Uwe Barschels Tod – Mord durch den Mossad?

Seit der ehemalige CDU Politiker Uwe Barschel 1987 in Genf starb, verstummen die Gerüchte nicht, Barschel sei ermordet worden. Ausführungen eines Schweizer Gerichtsmediziners geben Theorien über einen Mord neue Nahrung.

Der September 1987 sah einen besonders heftigen Wahlkampf in Deutschlands nördlichstem Bundesland Schleswig Holstein. Der aufsteigende SPD-Politiker Björn Engholm (Bild links) forderte Ministerpräsident Uwe Barschel (links im rechten Bild neben Lothar Späth) heraus und wollte dessen absolute Mehrheit brechen.

Die “Waterkant-Affäre” – Uwe Barschels Sturz

Am Samstag vor der Wahl drang der brisante Inhalt eines Bericht des “Spiegel” an die Öffentlichkeit, der eigentlich erst am Montag erschien.  Im Auftrag der CDU sollte der Journalist Reiner Pfeiffer Engholm bespitzelt und falsche Gerüchte – so beispielsweise über eine angebliche AIDS-Erkrankung – lanciert haben. Die CDU verlor die Wahl, und Barschel geriet unter massiven Druck, obwohl er ehrenwörtlich versicherte, nichts von Pfeiffers Aktivitäten gewusst zu haben; Anfang Oktober trat Barschel von seinem Amt zurück. Diese Ereignisse gingen als “Waterkant-Affäre” in Anlehnung an den “Watergate” Skandal in die jüngere deutsche Geschichte ein.

1993 stellte sich allerdings heraus, dass die SPD lange vor der Landtagswahl von Pfeiffers Aktivitäten wusste hatte. Außerdem hatte Pfeiffer nach der Wahl vom neuen SPD-Sozialminister eine Geldzuwendung in der Höhe von 50 000 DM erhalten. Engholm musste zurücktreten, als bekannt wurde, dass er einen Untersuchungsausschuss hinsichtlich seines Wissen zur Tätigkeit Pfeiffers belogen hatte.

Barschels Tod in Genf

Am 11. Oktober 1987 fanden zwei Stern-Reporter Uwe Barschel tot in einer Badewanne eines Genfer Hotels, Barschel war völlig bekleidet. Laut Aussagen seiner Witwe Freya Barschel war er dorthin gereist, um mit einem  Informanten namens “Roloff” zu sprechen, der ihm entlastende Dokumente übergeben sollte. Freya Barschel, die von ihrem Mann aus dem Hotel angerufen worden war, gab an, dass er “Roloff” nach einem ersten Treffen am Flughafen im Hotel erneut treffen wollte und sehr zuversichtlich klang. Einen Tag nach seinem Tod hätte Barschel vor oben erwähnten Untersuchungsausschuss aussagen sollen. Als Todesursache wurde ein Medikamentencocktail festgestellt, die Behörden in der Schweiz und in Deutschland sprachen von Selbstmord.

Ermordung durch den Mossad?

Geheimakte MossadDem widerspricht der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky in seinem Buch “Geheimakte Mossad”: Barschel sei vom Mossad ermordet worden. Die Hintergründe der Tat, wie sie Ostrovsky schildert, erinnern an die Iran Contra Affäre. Israel hätte Kontakt mit dem Iran aufgenommen, nachdem mehrere israelische Soldaten im Libanon von der Hisbollah entführt worden waren; der Iran sollte sich für deren Befreiung einsetzen, da er über beste Kontakte zu der schiitischen Miliz verfügte. Im Gegenzug sollten die Israelis dem Iran bei der Ausbildung von iranischen Soldaten helfen sowie Waffen und Ersatzteile liefern. Der Iran befand sich seit 1980 im Krieg mit dem Irak. Der Großteil seiner Waffensysteme war amerikanischer Herkunft, ein Relikt der Schah-Ära. Auf Grund des US-Waffenembargos war es für die Iraner schwierig, Ersatzteile und Munition zu erhalten. Zusätzlich hatten viele Offiziere das Land nach der Revolution verlassen, insbesondere an ausgebildeten Piloten bestand großer Mangel.

An einen direkten Kontakt zwischen den beiden Staaten war nicht zu denken, weswegen Deutschland zwischengeschaltet worden sein soll.  Waffengeschäfte seien über Schleswig Holstein abgewickelt worden, Piloten aus dem Iran sollen ausgebildet worden sein.

Um zu verhindern, dass ein verzweifelter Barschel diese Vorgänge vor dem Untersuchungsausschuss öffentlich machten könnte, habe ihn ein Kommando des Mossad in eine Falle gelockt und ermordet, ist die These des Buchautors. Der Schweizer Gerichtsmediziner Dr. Hans Brandenberger hat in der “Welt am Sonntag” darauf hingewiesen, dass sich die relativ genaue Schilderung Ostrovskys mit seinen eigenen Erkenntnissen über den Tathergang deckten. Selbstmord sei auszuschließen, da das tödliche Präparat erst verabreicht wurde, als Barschel auf Grund anderer Substanzen nicht mehr handlungsfähig war, das Präparat also gar nicht selbst hätte einnehmen können. Brandenberger zieht den Schluss, dass es sich bei den Tätern wegen der diffizilen Vorgehensweise um Profis gehandelt habe.

Viele Fragezeichen

Brandenbergers Ablehnung der Selbstmordtheorie ist nicht neu, und er ist auch nicht der einzige ernst zunehmende Zweifler. Der Leiter der Lübecker Staatsanwaltschaft, Heinrich Wille, geht ebenfalls von Mord aus. Wille war mit der Leitung der Ermittlungen im Fall Barschel beauftragt, musste diese aber gegen seinen Willen – auf Geheiß des Generalstaatsanwaltes von Schleswig Holstein Erhard Rex – 1998, einstellen. 2006 wollte Wille auf Basis der Akten seine Sicht des Falls in einem Buch veröffentlichen, was ihm aber von Rex untersagt worden war. Auch Barschels Witwe schließt Selbstmord aus. Sie verweist auf “Geschäfte”, die Barschel von seinem Vorgänger als Ministerpräsident, Gerhard Stoltenberg, übernehmen musste, mit denen er aber nicht einverstanden war. Diese “Geschäfte” sollen sich um Waffen gedreht haben.

Angesichts der massiven Widerstände scheint es trotz der neuesten Entwicklungen überaus fraglich, ob der Fall Barschel neu aufgerollt wird.

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