Papst Franziskus wirft der Amtskirche in der Bundesrepublik Deutschland die Kirchenaustritte vor.

Bild: Casa Rosada / wikimedia (CC-BY-SA 2.0)
Überraschung aus Rom: Papst Franziskus mahnt bundesdeutsche Amtskirche ab

Für Überraschung sorgte Papst Franziskus mit seinem offenen Brief an die Katholiken in der Bundesrepublik Deutschland. In der Tat ist es dieser Text wert, genauer betrachtet zu werden, wobei natürlich zum einigermaßen realistischen Verständnis Kenntnisse der Theologie wie offiziellen kirchlichen Stils und kirchenpolitischer Gegebenheiten nützlich bis unverzichtbar sind.

Sorge um kirchliche Zukunft

Offen spricht der Pontifex von der „Sorge um die Zukunft der Kirche in Deutschland„. Es finden sich einige nette Worte über das kirchliche Leben in der Bundesrepublik, was nicht überrascht, wenn man weiß, dass es traditioneller Stil gerade der römischen Kurie ist, rhetorische Zuckerstückchen zu verteilen, auf dass der Angesprochene nicht zu heftig reagiert. Ähnliches kennt man aus der Arbeit diplomatischer Dienste und anderer Regierungsstellen in aller Welt.

Wie ernst es um das kirchliche Leben längst auch in den Augen von Papst Franziskus bestellt ist, wird deutlich, wenn dieser mahnt:

Heute indes stelle ich gemeinsam mit euch schmerzlich die zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens fest mit all dem, was dies nicht nur auf geistlicher, sondern auch auf sozialer und kultureller Ebene einschließt.

Drastischer Rückgang der Besucher der Sonntagsmesse

Von „Aufbruch und Wachstum im Sinne des II. Vatikanischen Konzils“ oder ähnlichem ist nichts mehr zu vernehmen. Stattdessen wird unter Berufung auf Benedikt XVI. eingeräumt, dass es flächendeckend einen drastischen Rückgang der Besucher der Sonntagsmesse sowie beim Empfang der Sakramente“ gibt.

Kühle Distanz

Kühle Distanz lässt Franziskus gegenüber dem von den amtskirchlichen Bischöfen in der Bundesrepublik vollmundig angekündigten „Synodalen Weg“ erkennen und warnt vor „Versuchungen“, vor „Ungleichgewichten und Missverhältnissen“. Dagegen ginge es um eine angemessenen Annahme der derzeitigen Situation. Gegenüber kirchenpolitischen Taktieren durch amtskirchliche Vertreter wird in dem Schreiben ein „Primat der Evangelisierung“ angemahnt.

Keine Unterwerfung unter Zweites Vatikanisches Konzil

Dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird in einer Wortspende gerade noch zugebilligt, „ein wichtiger schritt für die Herausbildung des Bewusstseins“ gewesen zu sein. Von einer bedingungslosen dogmatischen Unterwerfung unter die weitschweifigen Beschlüsse dieser umstrittenen Kirchenversammlung oder etwa Verdammung ihrer konservativen Kritiker findet sich bei Papst Franziskus kein Wort. Stattdessen bekennt Franziskus ohne Überheblichkeit:

Die anstehenden Herausforderungen, die verschiedenen Themen und Fragestellungen können nicht ignoriert oder verschleiert werden, man muss sich ihnen stellen.

Bei solchen Worten mag sich der gebildete Zeitgenosse an die Mahnungen erinnert fühlen, die der konservative Kritiker amtskirchlicher Entwicklungen, Erzbischof Marcel Lefebvre, schon vor Jahrzehnten aussprach. Auf dieser Linie liegt auch die Warnung bei Papst Franziskus vor theologischer Eigenbrötelei, vor Selbstisolierung gegenüber der Weltkirche seitens amtskirchlicher Strukturen in der Bundesrepublik.

Kleinlauter AfD-Beschimpfer

Bemerkenswert ist, wie umgehend etwa der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, auf das brisante Papstschreiben reagierte. Der für seine Ausfälle gegen die AfD und alles, was vermeintlich „rechts“ ist, berüchtigte Woelki räumt nun kleinlaut ein, dass man es tatsächlich mit einer handfesten Krise der Kirche zu tun hat. Zumindest dieses Mal erspart Kardinal Woelki den Zeitgenossen Hasstiraden gegen „rechts“ wie auch das sattsam bekannte Gerede vom „Geist des II. Vatikanischen Konzils“.

Erst recht räumt der Generalvikar der amtskirchlichen Diözese Regensburg, Michael Fuchs, ein, in welch ernster Lage sich die katholische Kirche längst befindet. Auffällig ist, wie dieser Amtskirchenvertreter auf Attacken gegen konservative Katholiken verzichtet, die in Gestalt der berühmten Priesterbruderschaft St. Pius X. längst nahe Regensburg in Zaitzkofen über ein eigenes internationales Priesterseminar verfügen.

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