Herbert Kickl betreibt eine ideologisch fundierte Politik – und grenzt sich damit von Sebastian Kurz deutlich ab.

Foto: Bild: FPÖ
Ideologie statt Beliebigkeit: Kickl will kein Schauspieler sein

Österreichs Ex-Innenminister Herbert Kickl gibt in einem ausführlichen Interview in der aktuellen Ausgabe des Magazins Freilich tiefe Einblicke in sein Politik-Verständnis. Er wolle Politik machen und kein Schauspieler sein, sagt der nunmehrige geschäftsführende Klubobmann der Freiheitlichen im Parlament. Und er grenzt sich damit scharf von dem Bild ab, das er selbst – und wohl auch viele andere – von Ex-Kanzler Sebastian Kurz haben.

„Gesellschaft in die richtige Richtung bringen“

Kickl fasst seinen Zugang zur Arbeit im Innenministerium, das er 17 Monate lang geleitet hat, so zusammen:

Wir haben – und ich sage das ganz bewusst – mit dem Regierungseintritt ein ideologisches Projekt verfolgt. Da geht es nicht um die Frage, dass man von sich behaupten kann, man war einmal Minister, sondern es geht darum, eine Chance zu ergreifen in einer Gesellschaft, in der ich davon überzeugt bin, dass in wesentlichen Fragen vieles schief läuft, und das in die richtige Richtung zu bringen. So haben wir das verstanden, und dementsprechend haben wir im Ressort nicht nur die Richtung verändert, sondern auch sogar die Schlagzahl vorgegeben und in großer Geschwindigkeit wesentliche Projekte umgesetzt, an denen sofort erkennbar gewesen ist, in diesem Bereich weht ein neuer Wind.

Das sei der ÖVP „unheimlich geworden“, bis sie mit ihrem Latein am Ende gewesen sei, die Gelegenheit – gemeint ist das „Ibiza-Video“ – genutzt und „den Stecker gezogen“ habe.

An Grundsätzen orientiertes Welt- und Menschenbild

Gefragt, was für ihn Ideologie bedeute, sagt Kickl gegenüber Freilich:

Ideologie bedeutet für mich ein Welt- und Menschenbild, das sich an bestimmten Grundsätzen orientiert. Ein ideologischer Mensch ist für mich jemand, der anhand eines solchen Systems seine Handlungen und seine Beurteilungen vornimmt.

Kurz in jeder Situation „gebrieft, vorbereitet und gecoacht“

Mit dieser Politik-Grundlage grenzt sich Kickl von Sebastian Kurz ab, dessen Stil er so beschreibt:

Es ist ein eigenartiger Stil, an den man sich gewöhnen muss, weil es um Kurz eigentlich nichts gibt, was dem Zufall überlassen wird. Es ist alles gebrieft, vorbereitet und gecoacht – bis ins letzte Detail. [.] Dieser Stil war gewöhnungsbedürftig, denn ich sehe meine Aufgabe wahrscheinlich ganz anders: Ich will Politik machen und kein Schauspieler sein.

Segnung durch Prediger nicht „passiert“

Genau wegen dessen perfekter Vorbereitung auf alle Termine und Ereignisse glaubt Kickl übrigens nicht, dass Kurz der peinliche Auftritt mit dem australischen Prediger in der Stadthalle „passiert“ sei. Er habe „sicher mit einigem Vorlauf alle Unterlagen bekommen, die er gebraucht hat, damit er weiß, was er dort machen muss bei dieser seltsamen Segnung“.

Freilich erscheint als „das Magazin für Selbstdenker“ zweimonatlich und kann unter diesem Link abonniert werden.

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