Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Hintergründe zur vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte | Unzensuriert.at

Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Hintergründe zur vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte

Bevor es auf Ibiza (Symbolbild) zu den illegalen Videoaufnahmen kam, bahnte ein Anwalt einen zweifelhaften Kontakt an. Foto: photosforyou /pixabay
Bevor es auf Ibiza (Symbolbild) zu den illegalen Videoaufnahmen kam, bahnte ein Anwalt einen zweifelhaften Kontakt an.
Foto: photosforyou /pixabay
21. Mai 2019 - 16:15

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Immer mehr Hintergründe zur Intrige gegen die beiden FPÖ-Politiker HC Strache und Johann Gudenus und dem "Ibiza-Video", das das Koalitionsende verursacht hat, werden bekannt. So hat der Blog eu-infothek (EUI) heute, Dienstag, brisante Fakten, wie der Kontakt zwischen der vermeintlichen Oligarchin und Johann Gudenus zustande kam, aufgedeckt und veröffentlicht. Auch die Staatsanwaltschaft wurde mit diesen Enthüllungen bereits befasst.

Rechtsanwalt als Mittelsmann

Ein in Wien tätiger Rechtsanwalt hatte über eine Immobilienmaklerin, die nicht in die Affäre verwickelt ist, erfahren, dass Gudenus ein Waldgrundstück verkaufen wollte. Er nahm über die Maklerin direkten Kontakt mit Gudenus auf und erklärte, er habe einen sehr vermögenden Klienten aus Russland, der in Österreich zu investieren gedenke.

Am 24. März 2017 kam es zu einem eleganten Dinner im Restaurant „Le Ciel“, an dem Johann Gudenus mit Gattin, die "Oligarchen-Nichte" Alyona Makarov und ein gewisser Julian Thaler (die beiden Letztgenannten vermutlich mit falschen Namen) sowie der Rechtsanwalt und die Maklerin teilnahmen. Der Deutsche Julian Thaler wurde als Münchner Freund und Chef einer Sicherheitsfirma vorgestellt. Zuvor wurde eine Kopie des lettischen Passes der angeblichen Russin gezeigt und erklärt, dass sie die Nichte eines sehr reichen Oligarchen aus Russland sei.

Nobelauto, Chauffeur und Leibwächter als Visitenkarte

Die junge Dame, die mit einem Nobelauto der Marke Maybach inklusive Chauffeur und Leibwächter vor dem Hotel vorfuhr, war – in russischer Sprache – sehr gesprächig. Sie liege im Streit mit ihrem Onkel, habe aber nunmehr ein Vermögen von 350 Millionen Euro und möchte im friedlichen, schönen Österreich Sicherheit und Kultur genießen, Investitionen in Grundstücke, Immobilien und Firmen tätigen und, vor allem, ihre Kinder in österreichische Schulen schicken.

Die Rechercheplattform schreibt dazu:

Der Anwalt bestätigte die Aussagen der „Oligarchen-Nichte“. Der Rechtsanwalt erklärte den Freund der Russin als seinen langjährigen Freund und Bekannten aus München, so dass aufgrund des Auftretens des bekannten Rechtsanwaltes mit dessen Empfehlung die Familie Gudenus keinen Zweifel an der Seriosität der Interessentin hatte.

Anwaltsprüfung akzeptiert

Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Anwalt in seiner Kanzlei einen Kontoauszug als Kapitalnachweis vor Zeugen flüchtig in die Runde gezeigt haben mit der Bemerkung, „die ersten großen Summen sind schon auf meinem Konto“. Gudenus, nicht argwöhnisch, vertraute dem Anwalt, zumal dieser laut Gesetz zur Prüfung der Herkunft von Geldmitteln verpflichtet ist und bei Verdacht auf Betrug oder undurchsichtige Herkunft des Geldes Anzeige erstatten muss. Gudenus betrachtete damit die Herkunft des Geldes als einwandfrei und sauber. Eine Zahlung an Gudenus oder seine Familie gab es jedoch nie.

Es kam in der Folge zu einer Besichtigung des Waldgrundstückes, wo die russische „Interessentin“ sehr sachkundige Fragen über den Bestand des Waldes und der Forst- und Jagdwirtschaft stellte.

Gemeinsames Urlaubsziel Ibiza

Nach der Besichtigung des möglichen Kaufobjektes trafen sich der Anwalt, Julian Thaler und Johann Gudenus am 28. April 2017 im „Stadtwirt“ wieder.

Die Rechercheplattform schreibt dazu:

Beim letzten Treffen der Oligarchin mit ihrem Freund Julian und dem Rechtsanwalt schwärmte die attraktive Russin von ihrer Lieblingsinsel Ibiza. Gudenus, welcher – wie Strache auch – immer wieder auf Ibiza geurlaubt hat – kam mit der russischen Gruppe rasch zur Vereinbarung, sich zu einem ausführlichen Lunch oder Dinner in Ibiza zu treffen.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielte HC Strache in den Diskussionen nur am Rande eine Rolle und war auch persönlich nicht involviert. Zu einem Zusammentreffen mit der vermeintlichen Oligarchen-Nichte kam es für ihn erst auf Ibiza.

Brisante Fragen an den Rechtsanwalt

Sowohl EUI als auch unzensuriert recherchieren in diesem Fall und haben den Anwalt bereits kontaktiert. Folgende Fragen hat die unzensuriert-Redaktion an ihn gerichtet und wartet nun auf Antworten:

1) Haben Sie den Kontakt zwischen Johann Gudenus und der vorgeblichen russischen Oligarchin angebahnt?

2) Wie entstand Ihr Kontakt zur vorgeblichen russischen Oligarchin?

3) Seit wann wussten Sie Bescheid, dass es ein groß angelegter Schwindel war?

4) Haben Sie für Ihre Tätigkeit in dieser Causa ein Honorar oder sonstige geldwerte Gegenleistungen erhalten?

unzensuriert antwortete der Anwalt des Anwalts (!):

Ich ersuche namens meines Mandanten um Verständnis, dass dieser aufgrund von Verschwiegenheitsverpflichtungen für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stehen kann.

Bitte beachten Sie strikt, dass mein Mandant keine Zustimmung zu identifizierender Berichterstattung erteilt.

Inzwischen hat EUI den Namen des Anwalts veröffentlicht. Offen bleibt, wer der tatsächliche Drahtzieher ist, welche Interessen damit verfolgt wurden und wieso das Video erst jetzt veröffentlicht wurde.

Alle Artikel zum "Ibiza-Video" finden Sie hier.

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