China stuft Österreichs Bonität ab

1. Dezember 2010 - 15:36

Finanzminister Josef Pröll könnte das Lachen bald vergehenWestliche Industrienationen waren von der zweiten Weltwirtschaftskrise am stärksten betroffen. Um den Zusammenbruch des allzu vernetzten Bankensystems abzuwenden, stürzte sich der Westen in die Verschuldung. Ausufernde Haushaltsdefizite, Konjunktureinbrüche und die sich stetig steigernde Zinslast engen den wirtschaftlichen Spielraum immer weiter ein. Europa hat es besonders schwer: Aus der Gemeinschaftswährung wurde gemeinsames Leid.

Die ökonomischen Beinahe-Zusammenbrüche Griechenlands und Irlands, die nur durch den Transfer von hunderten Milliarden Euro abgewendet werden konnten, verschlechtern die Bonität der zahlenden und haftenden Staaten. Während der Westen bemüht ist, sich zu konsolidieren, geht es in China weiter bergauf. Die Volkswirtschaft stellt ihre wachsende Bedeutung zu unterschiedlichsten Anlässen unter Beweis und gründete eine eigene Rating-Agentur. Diese nennt sich Dagong Global Rating Co. und kommt zu ganz anderen Schlüssen als ihre US-amerikanischen Gegenstücke Standard & Poors, Fitch oder Moodys.

Finanzminister Josef Pröll könnte das Lachen bald vergehenStaatsanleihen von Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten werden als risikoreicher eingestuft als chinesische. Auch mit Josef Pröll und seiner Budgetpolitik gehen die Analysten aus dem Reich der Mitte hart ins Gericht. Die Bonität Österreichs wurde vom höchsten Wert AAA um einen Rang auf AA+ abgestuft, damit liegt die Republik hinter Hongkong.

Kreditklemme für Staaten droht

Auf den ersten Blick keine große Sache. Doch schon jetzt müssen Österreichs Steuerzahler jährlich acht Milliarden Euro Zinsdienst an Gläubiger abführen. Sich verschlechternde Bonität geht mit steigender Zinslast einher. Sollte sich die Sichtweise des Reiches der Mitte durchsetzen, würde diese Last immer drückender. Selbiges gilt natürlich für andere mögliche Abstiegskandidaten, wie Angela Merkels Bundesrepublik Deutschland, die Melkkuh Europas. Im schlechtesten Fall könnte den alten Industrienationen gar eine Kreditklemme ins Haus stehen.

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Der einzig denkbare Ausweg ist die Bereitschaft zu höherer Wettbewerbsfähigkeit und Selbstverantwortung. Die Finanzmärkte betrachten die Vorgänge in Europa mit Skepsis. Der Euroraum wird sich den wenig erstrebenswerten Luxus, bankrotte Staaten und Banken ohne Wenn und Aber aufzufangen – was im Endeffekt bedeutet, deren Schulden zu übernehmen – nicht mehr länger leisten können. Seit Jahrzehnten anstehende Struktur- und Pensionsreformen dürfen nicht mehr länger auf die lange Bank geschoben werden. Zuwanderungspolitik ohne Beschränkungen darf nicht weiterhin als humanistische Verpflichtung angesehen werden, sondern muss unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden. Irgendwann müssen wir die Rechnung dafür begleichen - China präsentierte uns den Kostenvoranschlag

Foto: BMF/Schneider

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