Der kriminelle Hintergrund des Ibiza-Videos ist nun weitgehend bekannt. Der politische muss erst folgen.

Bild: peterbwiberg/pixabay
Ibiza-Video: Kriminelle Drahtzieher und Motiv enthüllt – die ganze widerliche Geschichte

Dem Blog eu-infothek (EUI) gelang es, nach nur einer Woche den Kriminalfall um das berüchtigte Ibiza-Video, das Bundeskanzler Sebastian Kurz nutzte, um die angesehene Regierungskoalition zwischen ÖVP und FPÖ zu beenden, vollständig aufzuklären.

Gut vernetzte Sicherheitsmitarbeiter hecken Plan aus

Hintergrund des Videos dürfte demnach ein krimineller Antrieb von Mitarbeitern eines Sicherheitsunternehmens sein. Dieses hatte bis etwa 2014/2015 auf dem Balkan Sicherheitsprobleme wie etwa Korruption, Zigarettenschmuggel und ähnliches für internationale Konzerne, darunter Hans-Peter Haselsteiners Strabag, gelöst. Allerdings brachte die Verwicklung in einen Fall eines österreichischen Industrieunternehmens den Sicherheitsdienst in Misskredit, weshalb die Konzerne die Zusammenarbeit beendeten.

Einer der vom Auftragsverlust betroffenen Sicherheitsberater ist Sascha Wandl. Der 47-Jährige hat nun die Entstehung des berüchtigten Ibiza-Videos öffentlich gemacht. Demnach liegt dem Ibiza-Video eine kriminelle Geschäftsidee zugrunde.

“Produkt” als Erpressungsmittel hergestellt

Gemeinsam mit dem in Wien tätigen Rechtsanwalt Ramin Mirfakhrai sollte ein “Produkt” entwickelt werden. Dieses Produkt bestand aus selbst erzeugtem, belastendem Material über eine Person, Partei oder Firma, das dann dem Betroffenen “zum Kauf” angeboten werden sollte. Erpressung also.

Den vier Ibiza-Video-Hintermännern war ein für den damaligen Oppositionspolitiker HC Strache arbeitender Sicherheitsmann bekannt – das (erste?) Opfer war gefunden! Dieser Sicherheitsmann kannte nicht nur den vollständigen Tagesablauf seines Chefs, sondern wusste zwangsläufig auch über Persönliches des Ex-Vizekanzlers Bescheid. Als zweiter “glücklicher Umstand” erwies sich die Bekanntschaft Mirfakhrais mit jener Immobilienmaklerin, mit der die Familie Gudenus eine lange Geschäftsbeziehung pflegte. Über den Wunsch von Johann Gudenus, das kürzlich geerbte Waldstück seines verstorbenen Vaters verkaufen zu wollen, schloss sich der Kreis der handelnden Personen.

Geheimdienstverbindungen in Österreich und Deutschland

Damit nahm das Verhängnis für Strache seinen Lauf. Die Sicherheitsprofis stellten ihr “Produkt” dank zahlreicher guter Kontakte zu den Geheimdiensten in Österreich und der Bundesrepublik Deutschland her. So soll der österreichische Geheimdienst, der damals von der ÖVP geführt wurde, geholfen haben, das verwanzte Haus auf Ibiza zu finden.

Doch damit nicht genug. Damit das Material auch profitabel als Erpressungsmittel bei der betroffenen FPÖ eingesetzt oder anderen Interessenten, etwa dem politischen Mitbewerber, verkauft werden konnte, mussten Strache und Gudenus zu inkriminierenden Äußerungen gebracht werden. Dafür bediente man sich nicht nur des Typus Frau, an dem Strache Gefallen findet, man soll neben Alkohol auch drogenartige Substanzen eingesetzt haben. Diese bringen den Drogenkonsumenten in eine euphorische Stimmung, treiben ihn zur Selbstüberschätzung und Größenwahn. “Superman und Batman in einer Person”, wie EUI schreibt.

Gescheiterte Verkaufsversuche

Nachdem das gewünschte Material “im Kasten” war, gingen die Kriminellen daran, ihr “Produkt” zu verkaufen. Die von den Drahtziehern genannten rund 380.000 Euro Produktionskosten sollten ja nicht nur hereingebracht werden, sie sollten Gewinn abwerfen. Den Kriminellen schwebten 1,5 bis zwei Millionen Euro als Kaufpreis für das gesamte Video vor.

Sie boten es gleich nach der Herstellung 2017 Vertretern der im Parlament vertretenen Parteien und auch dem Strabag-Chef an. Zu letzterem muss daran erinnert werden, dass am 6. Juli 2017 eine Anti-FPÖ-Plattform vorgestellt worden war, getragen von Haselsteiner, dem SPÖ-nahen Anwalt Gabriel Lansky, bei dem wiederum Mirfakhrai mehrere Jahre gearbeitet hat, Eveline Steinberger-Kern, Brigitte Ederer (damals ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzende; Lansky hat – immer noch – einen Millionen-Rahmenvertrag als ÖBB-Anwalt). Dass Strache im Ibiza-Video nicht erfreut über Haselsteiner war, ist menschlich verständlich.

Doch niemand wollte den faulen Fisch um diesen Preis kaufen.

Verkaufserfolg 2019

Im Frühjahr 2019 schien die Zeit reif, das Produkt nun doch erfolgreich verkaufen zu können. Nachdem sich Mirfakhrai persönlich, aber erfolglos an verschiedene Mainstream-Medien gewandt haben soll – niemand wollte den Kaufpreis zahlen -, suchte er über Empfehlungen aus Österreich Kontakte in der Bundesrepublik Deutschland. Um 600.000 Euro schlug schließlich das linke “Zentrum für Politische Schönheit” (ZPS) zu.

Offen Fragen über ÖVP-Hintergründe

Mit dem explosiven Video-Material wurde, wie bereits ausführlich berichtet, die freiheitliche Regierungsbeteiligung gesprengt. Dass Kanzler Kurz den beliebten Innenminister Herbert Kickl umgehend entließ, lässt die Fragen aufkommen: Wie weit war Österreichs Geheimdienst in die Video-Falle involviert? Was hat das damalige ÖVP-Innenministerium neben der “Hilfe” für die Video-Villa noch “beigetragen”? Und wer gab die Empfehlungen, das Material nördlich des Inns zu verkaufen – vor der richtungsentscheidenden EU-Wahl?

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