In Budapest will man den nationalen Zusammenhalt fördern. Rumänien und die Slowakei reagieren empört.

Bild: Julian Nitzsche / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Ungarn erklärt 2020 zum Jahr des Volkszusammenhaltes – über die Grenzen hinweg

Nächstes Jahr jährt sich das Friedensdiktat von Trianon zum hundertsten Mal. Mit diesem Vertrag wurde Großungarn nach dem ersten Weltkrieg zerschlagen und verlor zwei Drittel seiner Gebiete. Das ungarische Parlament beschloss nun mit großer Mehrheit, das Jahr 2020 als Jahr des „Volkszusammenhaltes“ abzuhalten und sichert den Auslandsungarn die volle Unterstützung zu. In Rumänien und in der Slowakei reagierte man umgehend negativ.

Die Spannungen nehmen zu

Die aktuelle Stimmung zwischen Ungarn und Rumänien ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Seit der Schändung eines ungarischen Soldatenfriedhofs im bis zum ersten Weltkrieg zu (Österreich-)Ungarn gehörenden Siebenbürgen (unzensuriert berichtete) verschärft sich die Lage stetig. Die Gemüter scheinen auf beiden Seiten zusätzlich aufgeheizt zu sein, weil sich nächstes Jahr der Vertrag von Trianon jährt. Dieser Pariser Vorortvertrag war für die Ungarn das, was Saint-Germain für die Republik Deutschösterreich und Versailles für das Deutsche Reich war. In diesen Vorortverträge haben die Siegermächte, allen voran Frankreich und England, die alten Reiche der Verlierer am Schreibtisch zerschlagen und damit die Weichen für die Konflikte gelegt, die in den zweiten Weltkrieg geführt haben.

Es geht um Millionen Menschen

Anders als in Österreich und der Bundesrepublik Deutschland heute, wo man für das Aussprechen historischer Tatsachen schon die mediale „Nazi-Keule“ befürchten muss, ist das Gedenken der „nationalen Tragödie“ vor hundert Jahren in Ungarn bis heute allgegenwärtig.

Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Zahl der ungarischen Minderheit in den verlorenen Gebieten auch noch hundert Jahre später gewaltig ist. Laut der letzten großen Volkszählung 2011 lebten in diesen Gebieten über zwei Millionen Ungarn, davon über die Hälfte in Siebenbürgen. Zum Vergleich: In Südtirol leben etwa 300.000 Deutsche. Nun beschloss das ungarische Parlament, auch in Angesicht der jüngsten Entwicklungen, 2020 zum Jahr des Volkszusammenhaltes zu gestalten.

Die Regierung sichert volle Unterstützung zu

Dabei heißt es in der offiziellen Stellungnahme der Regierung, dass diese Maßnahme notwendig sei

[.] auf Grund der durch das Friedensdiktat ausgelösten politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und seelischen Probleme, welche bis heute ungelöst sind, aber auch aus Glauben an die Erhaltung des ungarischen Volkes außerhalb der heutigen Grenzen.

Des Weiteren sicherte man die volle Unterstützung für alle Gedenk- und Kulturveranstaltungen der ungarischen Minderheiten im Ausland zu. Die ungarische Regierung werde diese auch finanziell unterstützen.

Rumänien und die Slowakei leugnen Probleme

Im Kontext der aktuellen Spannungen zwischen Ungarn und Rumänien wertet man dieses Vorhaben in Bukarest als verbale Aggression. Die rumänische Regierung antwortete umgehend, die Aussagen Ungarns

gehen in Richtung der Umschreibung der Geschichte und des Revisionismus. [.] Es existieren schlicht keine ,politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen oder seelischen Probleme‘, welche durch den Friedensvertag ausgelöst wurden.

Kein Wort wird über die jüngsten Ausschreitungen verloren. Auch die Slowakei zeigt sich alles andere als erfreut. Die Regierung in Pressburg beklagte, dass

sich die Aussagen Ungarns so anhören, als ob irgendeine Diskriminierung von Minderheiten in den Nachbarländern stattfinden würde.

Vielleicht sind der slowakischen Regierung die neusten Bilder von der Gräberschändung in Siebenbürgen entgangen. Im Übrigen hat die Slowakei nach dem neuen Gesetz der Orbán-Regierung zur Erleichterung der doppelten Staatsbürgerschaft umgehend im eigenen Land beschlossen, dass alle Ungarn automatisch die slowakische verlieren, wenn sie den ungarischen Pass annehmen.

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