Jetzt ist guter Rat teuer. Ibiza-Mails und die Parteispenden-Affäre führen Sebastian Kurz immer tiefer in die Krise.

Bild: Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (Dragan Tatic) / flickr (CC BY 2.0)
Seltsamer Segen entwickelt sich für Sebastian Kurz zu bösem Fluch

Seit Sebastian Kurz am vergangenen Sonntag im Ambiente eines skurrilen Massengebets in der Wiener Stadthalle von einem australischen Prediger gesegnet wurde, läuft es für ihn gar nicht mehr. Man könnte fast annehmen, der Segen wirke auf ihn wie ein Fluch.

Fälschungsklage über Mails, die keiner kannte

Schon am Tag darauf musste Kurz mit seinem Generalsekretär Karl Nehammer vor die Presse treten, um in einem merkwürdigen Dementi die Fälschung von E-Mails zu beklagen, welche ihn und seinen engsten Vertrauten Gernot Blümel in Zusammenhang mit dem „Ibiza-Video“ rücken würden, die aber die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt gar nicht kannte. EU-Infothek veröffentlichte gestern, Freitag, Auszüge, aus denen klar wird: Wären die Mails echt, würde das bedeuten, dass die beiden bereits im Februar 2018 – also nur zwei Monate nach dem Beginn der gemeinsamen Regierung mit der FPÖ – über das Video informiert gewesen wären und nach einer „perfekten Strategie“ für den Umgang damit gesucht hätten.

ÖVP-nahe Agentur verteilte Geld aus anderen Quellen

Die Rechercheplattform Addendum sorgte am Mittwoch für brisante Enthüllungen. Die ÖVP-nahe Agentur Mediaselect soll demnach „von 2002 bis 2012 als Gelddrehscheibe für die Volkspartei gedient“ und ein Guthaben zugunsten der ÖVP verwaltet haben, das aus anderen Quellen gespeist wurde. In einem weiteren Artikel beschreibt Addendum, wie aus diesem Guthaben eine schmutzige Inseratenkampagne gegen die SPÖ bezahlt und die teure Inszenierung des damaligen Vizekanzlers Josef Pröll mit einem „Superpraktikanten“ unterstützt worden sein soll.

Großspende in Tranchen versteckt und im Wahlkampf verheimlicht

Und am Donnerstag wurde publik, dass ein Tiroler Industrieller zwischen einer halben und einer Million Euro an die ÖVP gespendet hatte, ohne dass der Betrag sofort publik wurde. Der Schmäh: Die Spende wurde gestückelt, wodurch eine sofortige Veröffentlichung durch den Rechnungshof verhindert wurde.

Ähnlich gingen auch drei andere Spender vor, wie Nehammer am Freitag gestehen musste. Anstatt der bisher bekannten 2,1 Millionen Euro erhielt die ÖVP somit im Wahljahr 4,4 Millionen – soweit der Stand, wie er von der ÖVP jetzt angegeben wird.

Erbetete Weisheit dringend nötig

Der australische Prediger Ben Fitzgerald betete am Sonntag insbesondere dafür, dass Gott Sebastian Kurz „riesige Weisheit“ geben möge. Die könnte er jetzt tatsächlich gebrauchen.

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