koch / Wikimedia CC BY-SA 4.0
Schriftsteller Robert Menasse wieder als Agitator gegen die europäischen Staaten unterwegs

Vor wenigen Tagen führte die österreichische „Interessensvertretung“ IG-Kultur mit Menasse ein Gespräch, in welchem der an Hegel geschulte Literat sein manichäisches Weltbild vorstellen konnte:

Wenn wir diesen Kontinent auf Dauer und nachhaltig befrieden wollen, so müssen wir den Aggressor überwinden, und der Aggressor ist der Nationalstaat

Gastkommentar von Markus Vorzellner

Obwohl ihm zwar in seiner treuen Ergebenheit an den Brüsseler Superstaat ein wenig die literarische Puste ausgeht, stürzt sich der Schriftsteller Menasse mit Feuereifer in ein ideologisches Täuschungsmanöver: So wird der Begriff des „Nationalstaates“ ganz bewusst verwendet, um damit beim IG-Kultur-Radio-Hörer eine ethnisch und „rassisch“ reine Gesellschaft zu suggerieren. Er vermeidet bewusst den Begriff des „souveränen Staates“ im Sinne überblickbarer Entitäten. Nein, solche demokratisch legitimierten Einheiten bekommen bei ihm sofort den Ruch des Nationalen und damit des Rassismus und der Kriegshetzerei. Wo käme man denn hin, wenn in diesem Zusammenhang etwa die Ideen eines politisch verpönten, weil unkorrekten Denkers wie Leopold Kohr auch nur in Ansätzen berüchsichtigt würden? In dessen großartigem Buch „Das Ende der Großen“ kann man unter anderem lesen:

Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß.

Doch das kriminelle Potential der einzelnen Staaten nimmt bei Menasse mit wachsender Souveränität zu. Es sei doch so gewesen, dass „zunehmend aggressive Verteidigung nationaler Interessen, die Politik der nationalen Sonderwege im Kampf um Märkte, Bodenschätze, Ressourcen etc. zu den furchtbarsten Kriegen und Menschenrechtsverbrechen geführt haben.“

Hass auf die „Nationalstaaten“

Laut Menasse beruhen also die „furchtbarsten Kriege und Menschenrechtsverbrechen“ auf Handlungsgrundlagen gieriger „Nationalstaaten“. Man erkennt, dass Robert M.s Hass auf die „Nationalstaaten“ derart groß ist, dass er deren Status, völlig sinnwidrig, auch dem Hitler-Reich zuerkennt.

Der souveräne Staat wird als etwas bezeichnet, das sich „Nationalisten und Rechtpopulisten“ wünschten. In seinem 2012 erschienen Pamphlet „Der europäische Landbote“ (einer nicht sonderlich originellen Titelübernahme von Georg Büchners „Hessischem Landboten“) geht er noch einen deutlichen Schritt weiter, indem er den Souverän, das Staatsvolk, seiner Souveränität beraubt sehen will, weil ja „die vox populi mitnichten die vox dei“ sei.

Analyse von Menasses Aussage

Doch betrachten wir den zuvor analysierten Satz noch ein wenig genauer: „Wenn wir diesen Kontinent auf Dauer und nachhaltig befrieden wollen, so müssen wir den Aggressor überwinden, und der Aggressor ist der Nationalstaat“ Der Begriff des „Befriedens“ ist in etwa mit dem lateinischen Wort „pacare“ gleichzusetzen, wie es im „Gottesstaat“ („De Civitate Dei“) des Augustinus klar und deutlich zu lesen ist: „Gott wollte, dass Rom den gesamten Erdkreis niederwarf und dieser, nachdem er in eine einzige Gesellschaft des Staates und der Gesetze überführt worden war, des Langen und Breiten befriedet wurde.“

Und auch schon bei Caius Julius Cäsar wird der Begriff in seinen Büchern über den Gallischen Krieg („Libri de Bello Gallico“) an mehreren Stellen in diesem Sinn gebraucht. Im dritten Buch lesen wir, dass, nachdem ganz Gallien von Cäsar befriedet worden war („omni Gallia pacata„), nur die Moriner und die Menapier, zwei keltische Stämme, übrig geblieben waren (potentielle Vorbilder für Asterix Dorf?). Diese mussten konsequenterweise auch noch niedergestreckt werden.

Befriedung durch Krieg

Was will uns Menasse sagen, wenn er den Begriff des „Befriedens“ ausspricht? Der Aggressor soll überwunden werden, so viel steht fest. Dieser Aggressor ist aber, in Menasses Diktion, der „Nationalstaat“. Dass seit der Antike mittels Krieg „befriedet“ wird, belegen die angeführten Stellen sehr deutlich. Bedeutet das im vorliegenden Fall, dass Herr Menasse zur kriegerischen Vernichtung der souveränen Staaten aufruft? Oder doch nur von deren Souveränität, nachdem er dem verhassten Gebilde bereits jedwede demokratische Legitimität abgesprochen hat? Ist das die logische Konsequenz dieses Denkens, das Jürgen Habermas vor über einem halben Jahrhundert als „Linksfaschismus“ bezeichnet hat?

EU-Apologet Menasse

Ein Schelm, wer solches denkt, würde doch damit der EU-Apologet Menasse das sogenannte „Friedensprojekt“ EU ad absurdum führen, das die kriegshetzerischen Nationalstaaten als einziges in Bann zu halten versteht.

Markus Vorzellner lebt als Pianist (Schwerpunkt Kammermusik und Liedbegleitung), Musikpublizist und Pädagoge in Wien.

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