SPÖ-Wien-Chef Michael Ludwig mag kritische Artikel gegen seine Partei im „Kurier“ nicht sehen.

Bild: SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia CC BY-SA 2.0
SPÖ droht mit Einschränkung der Pressefreiheit: Kein Aufschrei der sonstigen Gralshüter!

Die SPÖ Wien drohte dem Kurier unverhohlen, die Zusammenarbeit einzustellen, weil sie mit dem Artikel „SPÖ-Wahlstrategie: Der Doskozil-Hype ist vorbei“ nicht zufrieden war. Der Aufschrei der sonstigen Gralshüter der Pressefreiheit blieb aber aus.

SPÖ: Unmöglich, auf dieser Basis zu kooperieren

Laut Standard-Bericht heißt es in einer Mail aus der SPÖ-Wien, die an die Autorin des Artikels, Daniela Kittner, sowie an Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon und mehrere SPÖ-Vertreter gerichtet ist:

Wir lassen es uns sicher nicht gefallen, dass ihr nun einen Keil zwischen Ludwig, Doskozil und Rendi Wagner reinbringen wollt durch diese absolute Fake News Geschichte. Wir sind völlig entsetzt über die Geschichte und fordern euch ultimativ auf diese gänzlich zurückzuziehen. Die SPÖ Wien hat ein großes Interesse bestmöglich mit dem Kurier zu kooperieren. Auf dieser Basis ist das aber unmöglich.

998.000 Euro von Stadt Wien für den Kurier

Das heißt wohl soviel wie: Schreibt positiv über die SPÖ Wien, sonst drehen wir euch den Geldhahn zu. Immerhin: Laut Medientransparenzdatenbank gehört die Stadt Wien zu den Großkunden des Kurier. 2018 flossen rund 998.000 Euro an Inseratengeldern an das Blatt.

Die Mail zeigte offenbar Wirkung, denn der Standard ergänzte seinen Artikel am 5. Juni um 20.00 Uhr mit einem Update:

Für die SPÖ Wien sind die Differenzen mit dem „Kurier“ nach einem klärenden Gespräch wieder beigelegt.

Ganz im Stil von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern

Damit hat sich die Sache? Die SPÖ darf Medien, die nicht in ihrem Sinne berichten, maßregeln und offen drohen, Kooperationen einzustellen? Ganz im Stile eines Ex-SPÖ-Kanzlers Christian Kern, der dies bereits mit der Gratiszeitung Österreich machte.

Mahnende Worte zur Pressefreiheit bleiben aber aus. Kein betroffener ZIB-2-Beitrag im ORF, keine empörten Presseaussendungen der Liste „Jetzt“ oder der Neos, geschweige denn der SPÖ.

Linke Medien bestimmen, wann Pressefreiheit in Gefahr ist

Was war umgekehrt los, als ein Ministeriumsmitarbeiter, der nicht unmittelbar zum politischen Umfeld von Ex-Innenminister Herbert Kickl gehörte, in einer Mail an die Landespolizeidirektionen darauf hinwies, Medien, die nicht faktenorientiert berichten würden, keine besonderen Zuckerln wie zum Beispiel Sonderreportagen anzubieten?

Oder Harald Vilimskys Forderung nach Konsequenzen für Armin Wolf, der in einem Interview mit dem freiheitlichen Generalsekretär und EU-Wahl-Spitzenkandidaten einen FPÖ-Cartoon mit Juden-Karikaturen aus dem Nazi-Kampfblatt Der Stürmer verglichen hatte?

Da war plötzlich die Pressefreiheit in Gefahr, Kickl musste im Parlament dazu Stellung nehmen, und in den Medien war tagelang nur über besagte Mail eines Ministeriumsmitarbeiters berichtet worden, ebenso im Fall des Vilimsky-Interviews, wo man gar politische Zensur und Einschüchterung gegenüber dem armen Armin Wolf durch die FPÖ anprangerte.

Welche Absicht hinter dieser künstlichen Aufregung wirklich steckte, kann – nach dem Schweigen derselben Leute bei der SPÖ-Drohung gegen den Kurier – jeder selbst beurteilen.

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