Auch beim ORF-Radiosender Ö3 kann Ex-Kanzler Kurz seine Botschaften prominent anbringen.

Bild: European Parliament from EU / Wikimedia (CC BY 2.0)
Nachrichten oder Werbeeinschaltung für Kurz? Hörer verwundert über Ö3

Die wohlwollende Berichterstattung in der heimischen Medienlandschaft für Ex-Kanzler Sebastian Kurz macht auch vor dem Hörfunk nicht halt. Der reichweitenstarke ORF-Radiosender Ö3 widmete Kurz gleich mehrere Sendebeiträge, die von Werbeeinschaltungen kaum zu unterscheiden waren, was wiederum einige Hörer irritierte.

Werbung für ÖVP-Vorschlag als „Nachrichten“

So wurde am Montag in den Acht-Uhr-Nachtrichten auf Ö3 über den Vorstoß der Kurz-ÖVP zur Etablierung einer Pflegeversicherung für alle Österreicher berichtet. Mehr als eine Minute lang erläuterte dabei der Moderator ausführlich und durchaus positiv gestimmt die Forderungen der Schwarzen. Was jedoch befremdlich war: Der Beitrag endete ohne die Erwähnung der breiten Kritik an diesen Vorschlägen, die seit gestern überall zu lesen ist. 

Denn sämtliche Parteien, von FPÖ über Neos und SPÖ sowie Interessensverbände wie der ÖGB, der Pensionistenverband oder die Industriellenvereinigung (IV), kritisierten umgehend das ÖVP-Konzept einer Pflegeversicherung. Auf Ablehnung stieß vor allem die zusätzliche Belastung für den österreichischen Steuerzahler durch so eine Maßnahme. 

FPÖ-Chef Hofer für nachhaltige Pflegereform

Für FPÖ-Chef Norbert Hofer verlasse die ÖVP damit klar den Pfad der Steuer- und Abgabenreform, denn eine zusätzliche Pflichtversicherung bedeute eine Mehrbelastung für „alle Steuerzahler und Sozialversicherten“. Viel eher plädiert Hofer für die Schaffung einer Bundesgenossenschaft für Pflege und Betreuung, um ein „nachhaltiges Pflegesicherungskonzept aus dem System zu finanzieren“.

Kurz erster Gast bei Ö3-Sommergespräch

Ins Bild der scheinbaren Werbekampagne für Kurz auf Ö3 passt auch die Einladung des Ex-Kanzlers zum „Frühstück bei mir“-Sommergespräch mit Claudia Stöckl. Dort durfte er als erster aller politischer Vertreter Platz nehmen und sich erneut prominent zum „Ibiza-Video“ äußern. So sei das Nichtreagieren auf Kontaktversuche seitens Heinz-Christian Straches am Tag der Veröffentlichung des Videos aus privaten Gründen erfolgt, da seine Großmutter krank gewesen sei und er an diesem Tag „nichts von Politik hören wollte“. 

Der FPÖ attestierte Kurz beim Sommergespräch überdies, mangelnde Konsequenzen aus dem „Ibiza-Video“ gezogen zu haben. Generell würden sich „Teile der FPÖ in eine sehr negative und radikale Richtung entwickeln“, so die an frühere „Alt-ÖVP-Zeiten“ erinnernde Rhetorik des Ex-Kanzlers.

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