Noch sind die Hintermänner des „Ibiza-Videos“ nicht enttarnt. Die Schlinge zieht sich aber enger zusammen.

Bild: Bru-nO/pixabay
„Ibiza-Video“: Fakten über die Auftragnehmer, die Schlinge für die Auftraggeber wird enger

Unzensuriert berichtet seit Tagen über die Hintermänner des illegalen „Ibiza-Videos“. Auf Grundlage der Recherchen des Blog „eu-infothek“ (EUI), diverser Zeitungsmeldungen, der gestrigen Live-Sendung von oe24.tv und eigener Recherchen fassen wir Fakten und Vermutungen zusammen.

Unmittelbar Beteiligte sind enttarnt

Inzwischen belegt scheint, dass der Wiener Innenstadt-Anwalt Ramin M. den Kontakt zwischen Johann Gudenus und der vermeintlichen Oligarchin eingefädelt hat. Weiters, dass der in Wien wohnhafte Julian H., der sich gegenüber Gudenus als Julian Thaler ausgab, in München eine Detektei  mit Spezialgebiet „verdeckte Ermittlungen“ betrieben hat. Nach Aussage seines früheren Auftraggebers, Sascha Wandl, haben diese gemeinsam für eine oberösterreichische Firma Industriespionage betrieben. Beide, Julian H. wie auch der Anwalt, sind inzwischen untergetaucht und versuchen, ihre Spuren zu verwischen.

Wer sind die Auftraggeber?

Offen ist nach wie vor, wer die Auftraggeber sind. Dazu kursieren mehrere Theorien:

Zuerst wurde der SPÖ-Kampagnisierer Tal Silberstein verdächtigt. Auch Bundeskanzler Kurz versuchte, die Spur in diese Richtung und zur SPÖ zu lenken. Silberstein hat bereits bekannt gegeben, dass er es nicht gewesen wäre. Und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda hat bereits Klage gegen den Bundeskanzler wegen übler Nachrede eingebracht. Die SPÖ verlangt, dass Sebastian Kurz diese Aussagen widerruft und sich entschuldigt.

Möglich wäre auch, dass der Anwalt in Eigeninitiative gehandelt hat, mit dem Ziel, das Video teuer zu verkaufen. Wandl schätzte gestern in oe24-TV einen Verkaufspreis von 1,5 bis fünf Millionen Euro. Laut diversen Pressemeldungen hat der Anwalt bereits 2015 versucht, ihm von einem frustrierten FPÖ-Mitarbeiter zugespielte Informationen an SPÖ, ÖVP und Neos zu verkaufen. Hier folgten allerdings auch schon Dementis der diversen Parteien.

Somit wird noch immer der oder die großen Unbekannten, die als „Masterminds“ dahinter stecken, gesucht. Der Blog EUI legt bereits eine Spur in Richtung „kleine Parlamentspartei„. Allerdings ergaben Anfragen an den Generalsekretär und den „Head of Marketing, Kampagnen & Digital“ der Neos, dass sie nichts mit dem Video zu tun haben. Lediglich Zweiterer kennt den Wiener Anwalt aus Volksschultagen.

Ein Name der immer wieder genannt wird, ist jener von Daniel Kapp, Kommunikationsexperte und Pressesprecher verschiedener österreichischer Regierungsmitglieder, zuletzt von ÖVP-Finanzminister Josef Pröll. Ob er tatsächlich in irgendeiner Form involviert ist, bleibt noch Spekulation, die er allerdings selbst befeuert. Eine Anfrage seitens unzensuriert blieb unbeantwortet. Und alle seine Twitter-Einträge seit 2009 wurden plötzlich gelöscht. Einer dieser Einträge vom Oktober 2017 liegt unzensuriert vor:

Aha… so geht also Spinn. Da setz ich dann doch einen drauf: am Ende werden wir ein Blau/Rotes Wunder erleben.

„Geliked“? vom Anwalt Ramin M.. Insgesamt fragt sich die „Tweeteria“, wo Daniel Kapp untergetaucht ist.

Kann alles Zufall sein, deshalb gilt die volle Unschuldsvermutung.

Staatsanwaltschaft gefragt

Die Staatsanwaltschaft prüft laut Medienberichten einen Anfangsverdacht. Der liegt bereits klar am Tisch. Wann starten die Ermittlungen, wieso wurden die beiden vermeintlichen Täter noch nicht in U-Haft genommen – es besteht sowohl Verdunkelungs- als auch Fluchgefahr. Justizminister Josef Moser und sein schwer angeschlagener Generalsekretär Christian Pilnacek müssen jetzt handeln, sonst drängt sich der Verdacht auf, dass etwas vertuscht werden soll. Einen neuerlichen Justizskandal kann sich Österreich aktuell aber nicht leisten.

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