So sicherte sich das Sebastian-Kurz-Netzwerk Einfluss auf Kurier und Kronen-Zeitung | Unzensuriert.at

So sicherte sich das Sebastian-Kurz-Netzwerk Einfluss auf Kurier und Kronen-Zeitung

Ironie der Geschichte: Kurz und Benko setzten um, wofür Strache verteufelt wird. Foto: EU2017EE Estonian Presidency / Wikimedia (CC-BY-2.0)
Ironie der Geschichte: Kurz und Benko setzten um, wofür Strache verteufelt wird.
Foto: EU2017EE Estonian Presidency / Wikimedia (CC-BY-2.0)
21. Mai 2019 - 10:00

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Empört zeigte man sich bei der Kronen Zeitung ob der Fantasien eines sichtlich alkoholisierten Oppositionsführers HC Strache. Wie dreist, er wollte sich mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte verbünden und sie dazu animieren, Anteile der Kronen Zeitung zu kaufen. Damit sollte dort eine FPÖ-freundliche Berichterstattung sichergestellt werden. Selbstverständlich werde man sich dafür mit Gegenleistungen erkenntlich zeigen, so Strache. So weit, so schlecht.

Kurz-Intimus kaufte sich bei Krone und Kurier ein

Was Strache im Jahr 2017 angedacht hatte, hat eine tragende Säule des Sebastian-Kurz-Netzwerkes im November letzten Jahres allerdings in die Realität umgesetzt. Es handelt sich um den Immobilieninvestor René Benko. Benko gilt als enger Berater von Sebastian Kurz in Wirtschaftsfragen. Und just dessen in seinem Eigentum stehende Signa Holding GmbH hat sich laut damaliger Medienberichte im November 2018 bei Krone und Kurier eingekauft. Konkret übernahm der Investor 49 Prozent der WAZ Auslands Holding GmbH. Über diese Gesellschaft hielt die deutsche Funke-Mediengruppe 50 Prozent an der Kronen Zeitung und auch beinahe die Hälfte der Anteile am Kurier.

Dubioser Immobilien-Deal der Kurz-Benko-Connection

Das Naheverhältnis von Sebastian Kurz zum Immobilien-Investor René Benko spiegelt sich exemplarisch in der Abwicklung eines Immobilien-Deals wider, den die Rechercheplattform Addendum aufdeckte.

In einer Nacht-und-Nebel Aktion wurde zum Jahreswechsel 2017 auf 2018 um 60 Millionen Euro das Hauptgebäude des Leiner-Kika Möbelkonzerns in der Wiener Mariahilferstraße an René Benko verscherbelt. Handelnde Personen: Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Justizminister Josef Moser (ÖVP) und als Käufer: eben Kurz-Berater René Benko. Um das Geschäft schnellstens über die Bühne zu bringen, ließen Kurz und Moser während der Weihnachtsfeiertage sogar das zuständige Bezirksgericht aufsperren und einen leitenden Beamten aus dem Urlaub holen. Auf diese Weise konnte am 29. Dezember 2017 eine Tochterfirma einer von Benko gegründeten Privatstiftung grundbücherlich als neue Eigentümerin des Objekts eingetragen werden. Ein wohl einmaliger Vorgang.

Pfandrecht 95 Millionen Euro

Warum die Eile geboten war, sollte sich später herausstellen. Denn wie Addendum weiter recherchierte, handelte es sich bei den 60 Millionen für das Luxusobjekt geradezu um ein Schnäppchen. Kurz vor Weihnachten 2017 soll für das Gebäude ein Angebot von 90 Millionen Euro auf dem Tisch gelegen haben, das jedoch unter einem Vorwand nicht berücksichtigt wurde.

Ein Indiz, wie sehr Kurz dem Investor mit seinem außergewöhnlichen Einsatz dienlich war, zeigt ein am 18.April 2018 eingetragenes Pfandrecht für die Immobilie in der Höhe von 95 Millionen Euro. 90 Millionen wären unter diesem Gesichtspunkt also ein durchaus realistisch erzielbarer Verkaufpreis gewesen.

Wo bleibt die allgemeine Empörung?

Sonderbehandlung eines ihm nahestehenden Investors, der Kauf von bedeutenden Unternehmensanteilen von Tageszeitungen durch denselben – und das nicht in der Fantasie eines Oppositionspolitikers, sondern Realität im Dunstkreis des Bundeskanzlers. Von einem Aufschrei bei der Krone, dass man sich nicht kaufen lasse, war allerdings nichts zu vernehmen. Auch andere Mainstreammedien wollen eins plus eins nicht zusammenzählen. Lieber schlägt man dort auf den mittels illegaler Machenschaften aufgeblattelten Herrn Strache und die FPÖ ein.

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