Internetkollektiv stellt sich gegen Wikileaks-Gegner

BildSie bezeichnen sich als "Internet Hate Machine" und üben wahllose Selbstjustiz an allem, was gegen ihr kollektives Rechtsverständnis stößt: Die Online-Gruppe mit dem bezeichnenden Namen "Anonymous" hat die Webseiten der Kreditkartenunternehmen Visa und MasterCard mittels einer DoS-Attacke abgeschossen, nachdem diese die Kontos der Enthüller-Seite Wikileaks gesperrt hatten. Indessen gibt es über 1300 aktive Spiegelungen der Seite im Netz. Wie groß ist die Macht der unbekannten Aktivisten wirklich?

 

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Typisches Erscheinungsbild von Anonymous-Mitgliedern
Foto: remisser / flickr

Bereits 2008 demonstrierten Anonymous, welche Leistungen möglich werden, wenn genügend Leute sich für eine Sache einsetzen. Sie verschworen sich gegen die Sekte Scientology, griffen deren verschiedenen Internetpräsenzen an, terrorisierten die Zentralen mittels Anrufen und Post und mobilisierten mittels massenweise produzierten Youtube-Videos über 6.000 Menschen in 14 Ländern der Welt zu Demonstrationen.

Ursprünglich stammt Anonymous aus dem Slang der Internetbenutzer, die sich auf offenen Foren tummeln. Deren Struktur erlaubt es Benutzern, Bilder mit Text in den verschiedenen Bereichen zu posten – im Gegensatz zu den üblichen Communities muss dafür jedoch kein Account registriert werden. Wählt ein Benutzer keinen Namen für seine Beiträge, so wird er als "Anonymous" ausgewiesen. Auf diese Weise kann jeder Internetbenutzer sich dem Kollektiv anschließen bzw. daraus austreten – auch gibt es keine Art von Hierarchie oder Kontrollinstanzen.  
 

 

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Die Startseite der riesigen Community
Bild: believekevin / flickr

Die größte Seite dieser Art, www.4chan.org, zählt täglich über 600.000 Besucher und ist eine wahre Brutstätte für kollektive Vorstellungen und Begriffsprägungen. Die nahezu unbegrenzte Freiheit der Benutzer scheint diese für Themen wie Pressefreiheit, Zensur und das freie Internet zu sensibilisieren: In Windeseile war die "Operation: Payback" (was soviel wie Rache bedeutet) auf die Beine gestellt – deren Erfolg unbestreitbar ist.

In einem Interview mit BBC erläuterte ein Mitglied der Gruppe die Prinzipien, mit denen das Kollektiv sich momentan gegen die Gegner von Wikileaks richtet: "Bei Wikileaks geht es jetzt um mehr als um veröffentlichte Dokumente, es ist ein Kriegsschauplatz geworden: Die Menschen gegen die Regierung." Die Attacken richten sich gegen "Webseiten, die sich dem Regierungsdruck beugen", und unternehmen "verschiedenste Dinge", um Wikileaks zu unterstützen und den beteiligten Unternehmen klarzumachen, dass Zensur im Internet unerwünscht ist.

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