Ende des Marxismus: Verein unter dem Symbol von Hammer und Sichel nicht mehr behördlich auffindbar.

Foto: Bild: Bouarf / Wikimedia ()CC-BY-SA-2.5)
Justiz: Vereinigung revolutionärer Arbeiter Österreichs nicht auffindbar

Gegen die Vereinigung revolutionärer Arbeiter Österreichs (Marxisten – Leninisten) mit Vereinssitz in der Siebenbrunnengasse in Wien wurde beim Bezirksgericht Innere Stadt Wien eine sogenannte Abwesenheitspflegschaftssache eingeleitet. Durch das zuständige Pflegschaftsgericht erging folgender Beschluss am 7. Juni:

Für den Verein „Vereinigung revolutionärer Arbeiter Österreichs (Marxisten – Leninisten) letzte Anschrift 1050 Wien, Siebenbrunnengasse 64/1A wird Mag. Wolfgang Ruckenbauer, RA, An der Hülben 1/15, 1010 Wien, zum Abwesenheitskurator gemäß § 270 ABGB bestellt und beauftragt, den Verein auf dessen Gefahr und Kosten im Verfahren vor dem Büro für Vereins-, Versammlungs- u. Medienrechtsangelegenheiten der LPD Wien zu vertreten bis dieser einen Bevollmächtigten namhaft macht.

Eine Linksabspaltung der KPÖ an ihrem Ende?

Der wissenschaftliche „Internetinformationsdienst Austria Forum“ weiß über die Vereinigung revolutionärer Arbeiter (VRA), die vereinsrechtlich jetzt offensichtlich an ihr Ende gelangt ist, Folgendes zu berichten:

Die VRA entstand aus der Vereinigung von zwei marxistischen Gruppen, die sich zuvor um die Zeitungen „Funke“ und „Der Kommunist“ gebildet hatten. Teile ihrer Mitglieder stammten auch aus den Reihen der Marxistisch-Leninistischen Partei Österreichs (MLPÖ), die sich zuerst als MLÖ von der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) abgespalten hatte und dann ihrerseits durch Richtungsstreitigkeiten aufgerieben wurde.

Im April 1967 erschien die erste Nummer der Zeitung „Der Kommunist“, die vom Erdölarbeiter Alfred Jocha herausgegeben wurde. Bis zur Gründung der VRA verging aber noch einige Zeit. Im Oktober 1967 rief die Zeitung „Der Kommunist“ (Nr. 8) zur Gründung „einer revolutionären Arbeiterpartei auf der Grundlage des Marxismus – Leninismus“ auf. Die Gründung einer Arbeiterpartei gelang anscheinend nicht, da im Februar 1968 („Der Kommunist“ Nr. 12) die Gründung der VRA als Vereinigung bekannt gab, die es sich zum Ziel setzte, eine Arbeiterpartei zu gründen. Im Juni 1968 wurde die Grundsatzerklärung der VRA publiziert, die seither kaum verändert wurde. Von Ende der sechziger Jahre bis ca. 1976 veröffentlichte die Peking Rundschau gelegentlich Glückwunschschreiben und Beileidstelegramme von Alfred Jocha im Namen der Organisation. In den siebziger Jahren hatte die VRA regen Zulauf, auch aus der Studentenschaft, es erschien eine eigene Jugendzeitung: Die „Rote Garde“. Die VRA bestand aus mehreren Landesorganisationen in verschiedenen Bundesländern. Viele Jahre war Alfred Jocha der Vorsitzende der VRA.

In den vergangenen 40 Jahren gab es diverse Richtungsstreitereien in der Organisation, die sich zum Teil auch in ihren Publikationen spiegelten. So wurde zum Beispiel die Zeitung „Der Kommunist“ in „für die Volksmacht“, dann in „der Widerspruch“ und letztlich wieder in „für die Volksmacht“ umbenannt. Bis zum Jahr 2000 sind 327 Nummern der Zeitung und zahlreiche Einzelbroschüren erschienen.

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